Geplante Fusion von E-Plus und O2 Da waren's nur noch drei

O2 und E-Plus wollen gemeinsam den Mobilfunkriesen T-Mobile und Vodafone Konkurrenz machen. Bis zu einer möglichen Fusion ist es noch ein weiter Weg, doch die Unternehmen freuen sich schon: Weniger Kosten, mehr Kunden, mehr Gewinn - so die Rechnung. Doch was würde ein Zusammenschluss für die Verbraucher bedeuten?

Von Nakissa Salavati

Jahrelang hatten der niederländische Konzern KPN und der Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland (O2) verhandelt und gefeilscht. Doch einigen konnten sie sich nicht. Bis jetzt: KPN will seine deutsche Mobilfunktochter E-Plus für fünf Milliarden Euro an Telefónica verkaufen. KPN bestätigte entstprechende Gerüchte - Telefónica schreibt in seiner Pressemitteilung bereits von Synergien und superschnellem Mobilfunk, der durch ein fusioniertes Unternehmen entstünde. Banker schätzen, dass ein Zusammenschluss bis zu vier Milliarden Euro einspart. Das alles klingt sehr nach einem erstarkten Konkurrenten für die Marktführer Telekom und Vodafone.

Aus den bisher vier großen Netzanbietern würden dann nämlich drei. Gemessen an der Anzahl der Kunden liegt T-Mobile nach Angaben der Bundesnetzagentur im ersten Quartal 2013 mit 37 Millionen Kunden vorne, darauf folgt Vodafone mit 32,4 Millionen Kunden. E-Plus hat 23,9 Millionen Kunden, Telefónica Deutschland mit O2 19,3 Millionen. Würden sich E-Plus und O2 zusammenschließen, hätten sie etwa 43 Millionen Kunden - deutlich mehr als T-Mobile und Vodafone.

Doch auf die Anzahl der Kunden alleine kommt es nicht an, sondern auch darauf, was ihnen Mobilfunk wert ist. Telekom- und Vodafone-Kunden gehen eher teurere Verträge ein als eine Prepaid-Karte zu nutzen. Beim Anbieter E-Plus aber sind nur ein Drittel Vertragskunden. Im Schnitt geben E-Plus-Kunden daher monatlich lediglich elf Euro für Mobilfunk aus. Bei Telefónica haben immerhin etwas mehr als die Hälfte der Kunden einen Vertrag abgeschlossen, insgesamt geben sie im Schnitt monatlich mit 12,70 Euro auch mehr aus als E-Plus-Kunden.

E-Plus-Kunden könnten profitieren

Das beeinflusst den Umsatz. T-Mobile führte 2012 im Mobilfunkmarkt geschätzt mit 7,22 Milliarden Euro, Vodafone konnte in dem Jahr immerhin 6,98 Milliarden umsetzen. Telefonica Deutschland kommt im selben Zeitraum schätzungsweise auf gerade mal 3,67 Milliarden Umsatz, E-Plus auf 3,23 Milliarden Euro.

Auch beim LTE-Ausbau hinkt E-Plus hinterher. 2010 erwarben Telekom, Vodafone und Telefónica Lizenzen für den Ausbau und setzen jetzt allein auf die Breitband-Technologie, um schnelleres, mobiles Internet anzubieten. Mit dieser Milliarden-Investition können die Mobilfunkunternehmen zahlungskräftige Kunden binden und neue Einnahmequellen erschließen - zum Beispiel mit Echtzeit-Warnungen im Straßenverkehr.

Ausgerechnet E-Plus-Kunden könnten also von der Fusion profitieren. Der Mobilfunkanbieter ist bekannt für sein vergleichbar schlechtes Netz. Künftig würden die Kunden dann das O2-Netz mit nutzen können. Welche Vor- und Nachteile sich für die Verbraucher durch den Zusammenschluss ergeben könnten, sei schwer einzuschätzen, heißt es vom Bundeskartellamt und der Bundesnetzagentur. Prognosen geben sie keine ab. Auch Telefónica hält sich zurück: Ob sich die Preise für die Kunden ändern, sei noch unklar.

"E-Plus-Kunden bleiben E-Plus-Kunden"

​Denkbar ist, dass die Preise fürs mobile Telefonieren künftig langsamer sinken als bislang. "Die Zeit der starken Preisrückgänge dürfte vorbei sein", sagte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen, dem Manager Magazin. Drei etwa gleichstarke Wettbewerber träten normalerweise nicht sehr aggressiv auf.

An den Verträgen der Kunden ändert sich zunächst nichts. "Solange E-Plus eine eigene Gesellschaft ist, bleiben E-Plus-Kunden E-Plus-Kunden", sagte ein Telefónica-Sprecher. "Die reine Übernahme würde an den Verträgen nichts ändern", sagte Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Erst wenn Telefónica E-Plus integriert, könnte es zu Änderungen kommen. "Preise und Leistungen dürfen aber nicht einfach ohne Zustimmung des Verbrauchers geändert werden", sagt der Rechtsanwalt. "Wenn Vertragsbestandteile geändert werden sollen, müsste dem Kunden grundsätzlich ein Widerspruchs- oder Kündigungsrecht eingeräumt werden." Allerdings, so bemerkt Lovis Wambach von der Verbraucherzentrale Bremen, könnten Kunden mit günstigen Altverträgen in neue Verträge mit neuen Tarifen gedrängt werden.

Sicher ist die Fusion aber noch nicht. Bevor sich die beiden Anbieter zusammenschließen, müssen zunächst die Aktionäre zustimmen. Und auch die EU-Kommission muss den Plan prüfen. Später könnte das Bundeskartellamt noch Bedenken anmelden. Die Behörde müsste abwägen, ob das neu fusionierte Unternehmen den Markt in Deutschland beherrschen würde. Telefónica erwartet, dass O2 und E-Plus frühestens Mitte 2014 fusionieren.

Mit Material von dpa.