Ursula Engelen-Kefer ist Geschichte. Doch ihr Sturz endete für den Gewerkschaftsbund im Desaster. Statt mit einer schlagkräftigen neuen Führung in die Auseinandersetzungen um die anstehenden Reformen zu gehen, lähmt er sich durch neue Flügelkämpfe.
Sie hat gekämpft - und verloren. Lange hatte Ursula Engelen-Kefer mit sich gerungen, ob sie sich dem teilweise unanständigen Druck der Gewerkschaftsmänner unterwerfen und sich mit 62 Jahren aus der Spitze des Verbandes zurückziehen sollte. Sie hat geschwankt zwischen persönlicher Eitelkeit, Pflichtbewusstsein und dem Wunsch nach Nestwärme in der Organisation, die ihr Lebensaufgabe ist. Dass sie sich in eine offene Feldschlacht begab, die sie jetzt verloren hat, stärkt die demokratische Kultur in einer Massenorganisation, in der die Führer lieber autokratisch regieren.
Ursula Engelen-Kefer war 16 Jahre Vizechefin des DGB (© Foto: Reuters)
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Doch der vor allem von Jürgen Peters und Frank Bsirske, den Chefs der beiden großen Einzelgewerkschaften IG Metall und Verdi, eingefädelte Sturz Engelen-Kefers endete im Desaster. Die Delegierten präsentierten den beiden machtlüsternen Gewerkschaftsfürsten umgehend die Quittung, indem sie den Peters-Vertrauten Matecki im ersten Wahlgang durchfallen ließen. Statt mit einer schlagkräftigen neuen Führung in die schwierigen Auseinandersetzungen um die anstehenden Sozialreformen zu gehen, lähmt sich der ohnehin in die Defensive gedrängte DGB durch neue Flügelkämpfe.
Im Grunde ist es eine Selbstenthauptung des DGB - ausgerechnet jetzt, wo arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sachverstand gefragt wären. Gerade erst hat die Regierung ihren steuerpolitischen Dilettantismus bewiesen, als nächstes steht die Gesundheitsreform an. Engelen-Kefer ist weg, ihren Vorsitzenden Michael Sommer haben die Delegierten mit einem mäßigen Ergebnis bei der Wiederwahl politisch geschwächt, Peters und Bsirske stehen blamiert da. Wer gibt den Gewerkschaften künftig in der politischen Arena Gesicht und Gewicht?
(SZ vom 24.5.2006)