Handeln mit Wertpapieren Zocken wie die Großen

Börsenspiele wollen junge Menschen auf lockere Art und Weise mit dem Kapitalmarkt vertraut machen. Zum Beispiel die von Banken wie der HVB oder der UBS, oder die App namens Bux, die Nick Bortot entwickelt hat.

Von Katharina Kutsche

Wie kann man jungen Menschen ein trockenes Wirtschaftsthema auf lustige Art und Weise vermitteln? Diese Frage stellte sich der Börsenhändler Nick Bortot, als er merkte, dass gerade junge Leute den Börsenhandel langweilig finden. Gleichzeitig wurde er auf Partys immer wieder auf seinen Beruf angesprochen, der offenbar auf Außenstehende eine "magische Anziehungskraft" ausübe. Bortot sagt: "Es gehören Risiken dazu, das ist der Spaß daran."

Also begann der gebürtige Niederländer neben seiner Arbeit für die Online-Brokerbank Binck eine App zu entwickeln: Bux, benannt nach dem Spitznamen des US-Dollars, "Bucks". Die Aufmachung der App ist bunt und rockig, die Ansprache locker: "Trade wie die Big Boys!" Die Nutzer können wählen, ob sie das Trading, also das Kaufen und Verkaufen von Aktien, erst mal mit virtuellem Geld, den "Funbux" üben möchten. Wer sich traut, das Risiko zu erhöhen, kann echtes Geld - die "seriousbux" - ab einem Mindestwert von 50 Euro einsetzen. Dafür werden dann Gebühren fällig: 0,15 Prozent des Einsatzes, im Minimum 25 Cent pro Handel.

Es gibt auch andere Anbieter, die mit dem Spiel an der Börse locken. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) etwa veranstaltet eine Winter-Challenge, bei der die Teilnehmer mit einem virtuellen Startkapital von 100 000 Euro mit Basiswerten wie dem Dax handeln können. Bei den "Trading Masters", gesponsert von der Großbank UBS, gibt es ein Trainingslager, in dem die Teilnehmer den Umgang mit der Handelsplattform üben können und Schulungen zum Wertpapierhandel bekommen. In drei Phasen spielen die Hobby-Händler dann um Gewinne wie ein Daimler Coupé. Auch die Broker-Abteilung der Sparkasse unterstützt die Plattform.

Beide Spiele stehen nur Teilnehmern ab 18 Jahren offen. Dabei könne Trading schon für Jugendliche ab 16 interessant sein, sagt Bux-Gründer Bortot. Daher setzt seine App auf das, was auch soziale Netzwerke erfolgreich macht: den Austausch mit anderen. In der "Community" berichten die Nutzer über ihre Erfahrungen mit Aktien und Anlagen, geben sich Ratschläge. Das ist für die Buxianer auch deswegen wichtig, weil sie ihren in der Regel gleichaltrigen Kollegen mehr glauben als klassischen Börsenexperten: "Investieren hat viel mit Vertrauen zu tun", sagt Bortot, "wir wollten nicht nur eine App sein, sondern eben die Menschen zeigen, die dahinter stehen." Daher bespielt eine eigene Nachrichtenredaktion die App mit Informationen und gibt Tipps zu den einzelnen Anlagemöglichkeiten. Diese Fachartikel, die von freien Autoren zugeliefert werden, sollen neutral sein und eine Einordnung geben, keine Empfehlung, betont Bortot.

Das Geschlechterverhältnis der Bux-Nutzer ist etwa 50 zu 50. Wenn es ums reine Handeln geht, sind zwar zu 80 Prozent junge Männer aktiv, doch beim Schreiben und Austauschen in der Bux-Gemeinde sind die Frauen in der Mehrzahl. Einer der beliebtesten Blogger ist etwa Linda, 22, der 13 000 der mehr als 100 000 Bux-Nutzer folgen.

Eine Zusammenarbeit mit Schulen gibt es bisher nicht, aber Bortot bekommt immer wieder Nachrichten von Lehrern, die Wirtschaft unterrichten und Ratschläge möchten. "In der Schule war es doch bei dem Lehrer am besten, der am lustigsten war", sagt der Bux-Gründer. So solle auch Bux "Spaß machen und spielerisch sein, aber verantwortungsvoll." Die Darstellung der Firmen, die an der Börse gelistet sind, und der weiteren Handelsmöglichkeiten ist vereinfacht: "Wähle Deine Lieblingsaktie und gib an, ob der Preis fallen oder steigen wird. So einfach ist das", heißt es.

Bei Bux in Amsterdam arbeiten etwa 30 Leute, nur drei davon stammen aus der Bankenbranche

Auch der Klassiker des Börsenspiels ist inzwischen ein europaweiter Online-Wettbewerb: Das Planspiel Börse wird seit 1983 von Schulen und Sparkassen durchgeführt und ist das größte in Europa. Über eine Million Schüler und Studenten konnte so wirtschaftliche Grundkenntnisse vertiefen und Börsenwissen aneignen. Gehandelt wird mit den Kursen realer Börsenplätze. Zehn Wochen, von Oktober bis Dezember, haben die Teilnehmer Zeit, ihren Depotwert durch den An- und Verkauf von Aktien zu steigern. Wer dabei am besten abschneidet, bekommt Reise- und Sachpreise.

Im Vergleich dazu ist Bux ein Dauer-Börsenspiel ohne zeitliche Begrenzung, allerdings auch ohne echte Preise. Die wiederum gibt es beim Börsenspiel Informunity, zumindest in Form von Amazon-Gutscheinen. Investment Performance Community, kurz Informunity, bietet ebenfalls eine Investment-Simulation. Auch hier wird mit realen Kursen gespielt, die Daten bekommt die Webseite von der Wertpapier-Börse Tradegate. Handeln können die etwa 53 000 Investoren nur zwischen 8.15 Uhr und 22 Uhr. Das in Deutschland ansässige Börsenspiel ist kostenlos und werbefinanziert "durch eine maßvolle Einblendung von Werbe-Anzeigen."

Am Hauptsitz von Bux in Amsterdam arbeiten inzwischen etwa 30 Leute, nur drei von ihnen stammen aus der Bankenbranche. Als Bortot seine Idee für den Markt zugänglich machen wollte, sei sein Arbeitgeber nicht daran interessiert gewesen. Bortot kündigte und machte sich selbständig. Zwei Jahre nach der Gründung von Bux können Nutzer seit September 2014 die App für Android und iPhone herunterladen. Seit etwa einem Jahr ist auch die deutsche Mediengruppe Holtzbrinck als Investor beteiligt. Mit dem frischen Geld planen Bortot und sein Team in den nächsten Jahren vor allem international zu wachsen. Bisher gibt es Bux in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und Großbritannien. Demnächst soll die App in Italien und Skandinavien zugänglich gemacht werden, bis Ende 2017 möglichst europaweit verfügbar sein.