Externe Beratung, aber immer doch: Wirtschaftsminister Guttenberg hat schon wieder einen Auftrag an die Anwaltskanzlei Linklaters vergeben.
Der smarte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - verliert sein heller Schein schon bald an Glanz? Und ist beim derzeit beliebtesten Politiker der Republik kein Lerneffekt zu erkennen? Offenbar hat er erneut die Anwaltskanzlei Linklaters mit Arbeiten aus seinem Ministerium beauftragt. Und das nach all den Seitenhieben, vor allem von der SPD!
Erst wurde bekannt, dass er ein komplettes Gesetz von der Kanzlei Linklaters erarbeiten ließ, dann gelangte ein ominöses Papier zum industriepolitischem Gesamtkonzept an die Öffentlichkeit - und jetzt wurde bekannt, dass es einen zweiten Auftrag an Linklaters gab. Das treibt selbst dem smarten Wirtschaftsminister den Schweiß auf die Stirn. (© Foto: AP)
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Rückblick: Vor knapp zwei Wochen war bekannt geworden, dass der Wirtschaftsminister einen kompletten Gesetzentwurf von einer externen Kanzlei hatte erarbeiten lassen. Ein Novum. Nicht einmal der Linklaters-Schriftzug war entfernt worden.
Jetzt berichtet das Handelsblatt von einem zweiten Auftrag, der ebenfalls an Linklaters ging - und das nur wenige Tage, nachdem ein ominöses Papier aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bekannt geworden war. Titel des Papers, das zu Wochenbeginn die Runde machte: "Industriepolitisches Gesamtkonzept. Für eine Nachhaltige Industriepolitik in Deutschland". Der Minister allerdings distanzierte sich prompt von dem Dokument. Seine Worte: "So geht das nicht." Vor allem die Gewerkschaften waren von dem Entwurf aufgeschreckt worden. Der Politiker wolle sich offenbar "als Abwrackminister von Arbeitnehmerrechten profilieren", lästerte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel.
Ein Tüv für alle
Und jetzt? Offenbar lautet der Auftrag an Linklaters dieses Mal nicht, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, sondern ein Gesetz umzusetzen, berichtete das Handelsblatt weiter. Konkretes Thema: die geplante "Nationale Akkreditierungsstelle". Unter dem Dach dieses "Deutschland-Tüvs" sollen künftig alle Zertifizierungstellen des Bundes, der Länder und der Wirtschaft vereint werden, die Gütesiegel für Produkte vergeben. Linklaters soll dem Wirtschaftsblatt zufolge die entsprechenden Verträge erarbeiten.
Einer EU-Verordnung zufolge muss Deutschland die Behörde bis Anfang 2010 aufbauen. "Die Einbeziehung sowohl der Kanzlei als auch der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei der Errichtung einer GmbH und dem Entwurf eines entsprechenden Gesellschaftsvertrages ist aufgrund der komplexen Sach- und Rechtslage nicht nur geboten, es wäre aus Sicht des Ministeriums fahrlässig, dies nicht zu tun", sagte ein Ministeriumssprecher dem Blatt. "So müssen nach den europäischen Vorgaben diverse Stellen des Bundes, der Länder sowie etliche private Stellen zusammengeführt werden."
Die geplante Akkreditierungsstelle solle einheitliche Standards beispielsweise für Güte- und Tüv-Siegel sowie ähnliche Zertifikate ausstellen. In ihr gehen die bisherigen fünf privaten Prüfstellen sowie die von Bund (neun) und Ländern (vier) auf. Dadurch soll - nach Vorstellung der EU - die Wirtschaft Kosten sparen, die Produkte wie Maschinen und Medikamente gegen Entgelt zulassen muss.
