Glyphosat Monsanto soll Glyphosat-Studien beeinflusst haben

Ernte in Kirkland, Illinois. Auch in den USA ist der Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat umstritten.

(Foto: Daniel Acker/Bloomberg)
  • Monsanto soll in den USA Studien über sein umstrittenes Pestizid Glyphosat beeinflusst haben. Das geht aus internen Mails hervor.
  • Widersprüchliche Studien zur Unbedenklichkeit von Glyphosat hatten in der Vergangenheit einheitliche Zulassungsregelungen verhindert.
  • Nahezu zeitgleich mit den aufgetauchten Vorwürfen hat die EU-Behörde Echa eine Studie veröffentlicht, derzufolge Glyphosat nicht krebserregend ist.
Von Silvia Liebrich

Wie gefährlich ist das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für Menschen? Könnte es vielleicht sogar Krebs auslösen? Seit zwei Jahren wird darüber in Wissenschaftskreisen heftig gestritten. Am Mittwoch hat die EU-Chemikalienagentur Echa eine mit Spannung erwartete Studie vorlegt. Und ihr Ergebnis ist eindeutig: Die Behörde mit Sitz in Helsinki spricht das Mittel frei vom Krebsverdacht. Sie folgt damit in ihrem Urteil der europäischen Lebensmittelaufsicht Efsa. Damit steigen die Chancen, dass das Pestizid weiterhin in Europa zugelassen bleibt. Viele Landwirte drängen darauf, kein anderes Mittel wird so häufig auf dem Acker versprüht.

Gleichzeitig tauchten in den USA neue Vorwürfe gegen das amerikanische Saatgut- und Pflanzenschutzunternehmen Monsanto auf, welches Glyphosat erfunden hat. Der Konzern mit Sitz in St. Louis ist bis heute einer der größten Hersteller des Pestizids und wird - wenn die Übernahme wie geplant umgesetzt wird - künftig zum deutschen Bayer-Konzern gehören. Monsanto hat auch die meisten Studien in Auftrag gegeben, die für eine Zulassung des Pestizids benötigt werden.

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Im Verborgenen arbeitete Monsanto an vermeintlich unabhängigen Studien mit

Die New York Times berichtete am Dienstag darüber, wie Monsanto in der Vergangenheit hinter den Kulissen Einfluss auf einzelne Wissenschaftler und auf die amerikanische Behörde EPA genommen haben soll. So soll Monsanto im Verborgenen an Studien mitgearbeitet haben, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler ausgegeben worden seien. Ein weiterer Vorwurf lautet, das Unternehmen habe gezielt darauf hingewirkt, eine eigenständige Untersuchung des Unkrautvernichters durch das US-Gesundheitsministerium zu verhindern.

Der Bericht beruht auf Dokumenten aus einem Gerichtsverfahren im Bundesstaat Kalifornien, die der New York Times und auch der SZ vorliegen. Im Verlauf des Verfahrens sind auf Anweisung des Richters interne E-Mails zwischen dem Unternehmen und Mitarbeitern von Behörden veröffentlicht worden. Vor dem Gericht klagen Betroffene, die am Non-Hodgkin-Lymphom, einer bösartigen Erkrankung des Lymphsystems, leiden. Sie machen dafür Glyphosat verantwortlich.

Bislang verließen sich alle auf die Studien der Industrie

Die Klage kam ins Rollen, nachdem unabhängige Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation vor knapp zwei Jahren gewarnt hatten, dass das Pestizid bei Menschen möglicherweise Krebs auslösen könnte - eine Einschätzung, der sich die beiden EU-Behörden Echa und Efsa nicht anschließen. Offiziell hält auch die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat für relativ unbedenklich. Doch die Ämter haben sich bei ihrem Urteil bisher vor allem auf die von der Industrie vorgelegten Studien verlassen.

So will es auch der Gesetzgeber. Aus dem internen Schriftverkehr geht hervor, dass Monsanto schon Monate vor der kritischen Veröffentlichung der WHO-Krebsexperten einen Tipp bekommen hatte, und zwar von einem ranghohen Abteilungsleiter aus der Umweltbehörde EPA. Das Management von Monsanto hätte demnach also genug Zeit gehabt, sich zu wappnen. Tatsächlich attackierte das Unternehmen die Studie der WHO-Krebsexperten umgehend und heftig, sobald sie vorlag. Monsanto-Chef Hugh Grant bezeichnete die Ergebnisse der unabhängigen Forschergruppe, die unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation Krebsrisiken bewertet, als junk science, also als Schrottwissenschaft. Forscher aus dem WHO-Team klagten über persönliche Anfeindungen und Diffamierungen.