SZ: Aus ökonomischer Sicht ist die Lösung doch klar: Die USA gehen durch eine Reinigungskrise, und am Ende steht eine höhere volkswirtschaftliche Sparquote.
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Sennett: So funktioniert das nicht. Wir befinden uns in einer stagnierenden Wirtschaft, und das hat auf eine fundamentale Weise mit unserer Lebensweise zu tun. Wenn wir richtig nachmessen würden, wären die Menschen vermutlich schockiert, wie wenige in diesem Land wirklich vollbeschäftigt sind. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass es Einwanderern auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in der Regel besser geht als Einheimischen. Das hat zwei Gründe: Erstens sind die Konsummuster der Einwanderer anders, besonders in der ersten Generation. Sie versuchen zu sparen und sind noch nicht dieser Konsumkultur verfallen. Und fast durch alle Einwanderer-Gruppen hindurch legen die Neuankömmlinge auch mehr Wert auf den Erwerb von Fähigkeiten und Bildung als jene, die schon länger im Land leben. Klassische Beispiele sind etwa die Koreaner, die Kenianer, die Brasilianer und die Leute aus der Dominikanischen Republik.
SZ: Was sind die politischen Konsequenzen der von Ihnen beschriebenen Krise?
Sennett: Barack Obama fühlt sich in die Probleme hinein. Sein erster Instinkt war, sehr protektionistisch zu werden. Er hat noch kein sehr detailliertes Programm, um mit den Problemen umzugehen, jedenfalls soweit es über den rein finanziellen Aspekt der Krise hinausgeht. Aber die Leute in seiner Umgebung denken weiter. Obama hat ein exzellentes Wirtschaftsteam. Die Republikaner dagegen sind eine Partei der Phantasien. George Bush phantasierte über globale Kontrolle, McCains Phantasien haben mit Stärke als Charaktereigenschaft zu tun, seine Partnerin Sarah Palin träumt von der Rückkehr zur heilen Welt der amerikanischen Kleinstädte. Für mich ist sie eine dekadente Figur. Wenn die Republikaner die Wahl gewinnen, wird sich die Krise vermutlich noch verschärfen. Obama weiß noch nicht genau, was er tun soll, aber er ist Realist. Und er hat unzählige junge Leute mobilisiert, die alle wissen, dass sich das Land ändern muss. Ich hoffe nur, dass er gewählt wird.
SZ: Im Januar hielten Sie es noch für unmöglich, dass er überhaupt nominiert wird.
Sennett: Ich hatte gefürchtet, dass der immer noch vorhandene Rassismus in den USA dies verhindern würde, und bin jetzt sehr froh, mich geirrt zu haben.
SZ: Angenommen Obama wird gewählt und er engagiert Sie als Berater - was würden Sie ihm raten?
Sennett: An erster Stelle würde ich sagen: Geben Sie mehr Geld für die Schulen aus, das ist die einzige Zukunft, die wir haben. Im vergangenen Jahr gaben unsere Schuldistrikte 600-mal mehr für Sport aus als für Naturwissenschaften - können Sie sich das vorstellen?
SZ: Was genau ist falsch im Bildungssystem? Die ganze Welt beneidet die USA um ihre großen Universitäten.
Sennett: Die Elite-Universitäten sind in der Tat hervorragend, aber das sind nur ungefähr hundert. Wenn Sie eine Stufe niedriger gehen, gibt es nichts mehr zu beneiden. Das ist überall so: Oben ist Amerika spitze, aber die große Masse der Gesellschaft droht zu scheitern. Harvard ist ein Traum, der ist aber nur für ganz wenige erreichbar. Für die anderen gibt es nichts Vergleichbares. Der größte Mythos über Amerika ist der von der klassenlosen Gesellschaft.
SZ: In Amerika sind die Unterschiede vielleicht größer als in Europa, aber es gibt viele Menschen, die sehr schnell von ganz unten nach ganz oben kommen.
Sennett: Das sind die Leute, die Sie treffen, weil sie in den entsprechenden Kreisen verkehren. Aber die soziale Mobilität ist in den USA seit den siebziger Jahren gesunken. Es kommt nicht darauf an, ob jemand, der in Armut geboren ist, nach Harvard geht. Worauf es ankommt ist, ob es viele Leute aus der Armut in die untere Mittelschicht schaffen. Das alte Muster, dass jede Generation einen gewissen Aufstieg erwarten kann, funktioniert nicht mehr.
SZ: Und woran liegt das?
Sennett: Dafür gibt es viele Gründe, das Bildungssystem, aber auch die Starrheit vieler amerikanischer Institutionen. In normalen US-Firmen geht es nicht zu wie bei Google. Und dann der Staat: Für viele Schwarze in New York begann der soziale Aufstieg über eine Anstellung im öffentlichen Dienst. Jetzt schrumpft dieser öffentliche Dienst und eine junge Frau, die früher Sekretärin bei der Stadt geworden wäre, findet nur noch einen sehr schlechten Job.
Lesen Sie weiter, warum Deutschland für die USA Vorbild sein kann.
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Linke mit neuer Führung
Gratulation, das Interview und die Einschaetzung der Lage sind grossartig.
Insbesondere gleich am Anfang weist der Prof. auf die naechste hausge-machte Krise der USA hin (wenn es den leuten nicht gut geht, gehen sie einkaufen) - naemlich die Kreditkarten-Blase. Wohl auch deshalb hat die Regierung der AIG geholfen, denn die Mehrzahl der Kre4ditkarten-COMPANIES SIND BEI DER AIG VERSICHERT. wENN diese GElder eingefordert werden wuerde, waere Amerika auch praktisch Pleite!!!!!
