Von Von Hans-Willy Bein

KarstadtQuelle streicht viel mehr Stellen als bisher geplant und gliedert über 70 Warenhäuser aus. Nach Verlusten von 300 Millionen Euro im ersten Halbjahr ist die Lage für den Konzern einem Aufsichtsrat zufolge "sehr ernst".

Nach der Vorstellung am Montag im Aufsichtsrat will Christoph Achenbach, der neue Chef von Europas größtem Kaufhaus- und Versandhandelskonzern, sein Sanierungsprogramm am Dienstag der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Lage von KarstadtQuelle sei nach Verlusten von 300 Millionen Euro im ersten Halbjahr "sehr ernst", sagte Aufsichtsrat Thomas Middelhoff. (© Foto: dpa)

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Die Lage von KarstadtQuelle sei nach Verlusten von 300 Millionen Euro im ersten Halbjahr "sehr ernst", sagte Aufsichtsrat Thomas Middelhoff in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Die Zukunft werde "von tiefen Schnitten" geprägt sein. Alles, was nicht Stammgeschäft sei, stehe zur Disposition. Für den Konzern geht es nach Darstellung von Middelhoff "ums Überleben".

4000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden

Sanierungsbedarf hat Konzernchef Achenbach in den klassischen Karstadt-Zweigen Warenhaus und Versandhandel gleichermaßen ausgemacht. Hier wird es zum Abbau von mehreren Tausend Stellen kommen. Auf dem Prüfstand stehen dazu alle nicht zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten. So ist die Trennung von der Hypothekenbank im Gespräch.

Bereits angekündigt wurde die Streichung von mindestens 4000 Arbeitsplätzen bei den Warenhäusern. Tatsächlich sollen aber - zeitlich gestreckt - 1500 bis 2000 Stellen zusätzlich gekappt werden. Auch im Versandhandel wurden die Mitarbeiter schon auf Kündigungen vorbereitet.

Zum Umfang der Stellenstreichungen gab es hier bisher aber keine Informationen. Jedenfalls werden es deutlich mehr sein als die 500 Arbeitsplätze in den Call-Centern in Mainz und Köln, die aufgegeben werden sollen.

90 lukrative Filialen, 92 Sorgenkinder

Entgegen gewissen Spekulationen in den Medien, ist die weitere Schließung von Warenhäusern zunächst nicht geplant. Ein solcher Schritt verschafft so schnell keine Luft, weil die Erfüllung von Mietverträgen und Sozialplänen viel Geld kostet. Darauf hatte Warenhaus-Chef Helmut Merkel stets hingewiesen.

Gleichwohl sind fünf der 180 Häuser in letzter Zeit schon veräußert oder geschlossen worden. Für weitere zehn soll eine andere Nutzung als die eines Karstadt-Warenhauses gefunden werden.

Diese 15 Filialen machen die größten Sorgen. Während knapp 90 Kaufhäuser ausgesprochen gut laufen, gibt es neben den Sorgenkindern noch 77 Läden, die nicht gut positioniert sind. Sie sollen in eine eigene Gesellschaft mit einer anderen Organisation ausgegliedert werden. Damit soll der Weg zu Alternativ-Konzepten geebnet werden.

Großaufräumen angekündigt

Dies kann zum Beispiel den Weiterbetrieb mit anderen Sortimenten oder unter einem anderen Namen als KarstadtQuelle bedeuten. Der Konkurrent Metro hatte vor Jahren seine schlecht laufenden Kaufhof-Filialen und die Kaufhalle in die Verwertungsgesellschaft Divaco ausgegliedert und sich nach und nach davon getrennt. Dieses Konzept verfolgt Merkel für Karstadt offenbar nicht.

Bei den Karstadt-Versandtöchtern hatte Neckermann-Chef Arwed Fischer schon in den letzten Tagen ein Großaufräumen angekündigt. In einem Brief an die Mitarbeiter hatte er Kündigungen in größerem Umfang nicht ausgeschlossen und das ganze Geschäftsmodell des Universalhandels in Frage gestellt.

Kurz nach seinem Einstand hatte Achenbach bereits betont, bei der Sanierung kein Tabu zu kennen. Beschlossen ist die Veräußerung von Teilen der IT-Tochter Itellium zum 1. Oktober. Weiter scheint eine Trennung von der Hypothekenbank geplant. Interesse wird der Postbank und der niederländischen ABN Amro nachgesagt.

Kraftakt mit acht Nullen

Neben der Umsetzung des Sanierungsprogramms kommt auf den KarstadtQuelle-Konzern noch der Kraftakt zu, die Finanzierung sicher zu stellen. Immerhin geht es dem Vernehmen nach um rund 500 Millionen Euro. Dazu kommen erwartete Verluste von 200 Millionen Euro aus dem laufenden Geschäft.

Um diesen Kraftakt zu stemmen, soll die vakante Stelle des Finanzvorstands endlich wieder besetzt werden. Neues Vorstandsmitglied soll Harald Pinger werden, der vom Gasehersteller Messer kommt. (Firmen des Tages)

(SZ 27.9.2004)

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