Der erste Blick geht zum eigenen Handy: tatsächlich Nokia. Eine überaus beliebte Marke, bekannt für gute Produkte mit Flair, vom Image her eindeutig positiv besetzt. Ob das so bleiben wird?
Ohne Vorwarnung schließt der finnische Mobilfunk-Hersteller sein Werk in Bochum, bis zum Sommer werden mehrere tausend Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Menschen brauchen neue Arbeit, aber das wird nicht leicht werden. Handy-Fertiger sind nicht mehr gefragt in Deutschland, und im Umbruchland Nordrhein-Westfalen sind ohnehin viele Menschen auf Jobsuche. Die Hartz-IV-Reformen helfen, durch mehr Druck und mehr Förderung Arbeitslose wieder schneller zu vermitteln, aber sie haben wenig Mitleid mit denen, die lange nichts finden. Entsprechend herrschen in Bochum jetzt Schock und Verzweiflung. Und die Landesregierung steigert sich unter der Führung des CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers in einen heiligen Zorn über die "Subventions-Heuschrecke Nokia".
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Es geht bei Nokia um einen hohen Wert: den guten Ruf. (© Foto: dpa)
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Subventions-Heuschrecke, das ist ein raffiniertes Wort, welches Franz Münteferings geniale Wortschöpfung aus dem Jahr 2005 über die Finanzinvestoren variiert, die "wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen herfallen, sie abgrasen und weiterziehen". Einige von Münteferings Heuschrecken haben sich mittlerweile als Retter der übernommenen Firmen erwiesen. Rüttgers' Subventions-Heuschrecke Nokia hat erst Staatsmillionen kassiert, damit sie im Land blieb, und macht sich nun trotzdem aus dem Staub.
Man kann und wird rechtlich prüfen, ob Nokia die Subventionen zurückgeben muss. Es sieht danach freilich nicht wirklich aus, falls die damals vereinbarten Haltefristen ausgelaufen sind. Es liegt in der Natur solcher Haltefristen, dass man nach deren Ende wieder frei in seiner Entscheidung ist. Dennoch wäre Nokia gut beraten, ein Zeichen des guten Willens zu setzen. Es handelt sich um für den Weltkonzern vergleichsweise bescheidene 88 Millionen Euro, und es geht um einen hohen Wert: den guten Ruf.
Wenig Gedanken über deutsche Befindlichkeiten
Nicht immer, aber manchmal haben Verbraucher mehr Einfluss, als es den Verkäufern recht sein kann. Mancher Konzern hat das schon erlebt, selbst Multis wie Shell (Ölplattform Brent Spar) und Coca Cola (Regenwald-Plantagen). Das ist nicht immer so, weil die Macht der Verbraucher nicht auf Knopfdruck abzurufen ist; sie hängt von vielen Umständen und auch Zufälligkeiten ab. Ein kluger Firmenlenker aber lässt diese Frage gar nicht erst auf sich zukommen.
Allerdings sprechen einige Umstände dagegen, dass Nokia sich über Befindlichkeiten in Deutschland allzu viele Gedanken macht. Der finnische Stammsitz ist weit weg und Deutschland nur eines von vielen Zielländern. Es zeigt sich, dass in Zeiten der Globalisierung der Sitz der Konzernzentrale entscheidend bleibt: Geschäfte können überall gemacht werden, aber im eigenen Land (in der Heimat) spielen außerökonomische Gründe eine stärkere Rolle als im Ausland.
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Habe gerade so ein Edelteil E 90 von o.a. Firma für meine Handyvertragsverlängerung erworben.
Dies werde ich jetzt schnellstens beim grossen Internet Auktionshaus versteigern.
Denn wer will schon ein Handy in der Preisklasse mit dem Image made in Romania.
Ich hoffe ich kriege noch das was ich für das Edelteil bezahlt habe.
Und dann heisst es in Zukunft : no no nokia
@ LouisXIV: die regenerativer Energieerzeugung ist ein Beispiel, daß ohne Subventionen auch ein Geschäftsfeld mit langfristig positiver Prognose weiter brachliegen würde.
Bin mal gespannt, auf welche Einfälle gewiefte Manager noch kommen. Nach dem Ostblock, der Ukraine und China käme sicher noch die Sahel-Zone für die künftige Produktionsstandorte in Betracht. Nur sollte man sich als Käufer solcher Handys dann auch ein wenig Disziplin auferlegen (ein nicht erfüllbarer Wunsch leider), solche Produkte einfach nicht mehr zu kaufen. So könnten kluge Marketing- und Vertriebsstrategen Konzepte für den Absatz in der Sahel-Zone gleich mit bedenken. Eigentlich ist dies ganz einfach. Nur leider handeln wir (die) Käufer nicht so verantwortungsvoll in Zeiten "Geiz ist geil". Also geht dieses Spiel so weiter, ganz zum Vorteil renditegeifernder Shareholder, Finanzjongleure und "tüchtiger " Manager - die mit den flotten Köfferchen, straight durch die Gegend spazierend, vorher auch noch Subventionen einstreichend. Ein unappetitliches Völkchen, das sich so ernährt !!!. Austreiben müßte man solchen Kerlen dieses raffgierige Gehabe, das diese hier wieder einmal zum Nachteil Bochumer Arbeitnehmer und ihrer Familien an den Tag legen. Warum sollten diese Bochumer und Umgebung das nächste mal nicht "ganz Links" wählen, frage ich mich. Mehr verlieren können die doch gar nicht, vor Wochen wie man hörte noch Sonderschichten fahrend, ganz "zum Wohle des Unternehmens"
Gerade für "Anlaufschwierigkeiten" braucht es keine Subventionen: Das finanziert sich ein erfolgreiches Unternehmen oder bekommt es privat finanziert - falls das Konzept stimmt und die Investition zukunftsfähig ist.
Wann werden endlich Subventionen (die wie alle erstmal als Steuern zahlen müssen) abgeschafft?
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