Hausgemachte Probleme und hohe Schulden - Pro Sieben Sat 1 kämpft mit vielen Problemen. Aufsichtsratschef Mäuser nimmt Stellung.
Ende 2006 haben die Finanzinvestoren Permira und KKR die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 übernommen. Hausgemachte Probleme, eine hohe Verschuldung, die Wirtschafts- und Werbekrise machen dem Münchner Fernsehkonzern schwer zu schaffen. Deutliche Kritik gab es auch an den Finanzinvestoren. Permira-Manager Götz Mäuser, 46, wurde im März 2007 Aufsichtsratschef bei Pro Sieben Sat 1. An diesem Donnerstag findet in München die Hauptversammlung des Konzerns statt, die Mäuser leiten wird.
Permira-Manager Götz Mäuser muss sich Donnerstag den Aktionären stellen. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Mäuser, Pro Sieben Sat 1 hat zuletzt viel investiert. Johannes B. Kerner wurde verpflichtet, Oliver Pocher, außerdem Franz Beckenbauer. Wird die Braut für einen Verkauf hübsch gemacht?
Götz Mäuser: Nein. Die Investitionen in die Qualität der Programme sollen die Kanäle in Deutschland stärken, insbesondere Sat1, der Sender mit dem größten Potential. Das hat nichts mit Verkaufsplanungen oder Ähnlichem zu tun.
SZ: Planen Sie weitere spektakuläre Zukäufe?
Mäuser: Sat 1 ist für den Konzern einer der wichtigsten Kanäle, da gab es auch den größten Bedarf. Der Vorstand hat jetzt eine ganze Menge getan. Man sollte abwarten, wie sich das auszahlen wird. Pro Sieben hat in der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen eine Top-Position. Und Kabel 1 verzeichnet eine sehr gute, stabile Entwicklung.
SZ: Gehen die jüngsten Einkäufe zu Lasten anderer Bereiche, wird also das, was Sie zusätzlich ausgeben, an anderer Stelle wieder weggeschnitten?
Mäuser: Das wirtschaftiche Umfeld ist derzeit schlecht. Deshalb muss Pro Sieben Sat 1 darauf achten, so effizient wie möglich zu wirtschaften. Die Programminvestitionen können vor diesem Hintergrund nicht zunehmen, wir können die Realitäten nicht ignorieren.
SZ: Besteht nicht die Gefahr eines Teufelkreises? Die Lage ist schlecht, Sie investieren weniger, die Sender werden dadurch unattraktiver, die Lage wird noch schlechter...
Mäuser: Unabhängig von der Höhe der Programminvestitionen besteht immer die Gefahr, dass man an den Zuschauern vorbeisendet. Das ist eine Gratwanderung. Aber unsere Marktanteile entwickeln sich positiv, bis jetzt. Das Management macht offensichtlich das Richtige.
SZ: Die Krise an den Werbemärkten ist gewaltig. Wann rechnen Sie mit einer Erholung?
Mäuser: Ich bin kein Prophet. Die Fernsehwerbemärkte sind im zweistelligen Prozentbereich nach unten gegangen. Wann wir eine Erholung sehen werden, kann ich nicht sagen.
SZ: Greifen Ihre Strategien?
Mäuser: Die oberste Priorität von Vorstand und Aufsichtsrat ist, das Unternehmen sicher durch die gegenwärtige Krise zu führen. Die Gruppe hat dafür einiges getan in den letzten zwei Jahren: Seit Anfang 2009 hat Pro Sieben Sat 1 wieder ein wettbewerbsfähiges Werbezeitenvermarktungsmodell, der Marktanteil hat sich deutlich erholt und die Kosten sind unter Kontrolle, nicht zuletzt durch eine Reihe von vorausschauenden Restrukturierungsmaßnahmen wie dem Umzug von Sat 1 nach München. Inzwischen betreibt Pro Sieben Sat 1 sein Geschäft zunehmend effizienter, das hat sich jetzt im ersten Quartal 2009 sehr positiv ausgewirkt.
SZ: Im ersten Quartal 2009 haben Sie aber einen Verlust gemacht.
Mäuser: Der Konzern hat sich deutlich besser als die Wettbewerber geschlagen und das operative Ergebnis trotz der Krise um sechs Prozent gegenüber 2008 gesteigert. Das ist das, was für mich zählt.
SZ: Können Sie einen weiteren Personalabbau und neue Sparmaßnahmen ausschließen?
Mäuser: Im Moment hat das Management nichts Weiteres geplant. Es kann aber keine Entwarnung gegeben werden. Gehen die Märkte weiter nach unten, wird Pro Sieben Sat 1 reagieren müssen.
