Interview: Tobias Dorfer

Greenpeace-Experte Martin Hofstetter im Gespräch mit sueddeutsche.de über Alternativen zur Grünen Gentechnik, die Marktmacht der Saatgutkonzerne und die Probleme der Landwirte.

Martin Hofstetter, 47, ist studierter Landwirt und bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace Experte für Gentechnik.

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Greenpeace-Experte Martin Hofstetter will die Grüne Gentechnik komplett verbieten. (© Foto: o.H.)

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sueddeutsche.de: Herr Hofstetter, eigentlich ist die Grüne Gentechnik in Deutschland untersagt. Doch im niedersächsischen Northeim baut der Saatkonzern KWS zu Testzwecken gentechnisch veränderte Zuckerrüben an. Der Genmais MON810 darf verkauft und angebaut werden und in Thulendorf testet die Uni Rostock den Anbau von Gen-Sommerweizen. Ist die Grüne Gentechnik in Wirklichkeit nicht schon in Deutschland angekommen?

Martin Hofstetter: Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist hierzulande bereits seit zehn Jahren Realität. Nach unseren Schätzungen wird der Genmais MON810 in Deutschland bereits auf 3500 Hektar Ackerfläche angebaut. Oder nehmen Sie unser Tierfutter, das größtenteils aus Nord- und Südamerika importiert wird. Vor allem Sojaschrot weist einen hohen Anteil an gentechnisch veränderten Organismen auf.

sueddeutsche.de: Im Vergleich zu anderen Ländern ist das trotzdem extrem wenig. In Afrika, Asien und Amerika werden gentechnisch veränderte Pflanzen in Massen angebaut. Warum sträuben Sie sich dagegen?

Hofstetter: Weil die Gentechnik zu einer Monokultur führt. Schauen Sie sich Argentinien an. Dort wächst nur noch die Sojabohne und sonst fast nichts mehr. Schlimmer jedoch ist, dass wir die Folgen der Gentechnik nicht kontrollieren können. Wenn sich etwa genveränderte Pflanzen mit natürlichen Verwandten auskreuzen ...

sueddeutsche.de: ... also gentechnisch veränderter Mais auf den herkömmlichen Mais übergreift ...

Hofstetter: ... dann habe ich ein Problem: Der herkömmliche Mais ist für immer verseucht. Die Pflanze kann nicht mehr in ihren Originalzustand zurückversetzt werden. Einmal in die Umwelt ausgebracht, ist dieses Verfahren irreversibel.

sueddeutsche.de: Aber Mutationen sind in der Natur doch an der Tagesordnung. Warum darf der Mensch nicht, was die Natur schon macht?

Hofstetter: Auslese und Mutationen finden permanent statt. Mit der Gentechnik greifen wir jedoch künstlich über Artgrenzen hinweg in die Natur ein. Wir bauen menschliche Wachstumshormone in Rinder ein. Das würde in der Natur nie passieren.

sueddeutsche.de: Andererseits wird in Afrika derzeit eine Hirsesorte geschaffen, die nahrhafter sein soll als andere Sorten. In China soll Reis angebaut werden, der Mangelerscheinungen verhindert, durch die jährlich nahezu eine halbe Million Kinder erblinden. Wiegt das nicht die Umweltbelastungen auf?

Hofstetter: Das klingt alles so wunderbar. Wir warten allerdings seit 15 Jahren darauf, dass solche Pflanzen tatsächlich entwickelt werden. Die Gentechnik ist eine sehr ungenaue Technologie. Ich glaube, dass uns andere Verfahren besser helfen.

Lesen Sie im zweiten Teil, welche Alternativen Martin Hofstetter zur Grünen Gentechnik sieht und mit welchen Tricks die großen Saatgutkonzerne zu Monopolisten werden.

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