Aber dann hat sich der Prof leider selbst widersprochen, wenn er ueber die Deutschen
lamentiert und sagt, dass er sich aufrege, wenn die Deutschen von der "Dummheit" der Amerikaner reden - die Amis seien nicht duemmer, sie wuerden nur nicht von ihren
Firmen weitergebildet. Ja sind denn diese Unternehmer keine AMis und deshalb auch dumm, weil sie sich nicht nur nicht selber sondern auch ihre Angestellte ueber CNN, Fox und Soap Opern und AMerican Idol und sex and crime and sex in the cities weiterbilden!!!!???
Es ist doch so (und in den letzten Jahren nur marginal besser geworden) dass in denFERNSEHNEWS in den USA stundelang ueber den Mord an der Ecke und den Unfall im DORF live berichtet wird, aber man fuer Weltnachrichten nur drei Minuten Zeit hat.
Das ist die Bildfung, die der Amerikaner forgesetzt bekommt und deshalb ist er - bis auf die Spitze - dumm.
Aber trotzdem grosses Dankescvhoen, vor allem deshalb, dass er die Palin als dekadent bezeichnet. Davior ziehe ich den Hut.
Mit besten Gruessen
Ulrich Blankenhorn zur Zeit in Sofia
ne
Ich wünschte mir, von diesem Interview gäbe es ein Video, mit Nahaufnahmen auf das Gesicht von Herrn Piper bei den Antworten von Sennet.
Womit hat man Herrn Piper eigentlich erpreßt? Denn freiwillig wird er das Interview wohl kaum geführt haben, oder?
Amerikas Niedergang ist darin zu suchen, daß in den letzten Jahrzehnten eine Generation von Managern auf die Menschheit losgelassen worden ist, die von der Mentalität geprägt oder noch schlimmer gesagt, erzogen wurden...
I'm the boss!
I'm the King!
Plrobleme!?
Guy, there is "No Problem"!
Es fehlt in dieser Kette eigentlich nur noch...
I'm the messias!
Es war und ist diesen Menschen gegenüber unmöglich alles in der Realität zu diskutieren (gewesen)... Die Schlimmsten Vorhersagen werden/wurden als Pessimismus dahingestempelt und um die rosarote Brille auf der Nase zu behalten wurden/werden den Menschen so viel Optimismus hineingeredet, daß man sagen muß, die Balken haben sich zum Tode gelacht, gebogen... Ein Ding noch... Die Ingenieure werden/wurden in USA und GB vor allem permanent aus den Entscheidungsgremien ausgeschlossen und als Vasallen der Finanz- und Controlling-Abteilung degradiert... Niemand hat die heilige Versprechung des Kapitalismus "Team, Teamgeist", obwohl in den Vorstellungsgesprächen so oft mißbraucht, danach in den Mülleimer geschmissen hat, wenn nicht schon am Tisch vergessen... Als das glänzende Beispiel hierfür kann die momentane Situation der Amerikanischen Automobilindustrie herangezogen werden... Über Jahre hinweg unzutreffende Prognosen aus den Marketing und Marktforschungsabteilungen, Ingenieure von der Purchase und Controlling Abteilung gegängelt und für Kundenzufriedenheit technisch Machbare aus Finanz-Gründen abgelehnt, bis die Produkte nicht nur weltweit sondern auch in USA und GB etc. in den Heimatmärkten Konkurrenzfähig waren und zum Teil vom Markt verschwunden sind. Es wurde ein quasi Traumwelt für die kollegen aus "Finance, Marketing und Controlling" aufgebaut... Nun aber... Die Nomenkletura scheint nichts wach zu werden und dazuzulernen... Es werden weiterhin Milliarden Ohne Gegenwert gedruckt und in den Markt geschmissen... Folge...??? Nach der oben beschriebenen Mentalität!? Welche!?? Alles ist doch in Ordnung! Ich meine sogar, daß mittlerweile sich ein Konglomerat gebildet hat, die Ihren eigenen "Status-quo" retten möchte, in dem es den sogar berechtigten Zweiflern selber Status-quo-Haltung unterstellt... Schlimmer noch... Die Globalisierung zum Banner gemacht, sofort jeden zermalmt, der es hinterfragen möchte... Was Du bist gegen Globalisierung??? Dabei geht's meistens um die Sklavenarbeit in den Bananenstaaten und Diktaturen (China), die für einen Bruchteil der Kosten arbeiten müssen... Weiter so!???
Ja, da geht er hin der "American way of Life" und kiener will so Recht wahr haben das dieser angeschlagene Riese gefährlicher ist denn je. Leider ist man in den USA nicht bereit Probleme "vor Ort" zu bekämpfen, sondern sucht sein Heil und die Schuld in der restlichen Welt.
Eine selbstinszenierte Krise die nur einen Zweck hat, einene Weg einzuschlagen der nicht nur das Leben der Amerikaner verändern wird, sondern auch das anderer Länder, nachhaltig. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht - aber ein Positives hat diese ganze Sache, es war nie günstiger in den USA Urlaub zu machen als Heute!
Die Gefahr sehe ich ebenso, daß die USA durch ein Tabula Rasa der Welt sein "American Way of Life" aufzudrücken versucht. Mit Endscheidend für so ein Szenario wird die Positionierung Europas und insbesondere Englands sein. Darum empfinde ich es als so wichtig, daß sich Europa endlich emanzipiert und seinen eigenen Weg findet.
Solange sich einzelne europäische Nationen von diversen Machtblöcken gegeneinander ausspielen lassen, wird Europa auf der politischen Landkarte jedoch kaum eine Rolle spielen. Insbesondere jedoch nicht als Gegengewicht und/oder Stabilisator der USA.
Paging