Geplante Übernahme US-Konkurrent erwägt Gegenangebot für Londoner Börse

  • Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) erwägen einen Zusammenschluss.
  • Nun denkt auch die US-Börse Intercontinental Exchange über ein Angebot für die LSE nach. Beobachter stellen sich auf ein Bietergefecht ein.
Von Markus Zydra, Frankfurt

Die amerikanische Börse Intercontinental Exchange (ICE) könnte die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) zu einer Bieterschlacht machen. Der US-Rivale erwäge, ein Angebot für die LSE zu machen, wie die ICE am Dienstag mitteilte. Auch wenn es nach Angaben der US-Börse noch keine Gespräche gibt, dürfte die Meldung bei den Deutschen für Unmut sorgen. In der Vergangenheit versuchten die Amerikaner immer wieder, Börsenfusionen der Frankfurter zu torpedieren - zuletzt im Jahr 2011.

Damals wollte die Deutsche Börse die New Yorker Börse NYSE Euronext übernehmen. Doch die ICE funkte zusammen mit der Börse Nasdaq dazwischen und unterbreitete ein Gegenangebot. Nachdem die EU-Kommission den Deal der Deutschen aus Wettbewerbsgründen untersagte, schluckte die ICE die New Yorker Börse im Jahr 2012 schließlich. Schon im November 2006 hatte die Deutsche Börse die damals noch eigenständige europäische Mehrländerbörse Euronext übernehmen wollen. Damals vermasselte die NYSE den Deutschen das Geschäft.

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Die Finanzmärkte spekulieren jetzt: "Ein Gegenangebot der ICE könnte die Deutsche Börse in Zugzwang bringen, ihre eigene Offerte aufzustocken", sagte ein Börsianer. Die Deutsche Börse wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Nach dem britischen Übernahmegesetz müssen die Deutschen in den kommenden Wochen ihre Pläne mit einem offiziellen Angebot untermauern. Bis spätestens 22. März muss nach britischem Recht entweder ein bindendes Angebot gemacht oder der Deal vorerst abgeblasen werden. Eine ähnliche Frist gilt auch für ein mögliches Angebot der ICE. Die Aktie der Deutschen Börse gewann am Vormittag in einem freundlichen Markt gut ein Prozent. Die Papiere der LSE zogen in Erwartung eines Bietergefechts stark an und legten um fast acht Prozent zu. Zwischenzeitlich erklommen sie sogar ein Rekordhoch bei mehr als 2900 Pence.

Die Deutsche Börse versucht nach 2000 und 2005 zum dritten Mal, die LSE zu übernehmen. Die Aktionäre beider Konzerne sollen ihre bisherigen Anteile in Papiere einer neuen Holding tauschen, an der die Deutschen mit 54,4 Prozent die Mehrheit hätten. Durch eine Fusion würden die beiden Unternehmen nach Börsenwert zu den US-Börsen ICE und Chicago Mercantile Exchange (CME) aufschließen. Neben der ICE als möglichem Mitbieter sitzen der Deutschen Börse aber auch noch die Wettbewerbsbehörden im Nacken, auch die EU-Wettbewerbshüter müssen zustimmen.

Die London Stock Exchange (LSE) und die Deutsche Börse wollen ihre geplante Fusion trotz einer möglichen Gegenofferte aus den USA vorantreiben. "Die Diskussionen zwischen der LSE und der Deutschen Börse über einen möglichen Zusammenschluss unter Gleichen werden weiter voranschreiten", erklärte die LSE am Dienstag.

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