Handel zwischen Europa und China China schickt erstes Schiff durch die Nordostpassage

Als erstes Containerschiff wird die "Yong Sheng" durch die Arktis von China nach Europa fahren, statt die Route durch den Suez-Kanal im Süden zu nehmen. Dadurch verkürzt sich die Reise um fast zwei Wochen. Reeder sind skeptisch, Klimaforscher verblüfft.

Von Costas Paris, Wall Street Journal Deutschland

Das Schiff Yong Sheng ist in kaum einer Hinsicht bemerkenswert und wird doch bald Geschichte schreiben. Es ist das erste chinesische Containerschiff, das durch die Arktis von China nach Europa fahren wird, anstatt durch den Suez-Kanal im Süden zu fahren. Dadurch wird die Reise zwei Wochen kürzer.

Das 19.000 Tonnen schwere Schiff, das dem staatlichen Konzern Cosco Group gehört, hat am 8. August den Hafen von Dalian verlassen und soll am 11. September im niederländischen Rotterdam ankommen. Die Reise dauert damit 35 Tage und ist deutlich kürzer als die 48-tägige Reise durch den Suez-Kanal und das Mittelmeer.

Staatliche chinesische Medien haben die etwa 5500 Kilometer lange Nordostroute als "wirtschaftlichste Lösung" für die Schifffahrt zwischen Europa und China beschrieben. Laut Cosco könnten große Mengen an asiatischen Waren auf diesem Weg transportiert werden.

Die Nordostpassage ist zwischen Shanghai und Rotterdam mit 8100 nautischen Meilen etwa 2400 nautische Meilen kürzer als der Weg durch den Suez-Kanal, berichtet das Informationsbüro der Nordostroute.

Goldener Wasserweg

"Die Schifffahrtsindustrie nennt die Route auch den Goldenen Wasserweg, weil er die Reise um 12 bis 15 Tage verkürzt", sagte Cosco, als die Reise der Yong Sheng Anfang des Jahres angekündigt wurde. Mit dem wärmeren Wetter bleibt die Route durch die Arktis länger eisfrei als in den Jahrzehnten zuvor, was bereits für mehr Verkehr auf dieser Strecke gesorgt hat.

Die russische Verwaltung der Nordostpassage hat diesen Sommer bereits 393 Genehmigungen an Schiffe ausgestellt, die die Route an Sibirien vorbei wählten. Vergangenes Jahr waren es nur 46, 2010 sogar nur vier. Die Route ist meistens zwischen Juli und Ende November passierbar. "Unsere besten Monate sind September und Oktober, wenn es auf der ganze Route fast gar kein Eis gibt", sagt Sergej Balmasow, Chef des Informationsbüros.

"Wir rechnen mit deutlich mehr Anträgen von Schiffern, wenn die Temperaturen in den kommenden Jahren weiter steigen sollten", fügt er hinzu. "Doch der Klimawandel kann auch Nachteile haben. Wenn die Temperaturen sinken, wird die Route ohne Eisbrecher unpassierbar."

Balmasow sagt, dass selbst Schiffe ohne Eisbrecherausrüstung passieren durften, als das Wetter wärmer wurde. "Dadurch sinken die Kosten für die Betreiber, da die Passage frei von Eis ist und die Reisezeit deutlich sinkt", sagt er.

Arktisches Eis bedeckte vergangenes Jahr 2,2 Millionen Quadratkilometer Fläche, 53 Prozent weniger als die 4,7 Millionen Quadratkilometer im Jahr 1979, berichtet das National Snow and Ice Data Center der USA.