Deutsche Güterzug-Unternehmen sollen ihre Waggons schärfer überwachen - doch der Verkehrsminister warnt.
Europas Eisenbahnen müssen nach dem schweren Güterzugunglück in Italien mit drastischen Auflagen und Einschränkungen rechnen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will verhindern, dass weite Teile des Güterverkehrs auf der Schiene zum Stillstand kommen.
Güterzüge bei Hamburg: Das Eisenbahn-Bundesamt will stärkere Kontrollen bei den Waggons durchsetzen. (© Foto: ddp)
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In einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Brief an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) schreibt Tiefensee, er sei besorgt darüber, in welchem Zustand sich ein großer Teil der "Güterwagenflotte" in der Europäischen Union (EU) befinde. Er unterstütze das EBA bei dessen Bemühungen, für mehr Sicherheit im Güterverkehr zu sorgen. Das Eisenbahn-Bundesamt solle nach Lösungen suchen, "ohne gleichzeitig den gesamten Schienengüterverkehr in Europa faktisch lahmzulegen".
Großes Entsetzen
Das in Bonn ansässige EBA, das dem Verkehrsministerium unterstellt ist, kontrolliert den Bahnverkehr in Deutschland. Nach dem Unglück im italienischen Viareggio am 29. Juni, bei dem 24 Menschen starben, hat die Bonner Behörde alle Eisenbahnunternehmen in Deutschland angewiesen, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu prüfen. In Viareggio war die Achse eines Gaswaggons gebrochen, der dann explodierte. Die Unternehmen mussten dem EBA bis zum Freitag mitteilen, welche Maßnahmen aus ihrer Sicht notwendig seien. Das EBA will bei mehreren "Sicherheitskonferenzen" mit den Unternehmen und mit Aufsichtsbehörden aus ganz Europa beraten, ob sämtliche Güterwagen aufwendig kontrolliert werden müssen. Die Bonner Behörde könnte dann entsprechende Anordnungen erlassen.
Beim Staatsunternehmen Deutsche Bahn (DB) und bei Privatbahnen ist das Entsetzen groß. "Damit wird europaweit der komplette Güterverkehr lahmgelegt", hieß es bei der DB. Bei Güterwaggons seien die Kontrollen der Achsen oftmals aufwendiger als bei Personenzügen. Auch die Organisation der privaten Eisenbahnen (Netzwerk Privatbahnen) wandte sich gegen "übertriebene Reaktionen", die der Branche schwer schaden könnten. Sollten die Kontrollen verschärft werden, müssten sich einzelne Unternehmen "Sorgen um ihre Existenz machen", äußerte Arthur-Iren Martini, der Chef des Netzwerks Privatbahnen.
Weitere Auflagen im Gespräch
Das EBA verweist darauf, dass dem Unglück in Italien bereits etliche Vorfälle vorausgegangen seien. Nach Angaben der Bonner Behörde waren von 2004 bis 2009 bei acht Güterwagen die Radsatzwellen gebrochen. Vier dieser Güterzüge seien in der Schweiz unterwegs gewesen, je zwei in Deutschland und in Österreich. Der letzte Vorfall hatte sich im April 2009 ereignet. Das EBA hatte daraufhin erste Maßnahmen verfügt und erwägt nun weitere Auflagen.
Die Deutsche Bahn muss bereits ihre Hochgeschwindigkeitszüge viel öfter als früher warten, nachdem vor einem Jahr in Köln die Radsatzwelle eines ICE gebrochen war. Die Staatsanwaltschaft Köln, die den Vorfall untersuchte, stellte ihre Ermittlungen am Freitag ein. Der Vorfall sei auf Fehler bei der Herstellung der Achse zurückzuführen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Für die Verantwortlichen bei der Bahn seien diese Mängel nicht erkennbar gewesen.
Die Bahn verlangt nun Schadenersatz von den Herstellern der ICE-Züge, den Konzernen Siemens, Bombardier und Alstom. Als Folge des Achsbruchs hatte die DB viele ICE nur eingeschränkt einsetzen können, die Ticketerlöse sanken. Die Bahn beziffert den Schaden auf 250 Millionen Euro. "Die Hersteller müssen in vollem Umfang haften", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber der SZ. Er gehört dem Aufsichtsrat der DB an. Falls keine gütliche Einigung möglich sei, werde die Bahn Schadenersatzklagen einreichen, sagte Brunnhuber. "Da hat der Vorstand die volle Unterstützung des Aufsichtsrats."
