Gewerkschaften greifen für Kampagnen wie bei AEG oder Nokia auch gerne auf Profis zurück - doch das allein reicht nicht.
Die Mülltonne leuchtet rot vor dem Haupttor des Nokia-Werks in Bochum, den Deckel weit aufgerissen. Der schlichte weiße Schriftzug "Mach mit" fordert auf, Nokia-Handys an Ort und Stelle in ihr zu versenken. Die Werbekampagne des finnischen Handy-Herstellers ("connecting people") ist auf den Seiten der Tonne in eine klare Botschaft umgemünzt: "Nokia - verarsching people". Kreativität, die der Wut und Verzweiflung der Belegschaft entsprungen ist oder den Diensten einer professionellen Agentur?
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"Wenn Menschen streiken oder gegen etwas protestieren, wie bei Nokia, muss man bei der Vermarktung sehr sensibel vorgehen. Da hilft keine Hau-den-Lukas-Mentalität", sagt Renate Remter, Geschäftsführerin der Werbeagentur Odeon Zwo. Sie hat schon einige Male Gewerkschaften professionell beraten - allerdings hauptsächlich im Rahmen von Image- und Werbekampagnen. Im Jahr 2006 wurde die Agentur dann erstmals von der IG Metall im Streikfall zu Rate gezogen. Die Gewerkschaft wollte den Konflikt um die geplante Schließung des AEG-Hausgerätewerks in Nürnberg durch den schwedischen Electrolux-Konzern deutschlandweit kommunizieren.
Wichtig sind die Menschen
In Bezug auf die zu dieser Zeit groß angelegte "Du bist Deutschland"-Kampagne der Bundesregierung zur Stärkung des deutschen Selbstbewusstseins, wurde der Streik unter das Motto "AEG ist Deutschland" gestellt. Allerdings sträubt sich Agenturchefin Remter, in Bezug auf ihren damaligen Auftrag von einer Kampagne zu sprechen: "Wir haben lediglich Vorschläge für Formulierungen gegeben. Die AEG-Belegschaft hat selbst entschieden, was sie sich auf die Banner schreiben will."
Auch der freie Journalist Rolf Famulla war während des AEG-Streiks für die IG Metall im Einsatz. Gemeinsam mit einem Kollegen unterstützte er die Gewerkschaft bei der klassischen Pressearbeit vor Ort. So gab er täglich eine Streikzeitung heraus und diente als Ansprechpartner für die Journalisten. "Die Belegschaft artikulierte ihren Protest mit unglaublicher Phantasie", erinnert er sich. "Es wurde gebastelt, gezeichnet - da waren echte Künstler am Werk. Diese Motivation bewirkte eine solche Solidarität in der Bevölkerung, da spielte die professionelle Beratung eigentlich keine wesentliche Rolle."
Große Gewerkschaften in Deutschland wie IG Metall und Verdi greifen nach eigenen Angaben schon lange auf die Unterstützung von Werbe- und Kommunikationsagenturen zurück. Allerdings betont eine IG-Metall-Sprecherin, dass sich seit dem vergangenen Jahr eine eigene Abteilung der Entwicklung von Kampagnen widmet. "Dabei geht es um Projekte zu speziellen Themen wie zum Beispiel Leiharbeit. Und natürlich auch um die Mitgliederwerbung", sagt sie. Agenturen setzt die IG Metall nur punktuell ein und zwar bei außergewöhnlichen Ereignissen wie beispielsweise vor zwei Jahren bei AEG. "Die Agenturen unterstützten uns dabei, unsere Forderungen und Positionen gestalterisch umzusetzen, zum Beispiel Plakate und Materialien zu layouten", so die Sprecherin.
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Na, "verarsching people" ist wohl alles andere als professionell. Denglisch-Kindergarten.