Interview: C. Busse und C. Dohmen

Finanzinvestoren, die nur auf eine hohe Rendite durch Kostensenkung spekulieren, werden scheitern, prophezeit Bernd Kundrun, Chef von Gruner + Jahr.

Bernd Kundrun ist seit 2000 Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr (G+J), des mit gut 300 Publikationen in 24 Ländern größten Zeitschriftenverlags Europas (Stern, Geo, Brigitte, Neon). Davor hat der 50-jährige Betriebswirt den Bereich Zeitungen bei G + J geleitet. In Kundruns Wirkungszeit fallen der Verkauf des Berliner Verlags (Berliner Zeitung, Berliner Kurier), der Lizenzerwerb für National Geographic und die vollständige Übernahme der Financial Times Deutschland vom britischen Pearson-Verlag. G + J ist in Deutschland unter anderem am Spiegel-Verlag (25,5 Prozent) beteiligt. Kundrun sitzt auch im Vorstand der Bertelsmann AG, der 74,9 Prozent an G + J gehören, 25,1 Prozent hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

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Bernd Kundrun (© Foto: ddp)

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SZ: Herr Kundrun, Finanzinvestoren haben massiv in Medienfirmen investiert, nun spüren diese die Krise an den Kapitalmärkten. Ergeben sich neue Möglichkeiten für Bertelsmann und Gruner + Jahr?

Bernd Kundrun: Alle diejenigen, die es in den vergangenen Jahren den strategischen Investoren schwer gemacht haben, weil sie hohe Summen geboten haben, um sich anschließend als reine Kostensenker zu beweisen, haben jetzt Probleme. Die Finanzierungsseite kippt. Eigen- und Fremdkapital wird knapp, die Rechnung geht immer seltener auf. Es wird künftig schwerer für die smarten Jungs mit den großen Taschen. Die Zeiten sind spannend.

SZ: Was heißt das für Sie?

Kundrun: Es kommen neue Unternehmen und Beteiligungsmöglichkeiten für strategische Investoren auf den Markt, also für solche, die langfristig denken, kompetent sind und damit Wert schaffen wollen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Es platzt die Blase, und das hat unabsehbare Auswirkungen. Das ist vergleichbar mit einem Kettenbriefsystem, das am Ende nicht gut gehen kann. Es gibt viele Verlierer.

SZ: Das heißt: Sie kaufen bald zu?

Kundrun: Akquisitionen stehen bei uns aktuell nicht im Vordergrund, sind aber mittelfristig durchaus möglich. Die Finanzkraft dazu haben wir, da wir über einen starken Cash-Flow verfügen und uns in den letzten Jahren mit Großinvestitionen zurückgehalten haben. Gruner + Jahr ist ein Haus der starken Marken, die mehr und mehr auf allen Kanälen, also auch im Internet, präsent sind.

SZ: Wo wollen Sie sich verstärken?

Kundrun: Der Kauf von Internetfirmen macht für uns nur Sinn, wenn diese geeignet sind, unser Kerngeschäft zu stärken und weiterzuentwickeln. Wir setzen auf das Erreichen einer nachhaltigen Relevanz und Reichweite, nur so schafft man wirklichen Markenwert. Das unterscheidet uns von vielen, etwa Internetfirmen, die die Reichweite ihrer Sites kurzfristig hochjazzen - beispielsweise durch zweifelhafte Methoden in der Suchmaschinenoptimierung - nur um eine gute Unternehmensbewertung und einen lukrativen Exit zu erreichen. Das ist nicht unser Weg. Im Internet ist nicht alles Gold, einiges ist nur Katzengold: Das schillert zwar auch schön, hat aber bei weitem nicht dieselbe Konsistenz.

Lesen Sie auf der nächsten Seite wie Kundrun zum Spiegel steht.

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