Hacker übernehmen Fernseher bei Best Buy Pornografischer Elektroschock

Künftig sollten Eltern ihre Kinder beim Shoppen besser zu Hause lassen, denn es drohen Überraschungen. So wie in einem amerikanischen Elektromarkt. Dort flimmerten plötzlich Pornofilme über die Bildschirme der Fernsehgeräte.

Von Alina Fichter

Meist geschieht es an Tagen, die geordnet vor sich hin plätschern; sie verleiten einen dazu, unvorsichtig zu werden und sich der Illusion hinzugeben, man führe das eigene Leben an der Leine spazieren. Genau dann entfaltet die altbekannte dunkle Macht ihre unheilvolle Kraft, wie um zu beweisen: Allmächtig, Bürschchen, bin hier nur ich. Der Schriftsteller Franz Kafka hat das lange vor seinen Zeitgenossen erkannt und es sich zum Ziel gemacht, seine unbedarften Leser immer wieder zu warnen, aufzuklären, wachzurütteln, damit keiner von ihnen in die Falle tappt, sondern jeder, normaler wie auch Wirtschaftsmensch, sich stets der Tatsache bewusst ist: Man ist dem Leben hilflos ausgeliefert, nicht umgekehrt. Der Filialleiter der Best-Buy-Handelskette im amerikanischen Greenville ist offenbar nie in den Genuss von Kafkas Werk gekommen - sonst wäre er nicht überrascht gewesen, als er sich plötzlich aus seiner Ruhe gerissen sah, in der TV-Abteilung umringt von hysterisch kreischenden Frauen, die mit der einen Hand auf die riesigen Fernsehbildschirme des Elektronikhändlers zeigten, mit der anderen ihren minderjährigen Söhnen die unschuldigen Augen zuhielten, damit die nicht für ihr Leben traumatisiert sein würden, nachdem der Spuk geendet hatte. Kurz gesagt: Es war ein schwerer Schock für alle Beteiligten. Bis der Filialleiter den Stecker zog. Man stelle sich vor: Dem Geschäft, also auch ihrem Filialleiter und seinen Kunden, hatte sich die Macht des Bösen ausgerechnet in Gestalt eines Pornofilms gezeigt, den Hacker heimlich auf die internetfähigen Fernsehbildschirme in den Verkaufsräumen gebeamt hatten. Unversehens waren dort kopulierende Paare zu sehen statt kuschelnder Küken. Später wurde eine aufgeregte Kundin von einem TV-Sender interviewt, sie sprach von "extrem, extrem pornographischen" Bildern. Nein halt, wenn sie noch einmal richtig darüber nachdenke, dann beschrieben diese Worte es vermutlich nicht einmal ausreichend . . . Tatsächlich nimmt das Gefühl des Ausgeliefertseins bei Firmen zu, seit die düstere Gewalt modern wurde und fast nur noch im digitalen Kleid unterwegs ist, in dem sie unsichtbar angreift. Der Unterhaltungsriese Sony sah sich kürzlich einer Cyber-Attacke ausgeliefert: Hacker knackten Tausende Kundenkonten, obwohl der Konzern nach den früheren Angriffen seine Sperren komplett erneuert hatte. Einen Skandal sahen auch Vegetarier, die in Online-Foren die Bank ING-DiBa zerfleischten, nachdem eine Wurst im Werbefilmchen eine Nebenrolle bekommen hatte. "Shitstorm" nennt man das. Vorbeugen, sich schützen, verbergen. Pah! Vorbei! Was also tun? Best Buy hat die Polizei auf die Hacker angesetzt, ohne Erfolg. Ein Blogger hat verstanden, zumindest, was das Porno-Drama angeht: Eltern sollten ihre Kinder beim Shoppen zu Hause lassen. Man wisse einfach nie, worauf man stoße.