Die Weltwirtschaft steckt in der schwersten Krise seit acht Jahrzehnten. Die Folge: Der Teufelspakt, der die USA und China über Jahre zusammengehalten hat, funktioniert nicht mehr.
Es war einmal ein Pakt, für den heute die gesamte Welt bezahlt. Geschlossen haben ihn die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China. Er funktionierte im Prinzip so: Die Amerikaner lebten ungeniert auf Pump, sie frönten ihrem exzessiven Lebensstil und kauften ein, was ihnen gefiel. Die Chinesen wiederum verdienten prächtig an der Einkaufslust der US-Bürger. Sie lieferten, was die Menschen in Michigan oder Alabama brauchten: Spielzeuge, Textilien, Schuhe oder Computer. Und sie kassierten dafür jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar.
Der Hafen von Ningbo ist einer der wichtigsten chinesischen Häfen. (© Foto: AP)
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Dank der konsumwütigen Amerikaner stieg China zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Erde auf, platziert noch vor Deutschland. Vor allem aber verfügte das Land plötzlich über mehr US-Dollar als irgendwer auf der Welt, alles in allem über 1,8 Billionen. Das übersteigt die Menge der Banknoten und Münzen, die die Amerikaner selbst in den Händen halten. Die Chinesen waren klug genug, diese Devisen nicht zu horten, sondern dort anzulegen, wo sie ihnen den größten Nutzen brachten: in den Vereinigten Staaten. Peking steckte seine Devisenreserven in US-Anleihen, vor allem in Staatsanleihen, und ermöglichte den Amerikanern so, noch mehr Schulden machen und noch mehr einkaufen zu können - in China, aber auch in Europa.
Ohne die Milliarden aus China wäre der Boom in den USA nicht möglich gewesen. Ohne diese Milliarden wäre auch die Wall Street nicht so rasant gewachsen. Und ohne die Dollar, die Peking zurück in die USA schickte, hätte sich die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt nicht derart rasant aufgebläht. Nun ist diese Blase geplatzt, die Weltwirtschaft steckt in der schwersten Krise seit acht Jahrzehnten. Und auch der Teufelspakt ist zerbrochen, der die Vereinigten Staaten und China - und damit die Weltwirtschaft - jahrelang zusammengehalten hatte. Denn die amerikanischen Verbraucher halten ihr Geld beisammen, sie schaffen immer weniger Dollar nach China, während die Regierung in Washington immer höhere Schulden anhäuft. Der neue Präsident Barack Obama hantiert bereits mit mehreren Billionen Dollar.
Die entscheidende Frage dabei ist: Wer soll das bezahlen? Wer gibt Obama dafür Kredit? Die Banken werden es nicht tun, denn sie sind mehr oder weniger pleite. Die Bürger werden es nicht tun, denn sie sparen. Und die Chinesen werden kaum bereitstehen, um Amerikas neue Schulden zu finanzieren. Denn auch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt stürzt in atemberaubendem Tempo ins Verderben.
Noch halten die Propagandisten in Peking an ihrer Prognose fest, die Wirtschaft des Landes werde in diesem Jahr mit acht Prozent wachsen. Wenn man sich die jüngsten Exportzahlen anschaut, kann man sich solch ein Wachstum nur schwer vorstellen. Die Lenker in Peking versuchen alles, um den Absturz zu verhindern. Sie stecken Hunderte Milliarden Dollar in die heimische Wirtschaft. Für Amerika wird da nicht allzu viel übrig bleiben.
Ökonomen fürchten diese Entwicklung seit langem. Sie sprechen von "globalen Ungleichgewichten", die auf Dauer untragbar seien. Doch diese Formulierung beschönigt das Problem. Auch in den Kommuniqués der Gipfel der sieben führenden Industriestaaten wurde seit Jahren vor den Ungleichgewichten gewarnt, ohne dass jemand daraus Konsequenzen zog. Nun zahlt die ganze Welt für diese Nachlässigkeit.
