Grauer Kapitalmarkt Die eigentümlichen Geschäfte der Firma Gomopa

Erst negativ berichten und dann als Berater daran verdienen: Das Geschäftsmodell von Gomopa. Illustration: Lisa Bucher

  • Das Internet-Portal Gomopa berichtet über den grauen Kapitalmarkt, den der Staat nur eingeschränkt reguliert. Die SZ und der NDR berichteten gemeinsam über die Geschäftspraxis der Firma.
  • Erst veröffentlicht Gomopa negative Texte über bestimmte Anbieter, beispielsweise über drohende Insolvenzen, dubiose Geschäfte oder Schneeballsysteme.
  • Danach bietet sie den betroffenen Firmen "Beratungsverträge" an. Gegen vierstellige, monatliche Pauschalen löscht Gomopa die diskreditierenden Texte.
  • Betroffene sprechen von Erpressung. Juristisch ist ein Vorgehen schwierig: Der Firmensitz ist New York.
Von Christoph Giesen

Der Name klingt vertraut: Goldman, Morgenstern & Partners LLC. Ein wenig nach Investmentbank, nach Geldadel und Wall Street. Meistens wird der Name jedoch nur abgekürzt als Gomopa. Das klingt eher nach Babynahrung, trotzdem ist der Internetdienst Gomopa eine der zentralen Größen auf dem grauen Kapitalmarkt, jenem unüberschaubaren Umschlagplatz, auf dem sowohl redliche Fondsanbieter als auch Architekten von Schneeballsystemen unterwegs sind. Es ist ein Markt, auf dem Anleger zu Mitbesitzern einer Fabrik werden, ihr Geld in Edelmetalle investieren oder mit Nachrangdarlehn versuchen reich zu werden. Manche der Anbieter hantieren mit Genussscheinen, andere finanzieren Hollywood-Filme oder sie bündeln das Geld der Anleger in Schiffsfonds und kaufen davon Frachter.

Welche Geschäftsidee Firmen auch immer verfolgen, eines eint sie: Sie werden sehr viel laxer überwacht als die Banken oder der Aktienmarkt. Die Folge: Wo es nur eine eingeschränkte Regulierung gibt, ist Vertrauen enorm wichtig. Unternehmen, die hochspekulative Fonds verkaufen, möchten schließlich nicht, dass ihre Anleger verunsichert sind. Wer in dieser Branche Misstrauen erzeugen kann, der hat die Macht, Geschäftsmodelle zu zerstören.

Erst negative Berichte, dann "Beratungsverträge"

Seit der Gründung vor 15 Jahren ist Klaus Maurischat der Chef von Gomopa. Sein Dienst hat sich sehr viel Einfluss aufgebaut. Auf den ersten Blick wirkt die Gomopa-Webseite wie ein journalistisches Portal, mindestens fünf Mitarbeiter haben amtlich anerkannte Presseausweise, es gibt auch einen Chefredakteur. Beinahe täglich berichten sie auf gomopa.net über den grauen Kapitalmarkt. Maurischat sagt dazu: Gomopa verstehe sich "nicht als publizistisches Organ, sondern als Unternehmensberatung". Dennoch verbreiten sich die Gomopa-Texte über angeblich bevorstehende Insolvenzen, dubiose Geschäfte oder mögliche Schneeballsysteme sehr schnell im Netz. Für die angegriffenen Firmen sind diese Berichte oft unangenehm.

Doch es gibt offenbar einen Ausweg, damit die Negativ-Schlagzeilen wieder aus dem Netz verschwinden. SZ und NDR liegen mehr als ein Dutzend "Beratungsverträge" vor, sie geben Aufschluss darüber, wie Gomopa auf den grauen Kapitalmarkt Einfluss nimmt. Hunderte Seiten an internen Unterlagen und E-Mails zeigen dies. Zu den mutmaßlich Geschädigten gehören Dutzende deutscher Firmen. Sie alle verkaufen ihre Anlageprodukte am grauen Kapitalmarkt.

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Der Ablauf ist in vielen der vorliegenden Fälle ähnlich: Zunächst berichtet Gomopa negativ über ein Unternehmen. Dann findet man sich zusammen und schließt einen Vertrag, wonach Gomopa die "strategische Beratung für sämtliche öffentlichkeitsrelevanten Fragen" übernimmt. Kritische Berichte erscheinen danach gewöhnlich keine mehr und auch die alten Artikel werden üblicherweise offline genommen.

Firmen zahlen pro Monat vierstellige Beträge

Mal zahlen die Firmen 1500 Euro im Monat, mal sind es 5000 Euro. Andere wiederum liegen monatlich bei 10 000 Euro. Da ist zum Beispiel die Firma Dolphin Trust, ein Immobilienentwickler aus Langenhagen bei Hannover. "Den Kontakt zu Gomopa nahmen wir seinerzeit auf, als die Gomopa-Redaktion Nachrichten über Dolphin Trust publizierte, die zum einen fehlerhaft waren und damit zum anderen negativ für unser Unternehmen hätten wirken können", erklärt ein Unternehmenssprecher. 22 500 Euro zahlt Dolphin Trust alle drei Monate. Doch warum? "Zweck des Vertrages ist, dass Gomopa Journalisten, Redaktionen und Medienportalen im Internet wahrheitsgemäße und instruktive Informationen zur Geschäftstätigkeit von Dolphin Trust in Deutschland als Projektentwickler und Bauträger im Bereich denkmalgeschützter Immobilien zur Verfügung stellt", heißt es wolkig.

Ein anderer Kunde ist die Primea Invest AG aus Berlin. Das Unternehmen nennt sich selbst einen "Vertriebskoordinator von anteilsgebundenen und versicherungsummantelten Finanzprodukten". Seit Mai 2014 zahlt Primea Invest 1000 Euro im Monat. "Aufgabe von Gomopa war das Screening und Monitoring des Marktes / des Internets bzgl. Berichterstattung über Primea", teilt Primea-Geschäftsführer Holger Stabernack mit.