Geschenke für Aufsichtsratmitglieder Thyssen-Krupp soll Gewerkschafter zu Luxusreisen eingeladen haben

Aufsichtsräte bei Thyssen-Krupp sollen vom Unternehmen zu teuren Reisen eingeladen worden sein.

(Foto: AFP)

Erste-Klasse-Flüge, ein Ausflug auf den Zuckerhut oder eine Loge beim Formel-1-Rennen in Shanghai: Beim krisengeschüttelten Konzern Thyssen-Krupp sollen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat besonders nett behandelt worden sein. Ein Betroffener hat bereits Konsequenzen gezogen.

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp soll Gewerkschafter mit besonderen Vorzügen milde gestimmt haben: Mehrfach sollen Vertreter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat zu teuren Reisen eingeladen worden sein, berichtet das Handelsblatt. Aus internen Unterlagen gehe hervor, dass die Aufsichtsräte beispielsweise nach Asien, Brasilien oder Kuba geflogen sind - erster Klasse.

Zudem sollen die Reisen nicht immer geschäftlichen Zwecken gedient haben. So sei bei einer Brasilienreise auch ein Ausflug zum Zuckerhut unternommen worden. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Bertin Eichler habe ein Formel-1-Rennen in Shanghai in der vom Unternehmen gemieteten Loge verfolgt.

Eichler zeigte bereits Reue. "Aus heutiger Sicht ist es sinnvoll, diese Praxis zu überprüfen", sagte er dem Handelsblatt. Damals sei das aber so üblich gewesen bei Thyssen-Krupp. Dennoch zog Eichler nun Konsequenzen aus der Affäre: Als Reaktion auf den Bericht kündigte er seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium an. Er werde bei der 2013 anstehenden Wahl der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren, teilte Eichler über die IG Metall mit.

Die Differenz der Kosten zwischen Erster-Klasse- und Business-Class-Flügen wolle er dem Konzern erstatten. Es sei nicht alles richtig, was zulässig sei und üblich war. Er habe in neun Jahren Aufsichtsratstätigkeit aus dienstlichen Gründen an fünf Reisen von ThyssenKrupp teilgenommen, darunter nach China, Thailand, Kuba und in die USA, sagte Eichler. "Den Vorwurf, durch diese Reisen sei meine Aufsichtsratstätigkeit vom Unternehmen beeinflusst worden, weise ich entschieden zurück."

Schadensersatzforderungen gegen das Schienenkartell

Der Neuanfang hat bei Thyssen-Krupp nach eigenen Aussagen bereits begonnen. Milliardenverluste, Korruption und illegale Preisabsprachen - Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte zuletzt versprochen, er wolle "nichts beschönigen". In der Vergangenheit sei "sehr viel schiefgelaufen".

Wegen hoher Abschreibungen auf Stahlwerke in den USA und in Brasilien meldete das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011/2012 ein Minus von fünf Milliarden Euro. Thyssen-Krupp war Teil des sogenannten Schienenkartells, das sich über illegale Absprachen bei Schienenverkäufen Vorteile verschafft hat. Im Frühjahr 2011 waren die Machenschaften aufgeflogen. Die Deutsche Bahn fordert Schadensersatz in Höhe von 750 Millionen Euro von den beteiligten Unternehmen, weil sie überhöhte Preise gezahlt hatte.

Doch nicht nur die Bahn war Opfer der Preisabsprachen: Auch städtische Verkehrsgesellschaften sollen die Unternehmen betrogen haben. Das Bundeskartellamt in Bonn und die Essener Staatsanwaltschaft ermitteln bereits seit zwei Jahren - auch in diesem Fall muss Thyssen-Krupp mit Schadensersatzforderungen rechnen.

Vorstandschef Hiesinger, der das Amt im Januar übernommen hatte, möchte einen Kulturwechsel für sein Unternehmen. Drei hochrangige Manager mussten den Konzern bereits verlassen - doch auch der Aufsichtsrat steht in der Kritik. In der kommenden Woche findet die Hauptversammlung von Thyssen-Krupp statt: Einige Aktionärsvertreter haben bereits angekündigt, die Aufseher wegen mangelnder Kontrolle nicht entlasten zu wollen.