Glücksspiel im Internet Nichts geht mehr

Geht es nach den Bundesländern und deutschen Behörden, soll es Glücksspiele im Internet bald nicht mehr geben.

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Blackjack, Bingo und Poker: Glücksspielangebote im Internet boomen und setzen Milliardenbeträge um. Jetzt wollen die Bundesländer weitere ausländische Anbieter verbieten - zum Schutz der Bürger. Die Online-Plattformen sehen darin nur einen Vorwand.

Von Lena Gürtler und Klaus Ott

Seine Asse haben Boris Becker berühmt und reich gemacht. Erst auf dem Tennisplatz, wo Bumm-Bumm-Boris, wie er wegen seiner Schlagkraft genannt wurde, den Gegnern oft schon beim Aufschlag keine Chance ließ. Und später am Spieltisch, wo der frühere Wimbledon-Gewinner ebenfalls viele Asse servierte. Bei Pokerturnieren in London und Monte Carlo räumte Becker kräftig ab.

Der einstige Tennis-Held zockte für Pokerstars, den weltweit führenden Veranstalter dieses Glücksspiels, der von der britischen Isle of Man aus via Internet agiert. Mit Becker als Werbefigur - sein Vertrag soll mit mehreren Millionen Euro dotiert gewesen sein - hat die Insel-Firma längst auch den deutschen Markt erobert.

Mit den Geschäften hierzulande, wo Pokerstars Hunderttausende Mitspieler anlockt, könnte bald Schluss sein. Die Bundesländer untersagen reihenweise Pokerrunden, Kasinos, Sportwetten und andere Zocker-Angebote im Internet, wo inzwischen Milliardenbeträge umgesetzt werden. Mehr als 100 Verbots-Verfügungen haben die Länder, die das Glücksspiel regeln, in den vergangenen Jahren bereits an ausländische Unternehmen verschickt. 28 weitere Verfahren laufen, wöchentlich kommen neue Fälle hinzu. Das hat eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks bei allen Bundesländern ergeben.

Von dem rigiden Vorgehen betroffen sein soll auch Pokerstars. Die Firma von der Isle of Man hat derzeit angeblich im Rahmen eines "rechtlichen Gehörs" Gelegenheit, sich einer Verbannung vom deutschen Markt zu widersetzen. "Wir äußern uns nicht zu laufenden Verfahren", erklärt Pokerstars-Anwalt Wulf Hambach aus München, der mit seiner Kanzlei auf solche Auseinandersetzungen spezialisiert ist.

Es gehe um den Schutz der Bürger und der Allgemeinheit vor "schnellen, suchtfördernden Spielformen", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er ist sich mit seinen Kollegen aus den anderen Ländern weitgehend einig, hier einzuschreiten.

Niedersachsen ist für geplante Blockaden zuständig

Dass die Auslandsfirmen jahrelang prozessieren, auch sonst schwer zu greifen sind und sich bislang meist nicht an die Verbote halten, sondern munter weiter im Internet agieren, entmutigt Herrmann keineswegs. Ein "effektives Vorgehen" sei trotzdem möglich, glaubt Bayerns Innenminister, etwa durch ein Unterbinden der "Zahlungsströme". Das werde die Veranstalter von Online-Kasinos und anderen unerlaubten Angeboten im Kern treffen, meint Herrmann.

Zuständig für die geplante Blockade der Überweisungen von Spieleinsätzen ins Ausland, die mithilfe der Banken und Kreditkartenunternehmen durchgesetzt werden soll, ist das Land Niedersachsen. Das dortige Innenministerium hat eigens Experten angeheuert, um diese juristisch sehr umstrittene und technisch schwer machbare Maßnahme auch durchzusetzen.