Anfang vergangener Woche hatten Guttenbergs Beamte nach Informationen des Handelsblatts einen "Aufbaustab" initiiert. Dazu gehören unter anderem Vertreter der Bundesanstalt für Materialforschung, der Bundesnetzagentur und der Deutschen Akkreditierungsstelle Chemie. Jetzt solle Linklaters den Gesellschaftervertrag für die geplante GmbH verfassen. Obendrein sei die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beauftragt worden, die zügige Umsetzung zu betreuen. "Die Vergabe erfolgte Anfang August in einem wettbewerblichen Verfahren", sagte ein Sprecher des Ministeriums dem Blatt. Über die Höhe des Auftrags wollte er sich nicht äußern.
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(sueddeutsche.de/AP/mel/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
gut, die welt durch die brille eines betriebsrates zu sehen, zeugt tatsächlich von einem minimum an gestaltungswillen
ich sehe schon, trotz festgefügter vorverurteilungen - sie der revolutionär, ich der preußische junker - sind wir uns wenigstens einen vorsichtigen schritt entgegengekommen... das gibt hoffnung für die bewältigung zukünftiger krisen
für heute muß ich mich allerdings verabschieden, muß nämlich noch die leibeigenen knechten, bevor sie sich heute abend die kelle geben ;)
auftrag an linklaters - lobbyismus - bitte den Urheber kontaktieren, Baustelle Wirtschaftsministerium. Und denken Sie mal über das Dreiklassenwahlrecht im Verhältnis zu den Fortschritten wie Menschenrechtsdeklaration und vergleichbares nach. Tja, und die 08/15-Weltbilder, die haben sich wohl rauskristallisiert im mittlerweile 44jährigen Erleben der Arbeitswelt.
Frech und maßlos wie ich bin, habe ich auch noch versucht, als Betriebsratsmitglied und Gewerkschafter der untersten Ebene auf diese Welt gestaltenden Einfluß zu nehmen. Der Erfolg war nicht gerade umwerfend, nicht zuletzt wegen Figuren wie Ihnen, die offenbar im Feudalismus steckengeblieben sind.
wie ich sie einschätze, werden sie schon höchstpersönlich für die krise sorgen ;)
aber man führe sich noch einmal ihre konstruktionen vor augen:
wetgelminister - auftrag an linklaters - lobbyismus - kapitalistische ausbeutung - ordnungspolitisches denken von diskutanten - ebenfalls kapitalisten
wovor fürchten sie sich, wenn sie diese totschlagsargumente anwenden? vor ihrer eigenen desillusionierung und bequemlichkeit, die sie daran hindert, die im jugendlichen starrsinn mal schnell angelesenen 08/15-weltbilder zu überdenken?
dennoch, mutig sind sie, daß sie sich hier immerhin der diskussion stellen
Über den Halbwertszeit Ihrer Ideologie unterhalten wir uns nach der nächsten Jahrhundertkrise. Dauert keine fünf Jahre, versprochen.
"Nachdem der Kapitalismus auf der Ausplünderung der menschlichen und natürlichen Ressourcen zugunsten einer selbsternannten Herrscherkaste beruht, ist er darauf angewiesen, die Rechte der Menschen zuzuteilen oder zu beschneiden bis zur Rechtlosigkeit"
dieser klassenkämpferischen argumentation ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen, wenn er sich auf einen artikel bezieht, der die beauftragung einer angesehenen internationalen kanzlei durch das wirtschaftsministerium der bundesrepublik beinhaltet... ganz unabhängig davon, ob man hier berechtigt oder unberechtigt lobbyismus am werk sieht
wenn sie ihrer bemerkung über die französische revolution ein augenzwinkern hinzugefügt hätten, müßte ich jetzt tatsächlich kleinbeigeben und ebenfalls zu den waffen greifen, aber soviel humor kann ich ihnen nicht unterstellen
dennoch bin ich eher amüsiert bei dieser entdeckung derart antiquierter weltanschauungen, die selbst in ihrer entstehungs- und hochphase an erklärungswert kaum ernst zu nehmen waren
respektvollst, theo44
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