Auch die Chinesen leiden nun unter ihrer einstigen Stärke. Womöglich könnte es ihnen irgendwann so ergehen wie schon jetzt den Russen. Deren Export, der vor allem vom Öl und Gas abhängt, ist eingebrochen, die Devisenreserven verflüchtigen sich, der Rubel trudelt. "Wenn China sich erhebt, erzittert die Welt", sagte einst Napoleon. Heute gilt: Wenn China in Not gerät, erzittert die Welt ebenso.
(SZ vom 12.02.2009/mel)
Demonstrationen in Hamburg
@Ankur: Genau das meinte ich vorhin mit "nicht die Kapazität aufbringen über den Schüsselrand zu blicken und ergehen sich darin, dort und da etwas einzusparen. "
Sie sehen den Status quo und sind nicht bereit dieses System als Ganzes zu hinterfragen.
Fakt ist nun einmal das die Arbeitsplätze verschwunden sind, WEIL der Staat die (fast) ungeregelte Einfuhr von Produkten erlaubt. Dagegen würde ja nichts sprechen, wenn nicht ein inländisch erzeugtes Produkt den Staat mitfinanzieren müsste.
Ich werde gegen diese Ungerechtigkeit solange wettern, bis zwischen inländisch und chinesischem (als Synonym verwendet) Beschäftigten Ausgleich herrscht. Das heisst in der ach so tollen neoliberalen gobalisierten Welt: Bis es uns genauso dreckig wie dem Chinesen geht.
"Das weiß ich auch, für wie dämlich halten sie alle anderen hier?"
Sie haben gestern um 16:11 geschrieben: "aber natürlich auch viel weniger ARbeitslose in Deutschland, ergo mehr Einzahler in die Sozialversicherungssysteme, und daher womöglich auch keine Notwendigkeit für "Hartz IV".
Punkt 1: Wer Sozialversicherungsleistungen wie Krankengeld, Rente oder ALG-I bezieht bekommt (meist) kein ALG-II. Punkt 2: Dass sie damit sprachlich Hartz-IV auf eine Stufe mit den Sozialversicherungssystemen stellen wird Ihnen jeder Germanist gern bestätigen. Die Sozialhilfe bzw. dessen praktischer Nachfolger ALG-II hat als steuerfinanzierte Leistung wenig mit der beitragsorientierten Sozialversicherung (ALG-I bzw. Rentenkasse) zu tun. Wenn Sie die Sozialgesetzbücher so kennen wie Sie vorgeben, dann müsste Ihnen das klar sein.
Und wenn Sie sich so gut mit Sozialgesetzbüchern auskennen, dann sagen Sie bitte selbst wie hoch der Hartz-IV Anspruch einer Familie mit 2 Kindern "all incl." ist und wie hoch das äquivalente Bruttogehalt eines Alleinverdieners sein müsste. Ohne Werbungskosten zu berücksichtigen. Wenn Sie diese Zahl haben, dann schreiben Sie auch auf, wieviel die Familie des Arbeitnehmers incl. aller Arbeitgeberbeiträge an den Staat gezahlt hat für einen Nettolohnabstand zum Sozialeinkommen von NULL.
Ich bin mir übrigens darüber im Klaren, dass dieser o.g. Fall nach §30 SGB-II durch Freibeträge und "Aufstockung" (also Rückerstattung kleiner Teile der Steuern/SV) formal etwas mehr in der Kasse hat als der reine Hartz-IV Haushalt ohne jede Erwerbstätigkeit. Hartz-IV mag nach Ihren Maßstäben wenig sein, aber es ist in vielen Fällen auch nicht viel weniger wie das Einkommen als Arbeitnehmer nach Abzug aller Steuern, Sozialversicherungen, Werbungskosten und was weiss ich. Es ist aber im wahrsten Sinne des Wortes weniger Arbeit.
@tinididi: Zitat:"Die Bundesregierung spannt den Rettungsschirm nicht auf weil Sie das für gut findet, sondern weil ohne den Geldkreislauf nichts mehr geht"
Grundsätzlich richtig, aber sehen sie doch einmal wie gut der Rettungsschirm wirkt. Eher mehr schlecht als recht. Dieser "Schirm" (was für ein blödes Wort) provoziert doch vorallem eines: Ein Abwälzen der Verantwortung auf den Steuerzahler - siehe HRE und ihre Erpressungsversuche.
