Die Griechen sollten sich nicht auf ihre Aufzüge oder medizinischen Geräte verlassen: Der Energieversorger DEI setzt die Regierung mit Stromausfällen unter Druck. Die Macht des Staatskonzerns steht sinnbildlich für die Misere im Sonnenland.
Sie können den Griechen das Licht abdrehen - und tun es auch: die Angestellten des halbstaatlichen Stromversorgers, dessen Namenskürzel jeder in Hellas kennt - DEI. Die Bürger sollten zwischen 12 und 15 Uhr in Athen lieber keine Aufzüge benutzen, auf den Inseln Kreta und Rhodos müssten sie sich auch am Abend auf Stromausfall einstellen, und Kranke, die auf Elektrogeräte angewiesen seien, sollten lieber gleich eine Klinik aufsuchen. So lauten die aktuellen Anweisungen der DEI-Gewerkschafter, die in der Vergangenheit immer wieder bewiesen haben, dass sie ihre Blackout-Drohungen auch wahr machen.
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Noch leuchtet die Akropolis über Athen - aber bald könnten die Lichter ausgehen: Der halbstaatliche Stromversorger DEI macht mit Stromausschaltungen Druck auf Griechenlands Regierung. (© dpa/dpaweb)
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Mit stundenlangen Stromsperren wollen die Gewerkschafter nun die Pläne der Regierung zu Fall bringen, weitere Anteile von DEI zu privatisieren, wie es Regierungschef Giorgos Papandreou bereits der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalen Währungsfonds (IWF) versprochen hat. Der Streit um den Stromversorger könnte damit zu einem Maßstab dafür werden, wie reformierbar der griechische Staat ist.
Die Gewerkschafter und Gegner der Privatisierung argumentieren, Energieversorgung sei von "hoher strategischer Bedeutung", weshalb der Staat seine Kontrolle über DEI nicht abgeben dürfe. Die Gewerkschafter (in Griechenland haben einzelne Unternehmen, auch staatliche, Extra-Gewerkschaften) verfügen allerdings nicht mehr über besonders gute Karten. Nicht nur, weil sich viele Griechen erinnern, wie die DEI-Bediensteten in den 80er Jahren mit Dauerstreiks überdurchschnittliche Gehälter und attraktive Zulagen erstritten.
In jüngster Zeit wurde auch bekannt, wie freizügig einige DEI-Spitzenleute mit staatlichem Geld umgegangen sind. So wurden von 1999 bis 2010 aus der Unternehmenskasse insgesamt 31,2 Millionen Euro auf das Konto der eigenen Gewerkschaft geschoben. Damit wurden unter anderem teure Reisen für 40 Gewerkschafter nach Moskau und Sankt Petersburg finanziert. Ein Gewerkschaftsboss zahlte für die Unterkunft in einem Fünf-Sterne-Hotel gut 7000 Euro. Auf 100 Seiten hat Leandros Rakintzis, der von der Papandreou-Regierung eingesetzte Generalinspekteur für den öffentlichen Dienst Verfehlungen von DEI-Leuten zusammengetragen.
Eine interne Untersuchung des Unternehmens, so berichtete die Zeitung Ta Nea, ergab darüber hinaus: Angestellte von DEI hatten viel zu teure Aufträge für die technische Ausrüstung vergeben, und dies auch noch ohne Ausschreibungen.
Griechenland hat die Solarwende verschlafen
Die Mitarbeiter des Stromkonzerns fürchten bei einer Privatisierung Entlassungen, den Bürgern prophezeien sie höhere Preise. 51,12 Prozent von DEI gehören derzeit noch dem Staat, weitere 17 Prozent will Papandreou an Investoren veräußern, allerdings erst 2012 - wegen der heftigen Kritik auch aus den eigenen Reihen. Die DEI-Gewerkschafter wiederum haben sich besonders mit Giorgos Papakonstantinou angelegt. Der war am vergangenen Donnerstag gerade noch Finanzminister, als DEI-Vertreter den Eingang seiner Behörde in Athen blockierten.
