Hans-Peter Kau, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen der TU München, über die Stärken der Deutschen, schlechte Lehrpläne - und das Image von Ingenieuren.
Der effiziente Einsatz von Energie ist eines der großen Themen auf der diesjährigen Hannover Messe. Industrie und Forschung beschäftigen sich schon lange damit - nicht wegen des politischen Drucks und der Klimaziele, sondern weil "sich sparsame Anlagen rechnen", sagt Hans-Peter Kau, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen an der TU München und Direktor des Instituts für Luft- und Raumfahrt. Bevor er 1998 in die Wissenschaft wechselte, hat Kau fast sieben Jahre in der Industrie für BMW Rolls-Royce gearbeitet.
Professor Hans-Peter Kau (© Foto: oH)
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SZ: Herr Professor Kau, woran forschen Sie gerade?
Hans-Peter Kau: Mir persönlich bleibt momentan wenig Zeit für die Forschung, da ich seit Herbst Dekan der Fakultät für Maschinenwesen bin. Zusammen mit den Mitarbeitern meines Lehrstuhls arbeite ich an der Entwicklung wirtschaftlicher, umweltfreundlicher und damit kostengünstigerer Flugtriebwerke sowie deren Zuverlässigkeit. Energieeffizienz ist derzeit ein ganz großes Thema im Maschinenbau.
SZ: Weil die Politik Druck ausübt und Klimaziele formuliert?
Kau: Nein. Die Industrie beschäftigt sich seit langem damit, weil Energie schon immer der große Kostenfaktor war. Es rechnet sich, sparsamere Anlagen zu entwickeln. Vor 15 Jahren haben wir über Stickoxide debattiert, weil die im Verdacht standen, die Ozonschicht zu schädigen. Heute reden wir über CO2, wobei dessen Ausstoß eng mit dem Brennstoffeinsatz korreliert. Da haben wir in den vergangenen Jahren auch ohne politischen Druck große Fortschritte gemacht.
SZ: Wo denn zum Beispiel?
Kau: Vor 15 Jahren wurden Kombi-Kraftwerke eingeführt, bei denen eine Gasturbine, deren Wirkungsgrad alleine nicht so attraktiv ist, mit einer Dampfturbine kombiniert wird, die die Abwärme der Gasturbine nutzt, um nochmals elektrische Energie zu erzeugen. Damit erreichen wir heute eine Effizienz der Energieumwandlung von 60 Prozent.
SZ: Und 40 Prozent der Wärme verpuffen nach wie vor.
Kau: Ja, aber früher lag der Wirkungsgrad bei 35 Prozent. Der Fortschritt ist also enorm. Außerdem ist ein Wert von 100 Prozent noch nicht einmal theoretisch möglich!
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo der deutsche Maschinenbau führend ist.
SZ: Aber steigern lässt sich die Effizienz doch sicherlich noch. In welchem Maße?
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Machtkampf in der Linken
Der Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Die Industrie selbst hat mit ihrer dem Quartalsdenken verpflichteten Einstellungspolitik die Misere verursacht. In Niedersachsen wurde an einer FH sogar die Informatik abgeschafft, weil von Seiten der Industrie gesagt wurde, man bräuchte diese Informatiker nicht.
Das eigentlich Problem ist, dass die Vertreter der Arbeitgeber es immer wieder schaffen, die Schuld für das eigene Versagen dann der Politik zu geben. Die ist jetzt für angeblich schlechte Schüler, falschen Lehrpläne und zu wenige Studenten verantwortlich.
tatsache ist jedoch, dass als Folge der Einstellungs-Verweigerung der Firmen in den neunziger Jahren die Anzahl der Studienanfänger in Fächern wie Maschinenbau, E-Technik oder Chemie von einem Semester zum nächsten um bis zu 80% einbrachen. Wer nur den heutigen Gewinn sieht hat eben in der Zukunft Probleme....
... sind z.B. Klausuren, deren Durchfallquote von einem Semester zum nächsten unerklärlicherweise von 30% auf 70% steigt, Lehrstühle, die 10 Wochen für die Korrektur einer Klausur mit 20 mitschreibenden Studenten brauchen, Professoren und Assistenten, für die die Lehre das störende, nervige Element an der Universität darstellen, Überfüllung der Hörsäle gerade in den Grundstudiums-Semestern, ... und das alles für ein Studium, dem zu recht der Ruf einer harten, oft unbequemen und mit viel Arbeit verbundenen Studienzeit vorauseilt.
Ich studiere (noch) Maschbau an der TU München, und kenne einige, die von solchen Aussichten abgeschreckt worden sind. Es ist bestimmt keine Lösung, das Studium fachlich zu vereinfachen, aber wenn das Umfeld (Ausstattung der Lehrstühle, Personalsituation, Gewichtung der Lehre im Aufgabenkanon der wissenschaftlichten Angestellten) nicht deutlich verbessert wird, wird es schwierig, eine gestiegene Zahl an Studenten auch nur im Ansatz den Anforderungen entsprechend zu betreuen.
Bin mal gespannt, wie es weitergeht...
bobbycar17
Das Interview ist gut und es spricht einige wichtige Gründe für die Krise in den Ingenieurwissenschaften an - sofern man von einer Krise sprechen kann.
Aber es liegt nicht nur an Massenentlassungen oder schlechten Lehrplänen, es liegt vor allem auch daran, dass Schülern bzw. Studierenden Anfang und Mitte der 90er-Jahre von seiten der Industrie massiv ausgeredet wurde, ein Ingenieurstudium zu beginnen, da es in dieser Zeit schlicht und ergreifend keinen Bedarf an diesen Fachkräften gab. Dies wirkt sich genau jetzt aus, weil junge Menschen mit Affinität zu technisch-mathematischen Berufen damals wie heute sich bei der Studienwahl an Jobmöglichkeiten orientieren. Wenn die Unternehmen aber immer nur kurzfristig denken und eine entsprechende Stimmung schüren, dann ist der Mangel jetzt nicht verwunderlich.