Gier nach iPads Apple lässt Kriminalitätsrate von NY steigen

Apple-Store in der New Yorker Fifth Avenue

(Foto: REUTERS)

New York wird immer sicherer. Doch insgesamt steigt die Kriminalitätsrate - weil Diebe neuerdings außerordentlich an kleinen, stylischen Elektronikgeräten interessiert sind.

Von Pia Ratzesberger

Aus dem Würgegriff allgegenwärtiger Gewalt hat sich New York befreit: Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Stadtteile No-go-Areas, brutale Kriminalität an der Tagesordnung. Heute ist die Metropole am Hudson River deutlich sicherer. Im November feierten die Behörden den ersten Tag seit langem ohne ein Gewaltverbrechen. Dieses Jahr wird die Mordrate auf weniger als 500 sinken - eine der niedrigsten in der Geschichte dieser Millionenstadt.

Dass die Kriminalitätsrate trotzdem um drei Prozent gestiegen ist, liegt an den kleinen, stylischen Geräten von Apple.

iPhone, iPad und Co. sind bei Dieben dermaßen begehrt, dass sie der Polizei die Statistik versauen. Sie trieben Zahl der schweren Diebstähle um neun Prozent in die Höhe. "Wenn es die Apple-Diebe nicht gäbe, würden wir einen Rückgang in der Kriminalitätsrate verzeichnen", sagte der Chef des New York Police Department, Ray Kelly. Ein Sprecher des NYPD bestätigte das gegenüber dem Wall Street Journal.

Von Januar bis September wurden in New York 11.447 Geräte gestohlen, ein Anstieg von 40 Prozent verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2011. Immer mehr Apple-Geräte werden gekauft, immer mehr werden geklaut - eine scheinbar einfache Rechnung. Schließlich verkaufte Apple im vergangenen Quartal 26 Prozent mehr iPads und 58 Prozent mehr iPhones als im Vorjahreszeitraum, entsprechendes Zubehör mitgezählt (PDF).

400 Dollar können Diebe beim Weiterverkauf eines geklauten Apple-Geräts verdienen. Doch für den rasanten Anstieg der Diebstähle sind wohl nicht nur die gesteigerten Verkaufszahlen, sondern auch das geschickte Marketing Apples verantwortlich. Das Unternehmen hat Kommunikationsgeräte zu Statussymbolen gemacht. Das weckt Begehrlichkeiten.

Und wenn Kriminelle etwas begehren, kann New York doch wieder eine brutale Stadt werden: Im Frühjahr machte in der Stadt der Mord an einem Koch Schlagzeilen. Räuber erschossen ihn, als er sein iPhone nicht herausrücken wollte. (Rolfe Winkler, Autor des Wall Street Journal, schildert in einem Artikel, wie ihm in der U-Bahn-Station der Kiefer gebrochen wurde, als er versuchte, einem Dieb das iPad seiner Begleitung wieder abzunehmen)

Die Apple-Hysterie macht also auch vor Gangstern nicht halt, die Polizei reagiert. Als Apple im September dieses Jahres sein neues iPhone 5 in die Läden brachte, sorgte das NYPD sogar schon vor. In 21 Geschäften in der ganzen Stadt registrierten Beamte die Seriennummern der neu verkauften Telefone und die dazugehörigen Kontaktdaten der Besitzer.

Nicht nur bei Ausnahme-Events wie einem Verkaufsstart rüstet die New Yorker Polizei gegen die Apple-Diebe auf: Mittlerweile gibt es zusätzliche Streifen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, dort finden die meisten Diebstähle statt. Die Beamten nutzen zudem immer öfter iPhone-Apps wie "Find my iPhone" bei den Ermittlungen. Diese Programme können per GPS die Geräte orten - wenn der Besitzer die App vor dem Klau installiert hat. "Das ist Teil einer umfassenden Strategie, die wir aufgestellt haben", sagte der Polizei-Chef Kelly.

New York ist nicht die einzige Metropole, die Apple-Produkte für gestiegene Kriminalitätsraten verantwortlich macht. Schon 2005 klagte der Chef der Londoner Polizei, dass die iPods zu mehr Raubüberfällen auf den Straßen führen würden: Vor allem die weißen Kopfhörer und die bunten Farben des MP3-Players ließen Diebe die Beute schon von weitem erkennen. In Deutschland scheint der Klau von Apple-Produkten bisher noch kein gravierendes Problem zu sein. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Kommunikations-Branchenverbandes Bitkom vom Juni dieses Jahres wurde 3,5 Millionen Deutschen schon einmal das Handy gestohlen - weniger als vor zwei Jahren.