In einem EU-Land (Österreich) wurde bereits ernsthaft angedacht eine Staatsbank zur Erhaltung des Geldkreislaufes einzusetzen, da viele Unternehmer über ihre Interessenvertretung klagen keine Kredite bzw. absolut überzogene Zinsforderungen, zu erhalten.
Vielleicht täte es dem Markt tatsächlich gut, wenn der eine oder andere "Big Player" über die Klinge springen würde. Leider bin ich davon überzeugt, dass aufgrund der Verquickungen von Politik und Wirtschaft nicht für den Staat die besten Entscheidungen getroffen werden, sondern .. (hier kann man viele Personen und Institutionen einsetzen)
@Python11: 13.02.2009 10:24:07
Ein Beitrag dem ich nur zustimmen kann.
Leider wollen (oder können) einige Forumsteilnehmer nicht die Kapazität aufbringen über den Schüsselrand zu blicken und ergehen sich darin, dort und da etwas einzusparen.
Bei mir gerne gesehen sich auch die Beiträge wie "Kauft nicht bei Aldi ein" oder "Wir sind angewiesen auf die billigen Waren aus China".
Einer meiner Lieblinge ist das "billige T-Shirt" mit der Begründung das, wenn es hier erzeugt werden würde, es sich niemand leisten könnte. Nochmal: Der "Preis" sagt überhaupt nichts aus. Erst mit dem Begriff "Kaufkraft" gewinnt es an Bedeutung.
Aber der Oberhammer: "Gegen die Globalisierung, da könne man doch gar nichts machen" Stimmt nicht!! Alleine D als größter Markt in der EU hat soviel Einfluß und Macht (Wirtschaftskraft) auf die EU, um entsprechende Gesetzesänderungen zu bewirken, die die lieben Großkonzerne ruckizucki dahin bewegen würden, ihre Produktionsstandorte wieder dahin zu verlagern, wo sie vor der neoliberalen Globalisierung waren.
Das einzige was fehlt, ist der politische Wille (wieder einmal) diese Gesetzesänderungen rückgängig zu machen (rückgängig daher da viele der Steuermöglichkeiten bereits vorhanden waren, aber eleminiert wurden).
@Python
Wenn die Realität nicht verstanden wird, so ist man bei einigen Suchenden gezwungen mit härteren Beispielen zu arbeiten. Wenn Sie das als Arroganz bezeichnen, so bleibt das Ihnen überlassen.
Ich bleibe aber bei meiner Meinung und zwar begründet aus Ihren Kommentaren, dass Sie die Begriffe Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft nicht abgrenzen können. Wenn dem so ist, so schaffen Sie es dies geschickt zu verstecken.
Sicherlich werde ich auch noch gegen Wände laufen, aber nur weil ich was versucht und nicht nur andere kritisiert habe. Immer sind die anderen Schuld mit duesen Lebensmotto kann man durchs Leben laufen.
@ Rudi
also so einen Blödsinn habe ich noch nicht gehört aus einer Mail soll sogar die Behauptung aufgestellt worden sein, dass Sie Betriebswirt sind.
Die Bundesregierung spannt den Rettungsschirm nicht auf weil Sie das für gut findet, sondern weil ohne den Geldkreislauf nichts mehr geht. Um es mal einfach auszusprechen, dass ist so als wenn uns der Strom und die Wasserversorgung abgestellt wird. Einige wenige auf dem Lande würden das sicherlich noch überleben können, aber der Rest der Bevölkerung würde vor die Hunde gehen.
Ohne Geldkreislauf keine Realwirtschaft. Wenn Sie etwas zu sagen hätte, Gott sei Dank nicht, so hätten wir morgen nicht 4 Mio Arbeitslose, sondern 25 Mio. Ohne Geld geht nichts mehr, denn der Tauschhandel ist bei uns zumindest nicht mehr möglich.
Ohne Zweifel könnte ich mir auch vorstellen, dass in Deutschland Personen gibt die froh wären, dass ein Zusammenbruch kommen würde. Für jede noch so schwachsinnige Idee findet man Anhänger.
Für meine Ansichten sollte man sich meine vorherigen Kommentare lesen.
Paging