GfK-Index Krise? Wir gehen shoppen

Das Jahr beginnt gut aus Sicht der Verbraucher. Der Schuldenkrise in einigen EU-Ländern zum Trotz sehen sie die deutsche Wirtschaft in guter Verfassung - und hoffen darauf, selbst stärker von der guten Entwicklung profitieren zu können.

Deutsche Verbraucher sind optimistisch ins neue Jahr gestartet und rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung. In Erwartung steigender Einkommen haben sich die Menschen zum Jahresauftakt auch wieder etwas kauffreudiger gezeigt, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bei der Veröffentlichung ihrer Konsumklimastudie für Januar.

Der Konsumklimaindex dürfte daher nach GfK-Einschätzung im Februar von 5,7 auf 5,9 Punkte steigen. Auch im laufenden Jahr werde der private Konsum eine wichtige Konjunkturstütze bleiben. Vor allem der Konjunkturoptimismus ist nach dem Ergebnis der GfK-Umfrage unter 2000 Verbrauchern wieder deutlich gewachsen.

Schuldenkrise womöglich aus dem Blick verloren

Die Konjunkturerwartung legte zum zweiten Mal in Folge zu. "Die deutschen Verbraucher stemmen sich weiter gegen zunehmende Konjunkturrisiken sowie die anhaltende Schuldenkrise im Euroraum", betont die GfK. Der anhand der Umfrage ermittelte entsprechende Indexwert kletterte von 0,9 im Dezember auf 7,5 im Januar.

Die GfK schließt allerdings nicht aus, dass manche Verbraucher über die Feiertage die Schuldenkrise vorübergehend aus dem Blick verloren haben. Im Sog der wachsenden Konjunkturzuversicht zeigten sich auch die Konsumenten kauffreudiger.

Die Anschaffungsneigung als einer von drei Konsumklima-Indikatoren könne ihre Verluste aus dem Vormonat mehr als kompensieren, berichtete die GfK. Der entsprechende Indikator kletterte um 14,4 auf nun 41,8 Punkte. Die Verbraucher haben außerdem weiter hohe Erwartungen im Hinblick auf ihre künftige Einkommenssituation. Trotz einer nur leichten Zunahme von 0,1 Punkten liege der entsprechende Indikator bei 34,1 Punkten.

Ausschlaggebend ist aus Sicht der GfK die gute Arbeitsmarktlage. Hinzukomme der zunehmende Fachkräftemangel; dies verstärke bei vielen Beschäftigten die Hoffnung, Unternehmen könnten bei Gehaltstarifverhandlungen künftig eher zu Zugeständnissen bereit sein.

Der private Konsum wird nach GfK-Prognosen neben dem Export auch im Jahr 2012 eine wichtige Konjunkturstütze bleiben. "Wir gehen davon aus, dass der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr bei 60 Prozent liegen dürfte", sagte GfK-Marktforscher Rolf Bürkl.

"Die Menschen stecken ihr Geld daher lieber in werthaltige Sachen"

Mit Prognosen zum Anteil des privaten Konsum am Wirtschaftswachstum will die GfK dagegen bis Februar warten. Die nahezu ungebremste Kauflust der Deutschen führt Bürkl vor allem auf die gute Arbeitsmarktlage zurück. Das Gefühl, vorerst nicht mit einem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen zu müssen, verschaffe vielen Bundesbürgern ein Stück Planungssicherheit.

Deshalb entschließen sie sich Bürkl zufolge verstärkt zu größeren Anschaffungen, die sie in unsicheren Zeiten eher zurückstellten. Hinzu käme die Sorge um die Geldwertstabilität. "Die Menschen stecken ihr Geld daher lieber in werthaltige Sachen." Von dem Anschaffungsboom profitierte neben der Immobilienbranche auch die Autoindustrie: "Die aktuellen Auto-Neuzulassungen liegen über dem Niveau vom Vorjahr", berichtet Bürkl.

Einen Schub erlebe auch die Möbelindustrie. Die Hersteller von großen Haushaltsgeräten profitierten wiederum vom Immobilien-Boom. "Auch Uhren und Schmuck - vor allem aus Gold, Silber und Platin - gehen gut". Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht sich angesichts der guten Verbraucherstimmung zum Jahresanfang in seinem Konjunkturoptimismus bestätigt. "Nachdem sich auch die Stimmung bei den Unternehmen wieder aufzuhellen beginnt, wird es immer wahrscheinlicher, dass Deutschland die gegenwärtige wirtschaftliche Schwächephase zügig hinter sich lässt und sich der Aufschwung fortsetzt", sagte Rösler laut Mitteilung am Donnerstag in Berlin.

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich vorerst eine Fortsetzung des Aufschwungs ab. Zwar dürfte nach Expertenberechnung die Zahl der Arbeitslosen im Januar saisonbedingt kräftig steigen - und zwar um 310 000 auf 3,09 Millionen. Ohne diese saisonalen Effekte wäre die Zahl der Erwerbslosen am Jahresanfang allerdings um rund 20 000 gesunken, berichteten Bankenvolkswirte und Konjunkturforscher in einer dpa-Umfrage. Der Arbeitsmarkt sei weiter intakt; die Lage werde sich möglicherweise in gleichem Tempo verbessern wie im Vorjahr. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Januar will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag (31. Januar) bekanntgeben.