sueddeutsche.de: Was für Sie "Schönfärberei" ist, bezeichnen andere als Lüge. Wo ziehen Sie die Trennlinie?
Grey-Chairman Frank Dopheide glaubt den Aussagen der selbsternannten Weltenretter. (© Foto: oh)
Anzeige
Dopheide: Werbung hübscht immer auf. Das ist, wie bei den Kontaktanzeigen: "Sympathischer, gut erhaltener, rüstiger Rentner sucht ...". Da weiß jeder, dass das übertrieben ist.
sueddeutsche.de: Und was der Rentner tut, macht der Energiekonzern auch?
Dopheide: Lügen ist verboten, Übertreiben in vielen Fällen erlaubt. Wie sehr, das hängt ab vom Thema, von der Zielgruppe, an die sich die Werbung richtet. In einem Geschäftsbericht ist keine Übertreibung erlaubt. Bei einem Spot für Jugendliche ist die Sache anders. Angenommen, RWE würde einen Spot im Umfeld einer Comedy-Show schalten - da finde ich Übertreibungen legitim. Die Leute begreifen: "Alles klar, ihr Leute von RWE, ihr rettet die Welt! Selten so gelacht!"
sueddeutsche.de: Noch vor zehn Jahren war die Umwelt für Werbung völlig uninteressant. Inwiefern hat sich das inzwischen geändert?
Dopheide: Seit ich denken kann, gibt es diese Floskeln: "Wir respektieren unsere Mitarbeiter, wir handeln verantwortlich." Alles Blabla. Erst in den letzten Jahren sind daraus Programme geworden. Nehmen wir McDonald's. Die waren nach dem Film "Supersize Me" unter Druck. Dann hat man Salate eingeführt, auf regionale Produkte gesetzt und Testpersonen eingeladen. Nun zeigt sich, dass bei McDonald's nicht der Hamburger im Vordergrund steht, sondern der leichte Genuss.
sueddeutsche.de: Den Großteil seines Umsatzes macht McDonald's aber weiter mit fettigem Fastfood.
Dopheide: Das darf man doch McDonald's nicht vorwerfen. Die haben ihr Manko erkannt, Alternativen überlegt und sich als grünes Unternehmen neu aufgestellt.
sueddeutsche.de: Es bleibt ein schaler Nachgeschmack. Eine Firma macht auf grün, bastelt daraus eine Kampagne - geändert hat sich aber nicht viel.
Dopheide: McDonald's hat nicht nur eine Kampagne gemacht. Die haben die Organisation umgedreht. Alleine der Wechsel auf die grünen Schilder - das kostet locker hundert Millionen Dollar. Die meinen das ernst.
sueddeutsche.de: Eine grüne Strategie hat heute fast jedes Unternehmen. Besteht da nicht ein Druck, mit dem grünen Strom zu schwimmen, auch wenn man konkret gar nichts zu bieten hat?
Dopheide: Diesen Druck gibt es. Ohne eine grüne Strategie geht heute gar nichts mehr, auch wenn wir längst einen "grünen Overkill" haben.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Öko-Image Es grünt so grün 23.11.2009
- McDonald's Grün ist die Hoffnung 23.11.2009
- Öko-Strategie von McDonald's Grün allein genügt nicht 23.11.2009
- Energie: Werbefilm und Wahrheit RWE - das Märchen vom grünen Riesen 23.07.2009
- Die besten Nachhaltigkeitsberichte Gutes tun und darüber reden 24.11.2009
- Ozonloch Wie der Himmel ein Loch bekam 13.05.2010
- Klimawandel in Deutschland Regen im Westen, Durst in Sachsen 28.04.2010
(sueddeutsche.de/hgn/cmat)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Mein Kommentar wurde gelöscht, weil ich die Werbeindustrie als "Lügenbranche" bezeichnete und sich die SZ mit diesem Lobbyisten einen scheinheiligen kritischen Artikel erhoffte.
Liebe SZ, ich hab dafür Verständnis. Schließlich verdienen Sie auch an dem großen Kuchen.
Mit der grünen Farbe im Firmenlogo schafft McDonalds mehr Vertrauen bei Kunden indem McDonalds einen mutigen Schritt in Richtung mehr Transparenz macht. Denn grüner Schleim ist nichts anderes als die Grundsubstanz aus der das ganze Sortiment von Schweinefras zusammengepresst und später einfefärbt wurde.
Sogar die Kritiker reden immer noch von "Werbung" wenn nicht gar von "P.R.". Sagt doch einfach altmodisch "Reklame" zu dieser verlogenen & überflüssigen Industrie, das ärgert diese Fuzzies am meisten.
meinte ich und isst natürlich.
das ganze übrigens für sehr wenig geld.....
Ein Reklamefuzzy will uns etwas über - ausgerechnet - Wahrheit sagen? Ohne mich. Die Überschreift reichte mir.
Paging