Was für eine verheerende Debatte: Die Kopfpauschale ist das schwarze Loch der Gesundheitspolitik. Das Thema verschlingt nur Energie, doch die Probleme bleiben.
Die Menschen in Deutschland zahlen für ihre Krankenversicherung. Der überwiegende Teil ist bei einer gesetzlichen Kasse versichert, der kleinere bei einer privaten. Viele sorgen sich darum, ob sie oder ihre Angehörigen im Krankheitsfall die optimale Behandlung erhalten.
Viele spricht dafür, dass nach Einführung der Kopfpauschale das Monster erst richtig loslegt. (© Foto: AFP)
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Wer beim Arzt lange warten muss, ärgert sich. Alle, wirklich alle eint der Eindruck, dass sie zu viel zahlen. Wenig dürfte es die Leute hingegen kümmern, auf welche Art und Weise die Kassen jeden Monat an ihr Geld kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist sogar ziemlich groß, dass dieses Thema in ihrem Leben keine Rolle spielt. Es ist wie beim Straßenverkehr: Um ein Auto zu fahren, muss einen nicht unbedingt interessieren, wie der Sprit in den Vergaser kommt.
Und dennoch: Seit beinahe einem Jahrzehnt diskutieren Politiker, Kassenvertreter, Ärzte, Wissenschaftler und Patientenvertreter immer und immer wieder von neuem genau diese eine Frage: Wie kommen die Kassen an ihr Geld?
Denn nichts anderes ist die Debatte über die Kopfpauschale, die nun in eine neue Regierungskommission hineinverlagert wird.
Wie die vergangenen Wochen und Monate werden auch die jetzt kommenden begleitet sein von heftigem Streit der Koalitionspartner, weil die FDP die Kopfpauschale will, die CSU sie ablehnt und die CDU hilflos dazwischen steht. Die Opposition instrumentalisiert das Thema, um im nordrhein-westfälischen Wahlkampf zu punkten und kann sich dabei seit langer Zeit mal wieder der vollen Unterstützung der Gewerkschaften sicher sein. Denn nichts ist für Wahlkampfzwecke besser geeignet als ein Vorhaben, das kaum jemand versteht und sich deshalb prima diffamieren lässt.
Man kann von der Kopfpauschale halten, was man will. Man kann sie für gerechter halten, und man kann sie unfair finden. Eins aber ist sicher: Auch wenn sie kommt, wird das Gesundheitssystem weiterhin große Probleme haben. Sie sind erkannt, sie sind beschrieben, und sie werden von der Debatte um die Pauschale verdrängt. Die Pauschale ist ein Monster-Thema, das schwarze Loch der Gesundheitspolitik. Sie bindet Energie und Zeit, und sie nimmt den Politikern die Kraft, sich um Wichtigeres zu kümmern.
Niemand sollte denken, dies ändere sich, wenn die Regierungskommission zu einem Ergebnis kommt, wenn ein erschöpfter Minister Rösler nächtens verkündet, ja, wir haben den Einstieg in die Kopfpauschale beschlossen. Nein, vieles spricht dafür, dass das Monster dann erst richtig loslegt. Das hat zwei Gründe: Geld und Bürokratie. Mit dem Beschluss, die Pauschale einzuführen, schlüge die Stunde der Lobbyisten. Sie würden das neue System auf Hintertürchen abklopfen und die ausgefeiltesten Tricks ersinnen, um auch künftig einen üppigen Anteil am 180-Milliarden-Euro-Kuchen der gesetzlichen Kassen zu ergattern.
Zweitens wären mit dem Beschluss die praktischen Schwierigkeiten noch lange nicht ausgeräumt, die die Pauschale mit sich bringt.
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Lauter Gewäsch, Beispiel: Gerade erst wurde der unbestechliche Chef des Instituts für Arzneimittelbewertung Sawicki abberufen. Der Autor beklagt dagegen nicht genügend Forscher dort. Als ob es daran liegen würde...
Mehr erspare ich mir.
Richtig, wenn Sie aber regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, dann dürfen Sie auch regelmäßig zum Arzt rennen auch wenn Sie sonst keinerlei ärztliche Leistung in Anspruch nehmen. Darüber spricht man aber nicht. Da scheint in anderen Ländern anders zu sein.
Ich bin erstaunt darüber, dass der Durchschnittspatient 18 mal pro Jahr zum Arzt muss; interessant fände ich, die Gründe zu erfahren.
Weil ich ungern zum Arzt gehe (z.B. wegen der Wartezeit und weil der Termin meist mitten im Arbeitstag liegt) wäre mein Verbesserungsvorschlag ein Diagnoseprogramm (Expertensystem), mit dem ich meine Krankheit per Internet selbst diagnostizieren könnte (um z.B. zu entscheiden, ob es sich bei der Erkrankung um eine harmlose Erkältung oder um eine Grippe handelt, um Bauchschmerzen oder eine Blinddarmentzündung) und das bei einer harmlosen Erkrankung eine ungefährliche Medizin empfiehlt bzw. auch eine Empfehlung ausgibt, ob man noch zur Arbeit gehen kann oder lieber zuhause bleiben sollte.
Könnte nicht eine Chipkarte entwickelt werden, auf der Behandlungs- und Diagnosedaten nach dem Arztbesuch gespeichert werden könnten, die bei Arztwechsel der nächste behandelnde Arzt einsehen könnte, um z.B. Doppelbehandlungen zu vermeiden? Möglicherweise könnten diese Daten in der Apotheke verwendet werden, damit ein chronisch Kranker nicht jedes Vierteljahr zum Arzt gehen muss, um sich ein neues Rezept zu holen.
Ich gebe zu, bin glücklicherweise selten krank und medizinischer Laie, aber vielleicht könnten die Patienten im Brainstorming auch noch auf ein paar sinnvolle Verbesserungsvorschläge kommen; vielleicht könnten auch die Patienten etwas erreichen, wenn sie sich zusammentun würden - zahlenmäßig ist die Gruppe schließlich größer als die der Mitarbeiter im Gesundheitswesen.
In der Hoffnung, dass die Quelle hier veröffentlicht werden darf (bin kein Mitarbeiter des Verlags):
http://www.imedo.de/artikel/gesundheitswesen
Auf dieser Seite wird der Versuch unternommen, darzustellen, woher das Geld im Gesundheitswesen kommt und wofür es verwendet wird.
Außerdem interessant: Statistik-Daten, veröffentlicht vom Bundesministerium für Gesundheit:
http://www.bmg.bund.de/cln_169/nn_1168248/DE/Gesundheit/Statistiken/Daten-des-Gesundheitswesens.html
Die KV ist keine Gewerkschaft, sondern laut Gesetz für die Ärztl. Versorgung in ganz Deutschland verantwortlich. Die Abrechnung aller ärztlichen Leistungen erfolgt über die KVen, d.h. ein Teil der Krankenkassenbeiträge bleibt hier hängen. Informieren sie sich doch einmal, z.B.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kassenärztliche_Vereinigung
der Marburger Bund ist eine Art Gewerkschaft der Ärzte....
Paging