Geschönte Umfrage-Zahlen ADAC: Weder "goldener Handschlag" noch Abfindung für Ramstetter

Auf Nachfrage soll Michael Ramstetter eingeräumt haben, die veröffentlichten Zahlen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen auch in anderen Jahren weitgehend frei erfunden zu haben. Und tatsächlich fällt auf: Die Beteiligung an der Umfrage blieb von 2006 bis 2014 auf konstant hohem Niveau. Es erscheint als wahrscheinlich, dass alle diese Jahre von der Manipulation betroffen sind. "Wir haben eine umfassende interne Revision eingeleitet, die auch die Abstimmungen in den vergangenen Jahren bis ins letzte Detail überprüft", sagte Obermair.

Die Trennung von Ramstetter war schließlich am Samstagmittag unter Dach und Fach. Der ADAC erklärte in einer Mitteilung, der Kommunikationschef habe "die alleinige persönliche Verantwortung" übernommen und "mit sofortiger Wirkung" alle Posten beim ADAC niedergelegt. Was das konkret heißt, ist unklar. Über die Konditionen der Trennung wurde Stillschweigen vereinbart. "Es gibt keinen goldenen Handschlag für Herrn Ramstetter, und es wird ihm keine Abfindung bezahlt", sagte Obermair zur SZ. Zwei Sachen sind ihm außerdem besonders wichtig. Zum einen seien weder Präsidium noch Geschäftsführung über diese Dinge im Bild gewesen, zum anderen habe Ramstetter zwar die Gesamtzahlen geschönt, nicht jedoch die Rangfolge der Gewinner verändert. Zumindest für die beiden zurückliegenden Jahre deckt sich dies mit den ADAC-internen Unterlagen, die der SZ vorliegen. Gleichzeitig halten sich aber seit Jahren in verschiedenen Abteilungen des Verbandes Gerüchte, bei der Abstimmung zum "Lieblingsauto der Deutschen" habe nicht immer das Auto mit den meisten Stimmen am Ende auch gewonnen.

Den ADAC wird die Angelegenheit noch länger begleiten

Aber wie konnten diese Fälschungen über Jahre hinweg unbemerkt bleiben? ADAC-Geschäftsführer Obermair sagt, Ramstetter habe dafür gesorgt, dass er allein Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe. So habe niemand außer Ramstetter ein genaues Bild gehabt.

Den ADAC wird die Angelegenheit noch länger begleiten. Schon fordern erste Experten, alle ADAC-Tests kritisch zu untersuchen. So sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen: "Wenn sie beim ,Gelben Engel' lügen, kann man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen."