Im Getreidehandel herrscht trotz einer Rekordernte Flaute - schuld daran sind die Bauern. Sie spekulieren auf neue Spitzenpreise.
Ludwig Höchstetter hat es eilig. Der Getreidehändler wirft einen letzten Blick auf die Kurstabellen auf seinem Schreibtisch. Im Aufstehen greift er sein Jackett, das Telefon läutet. "Jetzt nicht, ich rufe zurück." Eigentlich müsste der 52-Jährige schon einen Stock tiefer sitzen, in einem der nüchternen Konferenzräume des Baywa-Konzerns.
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Die niedrigen Getreidepreise machen den Bauern Sorgen. (© Foto: ddp)
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Das Münchner Unternehmen gilt als einer der größten Agrarrohstoffhändler Deutschlands. Höchstetter ist seit vier Jahren für den Getreide- und Ölsaatenhandel mit einem Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro verantwortlich.
Unten warten sie schon auf den Chef. Knapp 20 Händler haben sich um einen langen Tisch versammelt. Die Kleiderordnung ist leger, Anzug und Krawatte trägt hier keiner. Es ist ein Morgen mitten im Hochsommer. Draußen auf dem Land ist die Ernte in vollem Gang. Die Männer in dem angenehm kühlen Raum wollen herausfinden, was die Ausbeute wert ist. Zweimal in der Woche treffen sie sich, um Kauf- und Verkaufsstrategien für die nächsten Tage zu erarbeiten.
Weltweit beste Ernte
Es gibt Neuigkeiten. Am Weizenmarkt zeichnet sich möglicherweise eine Wende ab. Alfred Reindl, zuständig für das Brotgetreide, berichtet über die Bewegungen an der Pariser Rohstoffbörse Matif. Sie ist der größte Umschlagplatz für Agrarerzeugnisse in Europa. "Die Kurse schießen nach oben. Es gibt Meldungen, dass Iran drei Millionen Tonnen Weizen kaufen will." - "Dreht sich der Trend?", fragt ein Kollege. Reindl verneint.
Die Euphorie des vergangenen Jahres an den Getreidemärkten ist verflogen. Noch vor wenigen Monaten erreichten die Preise den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Eine Tonne Weizen kostete im Herbst 260 Euro je Tonne, inzwischen sind es 170 Euro. Höchstetter rechnet damit, dass sich der Erzeugerpreis in den nächsten Monaten bei 150 Euro einpendeln wird. Grund dafür ist die weltweit beste Ernte seit mehreren Jahren.
Lesen sie auf der nächsten Seite über die Befindlichkeiten der Landwirte.
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Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Zitat:"Obwohl nur zehn Prozent der Produktion an Getreide über die Finanzmärkte abgesetzt werden, sind die Kursnotierungen dort maßgeblich für den Welthandel. Allein in Chicago werden im Jahr Mais- und Weizenkontrakte im Volumen von elf Milliarden Tonnen umgesetzt, das entspricht in etwa dem Achtfachen der weltweiten Jahresproduktion."
Genau das wollen wir auch am Lebensmittelsektor. Eine Abkoppelung von der Realität, damit die Zocker in aller Ruhe den nächsten Karren an die Wand fahren, dabei jede Menge Gewinnmaximierung betreiben und im Endeffekt den Steuerzahler dafür blechen lassen können.
Zitat:"Die Globalisierung hat den Getreidehandel in den vergangenen drei Jahren grundlegend verändert. "
Ja, wer wollte das den? Sicher nicht der Bauer der Jahrzehnte mit einem fixen (abhängig von der Ernte) rechnen konnte. Auch nicht der Konsument, dem es egal ist ob in China mehr Milch getrunken wird. Also wieder eine Minderheit, die auf schnelles Geld aus ist.
Danke liebe Politiker, die ihr der Globalisierung das Wort redet.
Früher kam der Getreidehändler nach der Ernte auf den Hof und schacherte mit dem Landwirt einen Preis aus. Heute surft der in vielen Bildschirmpokerrunden erprobte Bauer im Internet, checked die Börsen in Paris und Chicago. In dieser Pokerrunde ist der Einsatz seine Ernte.
Irgend wann geht er "all-in". Obs für ihn gut war, wird sich zeigen