SZ: Der Markt für Sicherheitsaufträge - also für Banknoten oder Passsysteme - von Regierungen und Zentralbanken ist weltweit hart umkämpft. Sie haben im vergangenen Jahr versucht, mit der Bundesdruckerei einen Ihrer größten Konkurrenten zu schlucken - vergeblich. Warum?
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Ottenberg: Wir haben es versucht, weil es eine interessante strategische Option war. Es hätte die Gelegenheit gegeben, einen Weltmarktführer zu schmieden und die Position beider Firmen am Weltmarkt zu stärken. Aber die Rahmenbedingungen dafür haben nicht gestimmt.
SZ: Weil Sie zu wenig zahlen wollten? Es heißt, Sie wollten 400 Millionen Euro bieten, der Treuhänder aber wollte fast eine Milliarde Euro haben.
Ottenberg: Zu unserem Gebot wurde viel spekuliert. Am Ende stand die Frage, was die Bundesdruckerei wert ist. Eine Übernahme um jeden Preis - das ist nicht unsere Strategie.
SZ: Nun kauft der Bund die Firma nach gescheiterter Privatisierung entnervt zurück. Ihr wichtigster Konkurrent wird damit zur Tochter Ihres wichtigsten Auftraggebers. Erwarten Sie fairen Wettbewerb?
Ottenberg: Es gibt sicher offene Fragen, was Wettbewerbssituation in Deutschland und im Ausland angeht. Wir werden uns sehr genau anschauen müssen, wie die Auftragsvergabe zum Beispiel für den elektronischen Personalausweis verläuft.
SZ: Schon jetzt scheint klar, dass die Bundesregierung später erneut versuchen wird, private Investoren für die Druckerei ins Boot zu holen. Starten Sie dann einen neuen Anlauf, oder sitzt der Frust zu tief?
Ottenberg: Mein Ego ist hier nicht gefragt. Für uns steht fest: Grundsätzlich ist die strategische Kombination beider Unternehmen sinnvoll. Sie ergänzen sich in Technologien und Märkten. Der Schritt wäre weiterhin möglich.
SZ: Ihr Prestigeprojekt elektronische Gesundheitskarte soll das Gesundheitswesen in Deutschland revolutionieren. Aber der Großauftrag stockt. Die Einführung war für 2007 angekündigt, jetzt ist von diesem Jahr die Rede. Wann kommt sie wirklich?
Ottenberg: Wir erwarten, dass das Projekt großflächig von Juli an startet.
SZ: Woher kommt die Verzögerung? Gab es technische Probleme?
Ottenberg: Nein, wir können sofort loslegen. Die Technologie ist einsatzbereit. Das Projekt muss nun endlich von allen Beteiligten durchgesetzt werden.
SZ: Gesetzliche Krankenkassen drohen noch immer mit Boykott, weil Ärzte nicht mitmachen wollen. Privatversicherer wehren sich, weil ihnen der gesetzliche Rahmen fehlt. Es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis 80 Millionen Deutsche die Karte in der Hand halten.
Ottenberg: Das Projekt wird von vielen Bedenken begleitet. Aber es wird bis zur zweiten Jahreshälfte eine Lösung geben. Da bin ich mir sicher. Dann halten die ersten Patienten die Karte in der Hand. Bis zum Jahresende werden wir dann sicher mehrere Millionen Karten ausliefern.
SZ: Vieles im Gesundheitswesen wird mit der Karte digitalisiert - bis zum Rezept. Ärzte warnen, ältere Patienten könne dass überfordern. Drohen nicht die nächsten Probleme in der Praxis?
Ottenberg: Es ist natürlich für ältere Patienten eine Herausforderung mit der neuen Technologie umzugehen. Aber es wird ein transparentes und sicheres , in dem zum Beispiel an Terminals in Apotheken Rezepte jederzeit abrufbar sind. Aber ich mache mir da keine Illusion. Wir werden sicher mit jeder neuen Funktion auch neue Diskussionen bekommen.
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(SZ vom 03.03.2009/tob)
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Zitat Ottenberg: "Nein, denn als Unternehmen, das für Staaten eine hoheitliche Aufgabe übernimmt, können wir nicht politisch handeln."
Daraus entnehme ich, für die Moral sind nicht wir als Giesecke & Devrient zuständig, sondern andere - hier die Politik. Wir führen nur Aufträge aus.
Mit solchen Argumenten sind schon ganze Völker ausgerottet worden - toll.
Mit dem gleichen Argument kann jeder Waffen in Krisengebiete liefern, bis ihn endlich mal die Politik stoppt - Schuld ist aber die Politik, denn sie hat den Waffenhändler zu spät gestoppt.
Genau das prägt das Bild des unmoralischen und raffgierigen Managers, den heute alle als Initiator der Krise verachten - der Mann hat es nicht begriffen.
Den Besitzer von Giesecke & Devrient kann man nur dringend raten ihren Geschäftsführer in Moral, Verantwortung und Ethik intensiv zu schulen. Ich hoffe er ist sein Geld wert und lernt.
Jede Handlung ist im politischen und vor allem moralischen Kontext zu sehen. Es gibt kein unpolitisches Handeln.
Was bei der Argumentation leicht vergessen wird: Auch sogenanntens "unpolitisches Handeln" ist poltisch und hat natürlich Konsequenzen in der politischen Sphäre.
Unternehmen agieren nicht in einem luftleeren Raum, sondern eingebettet in politische, soziale, historische etc. Konstellationen, die sie durch ihr "unpolitisches" Handeln zum Teil selber mitgeschaffen haben.
Es wäre ehrlicher zu sagen: Wir machen Geschäfte mit jedem, weil wir immer einen Fuß in der Tür haben wollen, egal um welche Regime es sich handelt. Es ist uns völlig egal, ob in den Ländern, mit denen wir Handel treiben, gefoltert etc. wird, Hauptsache unsere Bilanz stimmt. Genauso wird ja in der Regel auch verfahren. Gut, es existieren vielleicht einige Unternehmen, die anders handeln, sie dürften sich aber absolut in der Minderheit befinden.
Die Fakten ändern jedoch nichts daran, dass es in der Tat sehr wünschenswert wäre, wenn jeder, der in einem Unternehmen Verantwortung trägt, sich zu fragen, ob man wirklich jedes Geschäft auch abschließen muss, nur weil es so gewinnträchtig ist.
Ceterum censeo: Es gibt kein unpolitisches Handeln. Es gibt nur Menschen, die ein Interesse daran haben, dass ihr Handeln als unpolitisch wahrgenommen wird.
"Nochmal: Als UNTERNEHMEN können wir nicht politisch handeln."
Genau das scheint einem in jedem BWL, MBA etc. Studium beigebracht zu werden. Allein die Tatsache ein Unternehmen zu sein rechtfertigt jede Entscheidung.
Ein Mensch, Staat oder eine beliebig andere Vereinigung hat moralische Verpflichtungen, ein Wirtschaftliches Unternehmen jedoch NIEMALS.
Sieh an, sieh an.
Am letzten Samstag unter den Stellenangeboten der SZ, eine ganzseitige Anzeige der Fa. Giesecke&Devriant. Die Anzeige hat sich nicht an spezifische Bewerber gerichtet. Sie war wohl mehr ein Rundumschlag, um eventuell freiwerdendes Personal aus der IT- und Banken Branche, in Zeiten der Finanzkrise und der Rezession, günstig zu rekrutieren. Und heute gibt es schon ein Interview in eigener (Rechtfertigungs-Promotion) Sache in der SZ zu lesen. So unabhängig ist der Journalismus anscheinend auch nicht immer?
Paging