Griechenland Die eigentliche Schuld der Regierung Tsipras

Der griechische Premier Tsipras bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Athen

(Foto: Bloomberg)

Griechenland hat im Streit mit den Geldgebern das Maß verloren. Da der Konflikt nicht lösbar ist, wird er eingefroren.

Kommentar von Stefan Kornelius

Während dieser vorletzten Sekunde des Griechen-Dramas zeigt sich ein logischer Widerspruch, der wegen aller politischen Aufladung und Empörung nicht aufzulösen ist. Jetzt, da der Volkszorn hochkocht, bleibt eine rätselhafte Frage: Muss das wirklich alles sein wegen läppischer zwei Milliarden Euro? Muss Europa seine Währung, Griechenland sein bisschen staatliche Glaubwürdigkeit, der Kontinent seine politische Vernunft opfern wegen einer vergleichsweise kleinen Summe?

Zwei Milliarden, vielleicht nur anderthalb - das ist der Betrag, den Griechenland noch einsparen muss, um die Bedingungen zur Auszahlung des zweiten Rettungspakets zu erfüllen. Dieses Geld könnte man Griechenland quasi schenken, angesichts der dreistelligen Milliardensumme, die das Land seinen Gläubigern allemal schuldet - und die es niemals zurückzahlen kann. Zwei Milliarden im Tausch gegen Ruhe und Frieden in der Euro-Zone. Fast schon ein Schnäppchen.

Mangel an Regierungsfähigkeit

Die Zahlen zeigen, dass hier etwas grundsätzlich schiefgelaufen ist. Zwei gegensätzliche Vorstellungen von Europa und seiner Währung haben sich in den vergangenen Monaten unauflösbar miteinander verstrickt. Die Euro-Zone hatte sich in den vergangenen Jahren auf einen Erste-Hilfe-Mechanismus zur Kontrolle der Schuldenkrise geeinigt, der sich auf die Formel Unterstützung gegen Reformen reduzieren lässt. Damit waren die Konstruktionsfehler der Euro-Zone nicht gelöst, aber zumindest kollabierte die Währung nicht.

Griechenland hat sich diese Formel jedoch nie wirklich zu eigen gemacht. Das hat mit dem Mangel an Regierungsfähigkeit in Athen zu tun, mit dem scheinbar unüberwindbaren politischen Clan-System, mit einer anarchisch funktionierenden Volkswirtschaft, die nicht mal ein Katasterwesen kennt. Mit der Regierung Tsipras wurde diese Verweigerung zusätzlich ideologisch aufgeladen. Plötzlich war es Griechenland, das Europas wirtschafts- und finanzpolitisches Modell revolutionieren wollte. Der Schuldner schrieb die Geschäftsbedingungen - eine provozierende Verdrehung der Realität.

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