Größter Airport der Welt Airport Atatürk platzt aus allen Nähten

Turkish profitiert stark vom wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei und gilt als strategisch wichtig. 135 Milliarden Dollar haben die türkischen Exporte zuletzt jährlich betragen, geht es nach Erdogan, dann werden es in zehn Jahren mehr als 500 Milliarden sein. Um das zu erreichen, sind Flugverbindungen in alle Welt unabdingbar.

Kotil erkannte aber jenseits des boomenden und mittlerweile auch deregulierten Heimatmarktes den ungeheuren Vorteil, den die geografische Lage Istanbuls als Drehkreuz zwischen Asien, Europa und Afrika bot, und führte eine neue Strategie ein. Die Passagiere sollten auf den Langstrecken nicht mehr in Frankfurt oder Paris umsteigen, wenn sie von Asien nach Afrika reisen wollen, sondern in Istanbul. "Wir versuchen, die Verkehrsströme zu verändern", sagt Kotil. Es sieht so aus, als würde ihm das gelingen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Umsatz um mehr als das Fünffache auf mittlerweile knapp zehn Milliarden Dollar jährlich.

Seit Jahren fürchtet die Lufthansa, dass ihr Konkurrenten aus den Golf-Staaten Kunden abjagen. Eine mindestens ebenso große Bedrohung ist Turkish, denn Istanbul ist nicht so weit weg, und die Fluggesellschaft kann mit kleinen Maschinen viele deutsche Ziele anfliegen, die für Emirates, Etihad oder Qatar Airways nicht infrage kommen. Als Nächstes ist Friedrichshafen an der Reihe, damit kommt Turkish auf zwölf Destinationen in Deutschland.

Erdogan hatte bei einem Besuch in Deutschland für Aufsehen gesorgt, als er vorschlug, Lufthansa und Turkish sollten doch zusammengehen. Was das angeht, hält sich Kotil sehr bedeckt. Gespräche laufen. Aber nach Informationen aus Branchenkreisen geht es nicht um eine Beteiligung, sondern um eine erweiterte Zusammenarbeit bei Gemeinschaftsflügen oder Vielfliegern.

Neue Business Class für Kurz- und Mittelstrecken

Was das Produkt angeht, müsste Turkish allerdings langsam auf Verbesserungen bei dem deutschen Partner pochen, sollten die beiden Unternehmen wirklich enger zusammenrücken wollen. Turkish stattet die Kurz- und Mittelstreckenflotte gerade mit einer neuen Business Class aus, die jener der Lufthansa und jeder anderen europäischen Fluggesellschaft weit überlegen ist. Noch viel mehr investiert die Airline in die Flotte: 150 neue Maschinen sind fest eingeplant, doch das wird nicht ausreichen, um das Wachstum zu bewältigen. Kotil und seine Leute suchen nach Maschinen, die sie kurzfristig leasen können, bis die fabrikneuen Jets ausgeliefert werden können.

Zu einem großen Problem ist allerdings mittlerweile der Flughafen Atatürk in Istanbul geworden. Er platzt aus allen Nähten. Im Mai soll die Ausschreibung für den neuen Airport veröffentlicht werden, der schon im Jahr 2017 an der Küste des Schwarzen Meeres eröffnet werden soll. Die Anlage soll zunächst eine Kapazität von 90 Millionen Passagieren pro Jahr haben, wenn er voll ausgebaut ist, sollen 150 Millionen durchgeschleust werden können. Nur der geplante neue Flughafen von Peking und der jüngst eröffnete Dubai World Central Airport sollen in ihrer Endausbaustufe ähnliche Dimensionen erreichen. Spätestens mit dem neuen Flughafen will Kotil dann seine Vision zur Realität machen: "Ein Streckennetz aus 300 Zielen, das sich selbst für die nächsten 100 Jahre trägt." Und fast alle 300 befinden sich rechts der 200er Marke.