Grauer Kapitalmarkt Kunden beklagen sich über die Methoden von Gomopa

Wenige Monate vor Vertragsunterzeichnung schrieb Gomopa noch selbst über das Unternehmen: "Primea Invest AG: Sachwert-Wundertüte getarnt als Lebensversicherung", titelte der Dienst am 3. Februar 2014. "Eine Lebensversicherung mit sechs Prozent Rendite. Das Ganze sicher und jederzeit kündbar. Keine Provisionen, keine versteckten Kosten! So lautet das Versprechen der Primea Invest AG. Doch das scheinbar perfekte Produkt hat seine Tücken", urteilte Gomopa. Inzwischen ist der Text auf den Internetseiten des Dienstes nicht mehr aufzufinden. "404 Not Found. Zu dieser Pressemitteilung liegen keine Informationen vor. Das kann daran liegen, dass diese Pressemitteilung nicht (mehr) existiert oder gesperrt worden ist", heißt es lapidar auf der Webseite.

Wer nicht regelmäßig an Gomopa zahlen möchte, kann offenbar, wie vorliegende Rechnungen zeigen, auch einzelne Artikel gegen Geld sperren lassen. Laut einer dieser Rechnungen, die an die inzwischen insolvente Deutsche Immobilien und Grundbesitz AG ging, verlangte Gomopa für die "Nutzungsrechte" an drei Artikeln insgesamt 150 000 Euro.

Eine ähnliche Forderung erhielt der Leipziger Immobilienunternehmer Bernd Ehret. 25 000 Euro sollte er überweisen. "Dieser Betrag wurde für Dienstleistungen der Gomopa bezahlt", teilt er mit. Laut Rechnung bekam er im Gegenzug die Nutzungsrechte für den Artikel "Immoselect AG und Heli GmbH: Die Katze lässt das Mausen nicht" eingeräumt, in dem Gomopa Ehrets Firma, jene Immoselect AG, scharf angegriffen hatte.

"Natürlich werde ich von denen erpresst"

SZ und NDR haben mehr als ein Dutzend Firmen, die mit Gomopa einen Beratungsvertrag abgeschlossen haben, per E-Mail kontaktiert. Keines der Unternehmen kritisierte in seiner schriftlichen Antwort den Geschäftspartner Gomopa. Telefonisch meldeten sich jedoch mehrere der angefragten Firmen zurück. "Natürlich werde ich von denen erpresst", sagt ein Unternehmer. "Die machen dich fertig, da hast du keine Chance", meint ein anderer. "Der Graumarktpate Maurischat" könne Misstrauen säen und Vertrauen wiederherstellen, sagt er.

Der Gomopa-Chef dagegen betont in seinen Antworten auf die Fragen von SZ und NDR immer wieder, dass die Aufgabe seines Unternehmens allein in der "strategische Beratung für öffentlichkeitsrelevante Fragen und Aufgabenstellungen" seiner Kunden bestehe. Zu den Details der Geschäfte mag er nichts sagen: "Über Verträge mit unseren Klienten geben wir öffentlich selbstverständlich keinerlei Stellungnahme ab", erklärt Maurischat.

Sein Unternehmen hilft auch dann, wenn anderswo unangenehme Berichte erscheinen, etwa im Fall der Erneuerbare Energie Versorgung AG (EEV). Das Unternehmen aus Göttingen hat bislang von Anlegern 21 Millionen Euro eingesammelt, um in ein Biomasseheizkraftwerk und einen Offshore-Windpark zu investieren. Es gibt nur einen Makel: Das Windpark-Areal in der Nordsee liegt mitten in einem Übungsgebiet der Bundeswehr. Die Marine schießt dort mit scharfer Munition. Ob der Windpark dort jemals gebaut werden darf, ist völlig unklar.

Teil der Beratung: Verunglimpfung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

Bei der EEV weiß man davon seit 2012 und hat das Projekt in einem internen Schreiben als "im Grunde genommen wertlos" bezeichnet. Die Anleger wurden darüber jedoch nicht aufgeklärt. Jens Heitmann, ein Journalist der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), berichtete über die Probleme zuerst.

Aufgrund der negativen Veröffentlichungen habe sich Gomopa bei der EEV gemeldet, erklärt ein Anwalt des Unternehmens. Anschließend bot die EEV "Gomopa an, sämtliche Unterlagen einsehen und alle beteiligten Personen befragen zu können. Schnell stellte sich heraus, dass der Umfang dieser Informationen, sowie daraus abzuleitende Tätigkeiten die 'normalen' Kapazitäten der Gomopa überstieg", sagt der Anwalt. Die EEV habe sich deshalb bereit erklärt, "einen Unternehmensberatungsvertrag mit Gomopa zu schließen und die anfallenden Kosten im Rahmen einer monatlichen Pauschale zu übernehmen." Zunächst waren es 1000 Euro pro Monat. "Die EEV wurde unseren Recherchen nach von ehemaligen Angestellten bestohlen und genötigt. Daher haben wir auf Bitten des Kunden die strategische Beratung für sämtliche öffentlichkeitsrelevanten Fragen und Aufgabenstellungen übernommen", sagt Maurischat dazu.

Was offenbar Teil einer "strategischen Beratung" sein kann, lässt sich auf der Gomopa-Webseite nachlesen: Dort erscheint am 5. September 2014 ein Artikel mit der Überschrift "Unterstützt HAZ-Redakteur Jens Heitmann eine vermutlich kriminelle Bande?" Heitmanns Quellen und Gesprächspartner werden im Text mit vollem Namen genannt und verunglimpft. Später tauchen Blogs im Internet auf, in denen diese Anschuldigungen wiederholt werden. Dazu sagt Heitmanns Chef, HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt: "Der Kern der ganzen Veranstaltung ist, nicht sachlich zu informieren, sondern harte, für die einzelnen Unternehmen möglicherweise auch schmerzhafte journalistische Recherche zu diskreditieren und schlichtweg mit Dreck zu schmeißen."