Wenn die Geschäftsbeziehung vor Gericht endet: Der Klinik-Betreiber Ulrich Marseille streitet sich vor Gericht mit dem gescheiterten Unternehmer Lars Windhorst um Millionen Euro.
Im letzten Moment sei er den Feldjägern durch den Hinterausgang entkommen, habe Lars Windhorst ihm erzählt. Der Hamburger Klinik-Unternehmer Ulrich Marseille erinnert sich noch gut, wie nervös Windhorst war aus Angst, bald das Leben als Konzernchef aufgeben und zum Drill in eine Bundeswehrkaserne einrücken zu müssen.
Da war die Welt noch in Ordnung: 1997 präsentierte der Jungunternehmer Lars Windhorst den Junior-Computer "Egon". (© Foto: dpa)
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Umso erstaunter sei er, Marseille, wenige Tage später gewesen, als Windhorst ihm erklärt habe, die Sache sei endgültig erledigt. Ein prominenter Freund aus der Politik habe seine Beziehungen spielen lassen. Marseille nennt auch den Namen des angeblich hilfreichen Gönners und sagt, der Vorgang sei "ein Beweis für Windhorsts hervorragende Verbindungen in höchste Kreise."
In diesen Kreisen, in der Spitze der deutschen Politik, vermutet Marseille auch die Bremser, die dafür sorgen würden, dass sich die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft gegen seinen früheren Geschäftspartner Windhorst dahinschleppten.
In dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 5 Wi Js 1160/03 geht es um den Verdacht des schweren Betrugs. Zehn Millionen Euro hat Marseille, der eine der größten privaten Ketten mit Kliniken, Senioren-, Pflege- und Reha-Einrichtungen in Deutschland betreibt, dem Jungunternehmer geliehen und größtenteils nicht zurückerhalten. "Ich glaube, dass ihn irgendwer schützt", sagt Marseille.
Steiler Aufstieg und steiler Fall
Windhorst selbst äußert sich nicht. Der 30-Jährige ist nicht irgendwer. Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnete ihn einst als "Wunderkind" und Vorbild für alle Deutschen. Er nahm den Sohn eines westfälischen Schreibwarenhändlers mit auf Staatsbesuche nach China und Vietnam. Der noch minderjährige Windhorst reiste im Tross mit Managern wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer.
Windhorst hat seine erste Firma bereits mit 14 Jahren gegründet. So steil wie der Aufstieg war auch der Fall. Die Firmengruppe gibt es nicht mehr. Seit Ende 2003 ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Windhorst und einen mutmaßlichen Gehilfen wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Marseille hatte ihn angezeigt.
Ein Ende der Untersuchungen ist nicht abzusehen. Hält also tatsächlich jemand seine schützende Hand über Windhorst? Ein Sprecher der Anklagebehörde widerspricht dieser Vermutung. Das Verfahren dauere so lange, weil man auch im Ausland ermittle.
Allerdings existiert im Fall Windhorst bereits seit dem 17. Juni 2005 ein internes Gutachten der Staatsanwaltschaft, das Windhorst schwer belastet. Auf 135 Seiten hat die Wirtschaftsreferentin der Anklagebehörde Zeugenaussagen und Unterlagen ausgewertet, die bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt wurden.
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