Geschönter Armutsbericht der Regierung Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt

Ungleichkeit und Niedriglöhne sind ein Teil der Wirklichkeit in Deutschland. Doch der FDP, angeführt von Parteichef Rösler, ging so viel Offenheit offensichtlich zu weit. Zwar dürfen sich Erfolge auf dem Arbeitsmarkt durchaus in einem Regierungsbericht widerspiegeln. Das darf aber nicht dazu führen, Wähler für dumm zu verkaufen.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner, Berlin

Um ein paar harmlose Sätze geht es: "Die Privatvermögen sind in Deutschland sehr ungleich verteilt." Oder: "Allerdings arbeiteten im Jahr 2010 in Deutschland knapp über vier Millionen Menschen für einen Bruttostundenlohn von unter sieben Euro."

Das ist ein Teil der Wirklichkeit in Deutschland. Trotzdem sind sie in der Endfassung des Armuts- und Reichtumsberichts gestrichen. Der FDP, angeführt von Parteichef Philipp Rösler, ging so viel Offenheit ganz offensichtlich zu weit. Das zeigt: Die Liberalen müssen noch viel lernen, wenn sie wirklich sozialer werden wollen.

Gewiss, Deutschland geht es im Vergleich zu anderen Industrienationen sehr gut. Noch nie hatten so viele Menschen Arbeit. Der Niedriglohnsektor ist zuletzt nicht mehr gewachsen. Für Leiharbeiter gibt es in einigen Branchen Zuschläge.

Solche Erfolge können sich in einem Regierungsbericht widerspiegeln. Das darf aber nicht dazu führen, Wähler für dumm zu verkaufen. Es bleibt eine peinliche Schönfärberei, wenn an den Aussagen über die weniger schönen Seiten des Landes so lange herumgefeilt wird, bis die Lage harmloser dargestellt wird, als sie ist.

Die FDP hat gerade Lohnuntergrenzen für sich entdeckt. Lange genug hat es gedauert. Von der Erkenntnis, dass es in der Bundesrepublik einige wenige gibt, die sehr viel haben und davon ein bisschen mehr abgeben könnten, scheint die Partei allerdings noch weit entfernt zu sein.