Die Zahl der Geringverdiener wächst hierzulande schneller als in allen anderen Industriestaaten. Darum braucht Deutschland einen Mindestlohn.
In diesem Jahr hat Deutschland gute Chancen, zweimal Weltmeister zu werden: bei den Exporten - und bei den Arbeitsplätzen für Geringverdiener. In keinem Industrieland der Welt wächst die Zahl der Niedriglohn-Empfänger so schnell wie in der Bundesrepublik.
In Deutschland könnte die Untergrenze für Löhne bei 4,50 bis fünf Euro liegen (© Foto: AP)
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Immer mehr Menschen erhalten fünf, vier oder gar noch weniger Euro pro Stunde. Selbst in Zeiten des Aufschwungs ist die Zahl derjenigen gestiegen, die trotz eines Vollzeitjobs nicht genug verdienen, um davon leben zu können. Deutschland braucht deshalb einen gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn.
Das Niveau entscheidet
Für viele Unternehmen und Ökonomen ist eine einheitliche Lohnuntergrenze ein Graus. Sie fürchten um ihre Gewinne oder den Verlust von Arbeitsplätzen - und das nicht zu Unrecht. Erfahrungen aus dem Ausland und zahlreiche Studien zu dem Thema legen den Schluss nahe, dass ein zu hoher Mindestlohn Arbeitsplätze kosten könnte.
Es kommt deshalb darauf an, auf welchem Niveau die Lohnuntergrenze angesetzt wird. Ein Mindestlohn sollte Ausbeutung verhindern. Er muss so attraktiv sein, dass es lohnender ist zu arbeiten als nicht zu arbeiten. Aber er darf nicht so hoch sein, dass er die Schwarzarbeit oder das Auslagern von Jobs ins Ausland fördert. Wer keine Arbeit hat, dem nützen hohe Löhne nichts.
Mit einem bundesweiten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde, wie ihn Gewerkschaften und Sozialdemokraten fordern, wäre deshalb denjenigen, die eine solche Untergrenze schützen soll, nicht geholfen. Die 7,50 Euro würden wahrscheinlich Arbeitsplätze vernichten. Die SPD braucht aber einen so hohen Betrag im Wahlkampf, weil sie sonst gegen die sozialpopulistische Linke nicht punkten kann.
Einheitliche Untergrenze
Welche Höhe wäre also angemessen? In Deutschland dürfte diese Untergrenze bei 4,50 bis fünf Euro liegen. Dieser Betrag könnte dann im Laufe der Zeit - so wie in Großbritannien - schrittweise erhöht werden.
Von einem einheitlichen Mindestlohn ist die Bundesregierung derzeit jedoch weit entfernt. Weil vor allem die Wirtschaftspolitiker in der Union strikt dagegen sind, verhandelt eine Koalitionsrunde nur über einen Flickenteppich von Mindestlöhnen: Wenn die Tarifparteien zustimmen, wird es in einzelnen Branchen Lohnuntergrenzen geben. Dann werden Mindestlöhne zunächst einmal nur da umgesetzt, wo die Gewerkschaften ohnehin schon stark sind. Die Schwächsten profitieren davon nicht.
Besser wäre eine einheitliche Lohnuntergrenze, auch wenn man sich davon nicht zu viel erwarten sollte: Auch in den Ländern, in denen es solche Schranken gibt, ist Armut verbreitet.
Ein Mindestlohn hilft aber, die schlimmsten Exzesse von vorneherein zu verhindern, wie etwa in jener Wuppertaler Zeitarbeitsfirma, die ihren Mitarbeitern 2,71 Euro die Stunde zahlt und deshalb gerade angezeigt wurde. Insgesamt würde mehr als eine Million Menschen davon profitieren. Das ist besser als nichts.
(SZ vom 05.12.2008/hgn)
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Mir scheint, dass wir uns volkswirtschaftlich in einer Umbruchsituation zu einer Dienstleistungsgesellschaft befinden.
Die Werkhallen leeren sich durch Automatisierung und Arbeit wandert
in Billiglohn-Länder ab.
Gleichzeitig verstärkt sich der Bauch der Alterspyramide.
Dieser Umbruch trifft auf ein Steuer und Abgabensystem, das Arbeit unverhälnismäßig
hoch belastet, die in den Kernbereichen der Industrie durch Automatisierung und Auslagerung immer weniger wird.
Die Politik verfolgt Konzepte, die eher an die Zeiten der Industriealisierung und den Nachkreigsaufbau ( Abwrackprämie) erinnern und hemmt durch Überbürokatisierung die Fexibilität, die eine Dienstleistungsgesellschaft benötigen würde.
Aus dieser "Denke" wurde ebenfalls seit Jahren das Bildungssystem vernachlässigt,
da man ja "am Hochofen" kein Abitur benötigt.
Jedoch eine gute Ausbildung in einer Dienstleistunggesellschaft!
Was nun in Richtung Mindestlohn.
Er wäre in dieser Situation wahrscheinlich angebracht.
Aber, Beispiel England.
Als der Mindestlohn eingeführt wurde, konnte man den Preissteigerungen von einem Tag auf den anderen zusehen.
Wenn wir bereit sind die gleiche Erfahrung zu machen, wohl denn!
Aber es müsste den Bürgern gesagt werden, denn die letzte Erfahrung mit der
Euro- Einführung hallt noch nach.
Eine Dienstleistungsgesellschaft entsteht.
Diese Umbruchsituatio
"Fürchten die nicht den Volkszorn? "
In Deutschland musste noch nie ein Potentat oder eine Clique von Krisengewinnlern und Profiteuren den Volkszorn fürchten. Bevor der deutsche Michel eine Revolution anfängt, wartet er erstmal auf den Erlaß eines entsprechenden Revolutionsgesetzes incl. dazugehöriger Revolutionsdurchführungsverordnungen.
In Deutschland gehen lieber die verschiedenen Gruppen der sozial Deklassierten - gelenkt durch eine geschickte MeinungsBILDung - aufeinander los und der "fleissige" Habenichts tritt lieber nach dem angeblich "faulen" Habnichts, als sich mit eben diesem gegen seine Ausbeuter zu solidarisieren.
Ich empfinde den Beitrag als Doppelschlag ins Gesicht. 5 Mindestlohn ist der erste; das ganze dann auch noch als sozial auszugeben ist der zweite. Für 5 würde Herr Öchsner vermutlich noch nicht mal seinen Bleistift anspitzen!
Armes, reiches Deutschland! Milliardäre werden immer reicher und müssen sogar Steuern hinterziehen! Sie wie der Schrauben-Milliardär Würth - und wenn er dann erwischt wird und bestraft mit einer Peanuts-Busse, dann ist er so böse, dass er das böse Deutschland für immer verlassen muß.
Ich schäme mich zutiefst für all diese Heuchelei und dass Mindestlöhne von 2,71 hierzulande bezahlt werden!
Ja, ich schäme mich Deutscher zu sein!
das die linken und die rechten schon im den Startlöcher stehen.
Paging