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(sueddeutsche.de/AP/tob/mel)
Machtkampf in der Linken
werden wir begreifen daß es totale Sicherheit nicht gibt? Wir befinden uns auf einem hohen Sicherheitsniveau. Das heißt um die Sicherheit zu verdoppeln müßten wir inzwischen die die Aufwendungen vervielfachen.
Sich hinzustellen und so zu tun als ginge es da um ein paar Peannuts die halt vom Profit der Unternehmen abgehen ist mit verlaub dumm.
Höhere Sicherheitsaufwendungen werden natürlich eingepreist und vom Verbrucher bezahlt. An den Profiten ändert das nichts.
Bei der Diskussion wird nämlich auch übersehen daßauch der Gleiskörper mit entscheidend für die Sicherheit auf der Schiene ist. Die meisten schweren Unfälle rühren von Schäden am Gleis und seinem Unterbau her - nicht von Komponenten der Schienenfahrzeuge.
Und selbst Ermüdungsbrüche an Achsen und Radreifen sind häufiger auf vergleichsweise schlecht unterhaltenen Schienen.
Ein ganz einfacher Schritt in Richtung Reduzierung des Risikos wäre das Herabsetzen der zul. Höchstgeschwindigkeiten. Aber spätestens da sind wir dann ja wieder die Kunden die sich aufregen würden, wenn München-Hamburg im Personenzug eine oder zwei Stunden länger dauert - oder wenn irgendein ebay-Artikel eine ganze Woche braucht.
Dann dürfte nichtmal mehr Eisen mit der Bahn transportiert werden. Das wäre nämlich längst zu Rost zerfallen, bevor die Genehmigung vorliegen würde.
zur Arbeitsplatzneuschaffung beim Eisenbahn-Bundesamt ( anmutig klingender Name-wie weiland die "Anstalt" für Arbeit): jeder Güterwaggon muss bevor er deutsche Gleise berollt einer eingehenden Inspektion durch das Eisenbahn-Bundesamt unterzogen werden-der anschliessende Prüfbericht löst die Betriebserlaubnis- Freigabe durch einen Sachbearbeiter des Eisenbahn-Bundesamtes aus , somit ist die Sicherheit auf deutschen Schienen-Fahrstrecken-Anlagen gewährleistet und das Bundesamt hat für die nächsten 500 Jahre Vollbeschäftigung
"...Viele Waggons würden mit Belastungen fahren, die bei der Zulassung nicht angegeben waren. "
Die Räder müssen eben rollen für den Sieg ! ....äääh : für den Profit !
Alles andere würde "...würde ein Desaster und wahnsinnig teuer" .
Tja , wenn das soo ist . Das können wir doch nicht wollen ;-))) !
Auffällig ist, dass das EBA immer dann gesteigerte Aktivitäten entwickelt, wenn entweder ein fürchterliches Unglück eingetreten ist oder sich "anbahnen" könnte (Köln!). Hier wird offensichtlich politischer Druck auf das EBA ausgeübt, nicht zu rasant den vielen neuen Eisebahnunternehmen Hemmschuhe auf die Gleise zu legen. Nach der Privatisierung der Bahn, machten sich die BWL-Controller in der Bahn breit und dehnten die kostenträchtigen kurzen Revisionsfristen des "Rollenden Materials" aus. Vorsorglich schloss die Bahn AG Versicherungen für Schäden am Anlagenvermögen ab (z.B. Oberleitungen), was der Deutschen Bundesbahn nicht zugestanden werden musste. Nach Eschede,(beinahe) Köln und Viareggio, kann man darauf warten, wann wieder ein solches Ereignis zu vermelden ist. Die ganze Privatisierungsorgie war ein Irrweg, die Bahn gehört uns Bürgern und sollte wieder dem Bund zurückgegeben werden - ohne AG!
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