SZ: Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr gab es starke Kritik an den Finanzinvestoren, auch an der hohen Ausschüttung, die Sie sich genehmigt haben. Haben Sie daraus gelernt?
Mäuser: Als Vorstand und Aufsichtsrat Anfang 2008 über die Dividende für 2007 beraten haben, war die wirtschaftliche Situation völlig anders als heute. Wenn ich seinerzeit gewusst hätte, vor welchem dramatischen weltwirtschaftlichen Abschwung wir stehen, hätte ich möglicherweise anders gehandelt. Für 2008 wird die Dividende praktisch ausfallen, die Aktionäre leisten also ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise.
SZ: Sie könnten Pro Sieben Sat 1 das Geld auch zurückgeben, etwa über eine Kapitalerhöhung?
Mäuser: Eine Kapitalerhöhung ist derzeit nicht geplant.
SZ: Pro Sieben Sat 1 könnte neues Kapital gut vertragen.
Mäuser: Mit der bestehenden Kapitalausstattung kann der Konzern alle notwendigen Investitionen finanzieren.
SZ: Die Verschuldung von Pro Sieben Sat 1 ist nach wie sehr hoch und liegt bei etwa 3,5 Milliarden Euro. Wie soll das je zurückgezahlt werden?
Mäuser: Pro Sieben Sat 1 verfügt über eine sehr robuste Ertragskraft und hat in dem für uns alle schwierigen Jahr 2008 immer noch einen operativen Gewinn von knapp 675 Millionen Euro erzielt - nach einem Rekordjahr 2007 mit rund 790 Millionen Euro. Irgendwann wird diese Krise zu Ende sein. Dann wird Pro Sieben Sat 1 seine Ertragskraft ausspielen und wieder genügend Gewinn machen, um die Verschuldung abzubauen. Die Kredite laufen langfristig bis 2014 und 2015 und sind, solange sich die Marktlage nicht nochmals deutlich verschlechtert, kein Problem.
SZ: Ein gravierendes Problem hat aber die Zwischenholding Lavena, über die Permira und KKR an Pro Sieben Sat1 beteiligt sind. Ihr geht offenbar das Geld aus, von Insolvenz ist die Rede. Wie gefährlich ist das? Ist auch Pro Sieben Sat 1 in Gefahr?
Mäuser: Diese Marktgerüchte kann ich nicht kommentieren. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang nur Folgendes: Pro Sieben Sat 1 ist eine eigenständige Aktiengesellschaft und vollkommen unabhängig von Lavena.
SZ: Es gibt immer wieder Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen Permira und KKR. Ziehen Sie noch an einem Strang?
Mäuser: Unsere Zusammenarbeit ist ausgesprochen gut. Wir sind im ständigen Austausch. Jeder, der etwas Anderes behauptet, redet Unsinn.
SZ: Finanzinvestoren wollen doch immer nur eine Zeit lang engagiert bleiben. Wann verabschieden Sie sich?
Mäuser: Aktuell steht ein Ausstieg nicht zur Debatte, das würde zum derzeitigen Zeitpunkt übrigens auch keinen Sinn ergeben. Aber klar ist auch: Irgendwann werden wir Pro Sieben Sat 1 auch verkaufen.
SZ: Gerade erst wechselte Lothar Lanz von Pro Sieben Sat 1 zu Springer. Gibt es einen neuen Anlauf für Springer?
Mäuser: Die Großaktionäre führen keine Gespräche mit der Axel Springer AG zum Thema Verkauf von Pro Sieben Sat1.
SZ: Planen Sie eine Zerschlagung?
Mäuser: Nein. Auch das ist kein Thema. Wir haben einen paneuropäischen Fernsehkonzern geschaffen und halten weiter an dieser Logik fest. Die Idee ist nach wie vor richtig, deshalb werden wir keine Teile des Kerngeschäfts herauslösen und verkaufen.
SZ: Sie haben einmal gesagt, Sie seien kein Programm-Macher. Welche Sendungen sehen Sie denn am liebsten?
Mäuser: Ich schaue natürlich Fußball. Und zusammen mit meiner Familie haben ich Germany's Next Topmodel verfolgt, das war sehr spannend.
- G+J-Chef Bernd Kundrun Die Welle 19.12.2008
- Schwache Quartalszahlen Werbeflaute belastet Pro Sieben 06.08.2008
(SZ vom 03.06.2009/mel)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
"Hausgemachte Probleme und hohe Schulden - Pro Sieben Sat 1 kämpft mit vielen Problemen."
Wie haben wir es denn gern? Darf es eine Milliarde sein oder dürfen es noch mehr Staatshilfen sein? Greifen sie zu, solange der Vorrat reicht...