Am Tag danach gab es einen neuen Finanzchef: Evangelos Venizelos. Aber DEI-Feindbild Papakonstantinou verschwand nicht von der Bildfläche. Er ist jetzt Umweltminister - und in diesem Amt zuständig für den Stromkonzern. Griechenland fehlt bislang echter Wettbewerb im Energiesektor, die Solarwende hat das Sonnenland verschlafen.
Im Januar schlugen mehrere Provinzverwaltungen Alarm, weil das Unternehmen ihre Solarausbau-Pläne behindere, unter Hinweis auf fehlende Leitungskapazitäten. Jüngst gab DEI dann selbst eigene Pläne für einen Solarpark nahe der nordgriechischen Stadt Kozani bekannt, und die Siemens AG meldete sofort Interesse an einer Beteiligung an.
Allein könnte DEI das Projekt gar nicht stemmen, weil ihm Kapital und Know-how fehlen. Da passt es, dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Griechen nun empfiehlt, Solarstrom zu produzieren und auch nach Deutschland zu exportieren. "Die griechische Wirtschaft hätte damit ein wettbewerbsfähiges Exportgut, und ein begehrtes dazu", sagte er der Zeit.
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(SZ vom 22.06.2011/lom)
Gysi gegen Lafontaine
Griechenland hat sich da Deutschland zu sehr als Vorbild genommen:
„Spitzenleute“ in Deutschland lassen sich Währungs-Zocker-Verluste mit zig-Milliarden-„Rettungsschirmen“ aus staatlichem (=Steuer-) Geld finanzieren. Der griechische Staat zahlt pro Jahr 60 Milliarden (!) Euro Staatsgeld für Zins und Tilgung an die reichen „Spitzenleute“ im In- und Ausland. Ganz zu schweigen von den Milliarden, die der „Exportweltmeister“ aus Griechenland absaugt.
Dagegen sind die paar Kröten für Gewerkschaft und Hotel wahre Peanuts.
„Griechenland fehlt bislang echter Wettbewerb im Energiesektor, die Solarwende hat das Sonnenland verschlafen.“
Beides trifft auch komplett für Deutschland zu, trotz Privatisierung.
Nun will auch noch RWE sein marodes Stromnetz verscherbeln, dessen Sanierung RWE „verschlafen“ hat. Tolles Vorbild !
Bei überdurchschnittlichen Gehältern und attraktiven Zulagen gibt es allerdings einen kleinen Unterschied zwischen Deutschland und Griechenland:
"In Griechenland haben sich die DEI-Bediensteten in den 80er Jahren mit Dauerstreiks überdurchschnittliche Gehälter und attraktive Zulagen erstritten."
In Deutschland haben sich seit den 80er Jahren nur die Top-Manager und Spekulanten durch Herkunft, Beziehungen und Lobbyismus leistungsunabhängige Spitzengehälter, Boni und fürstliche Abfindungen (für den Fall allzu offenkundigen Versagens) genehmigt; „erstreiten“ war da gar nicht nötig, weil in diesen Kreisen Selbstbedienung angesagt ist.
Auch hierfür zahlt letztendlich der Steuerzahler die Zeche.
Herrliches Vorbild !
..nichts anderes ist eine Privatisierung. Die Enteignung der Stromversorger und anderer Infrastruktur zugunsten einiger privater Akteure ist ein unverzeihlicher Fehler. Wie üblich: Die Schmarotzer kassieren doppelt. Erst greifen sie die dicken Zinsen ab, um nachher den Leichenfledderer zu machen. Widerwärtig. Gut dass sich die Griechen dagegen wehren.
.. wenn er nach Kriechanland in den Urlaub fährt. Die Türkei ist sauberer, billiger, freundlicher und - man bleibt nicht in Aufzügen stecken wo der Strom ABSICHTLICH abgedreht worden ist.
noch nicht ganz wach!
selbst redend mit "d"
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