Knallharte Interessenpolitik made in USA: Die Bundesregierung sollte sich darauf einstellen, dass ihr Opel-Konzept vor dem Scheitern steht.
Niemand kann den Opel-Mitarbeitern ihren Zorn verdenken. Der Mutterkonzerns General Motors hat sein Insolvenzverfahren abgeschlossen, aber die Zukunft der Opel-Arbeitsplätze ist ungewisser denn je. Genauer gesagt: Die Beschäftigten von Opel müssen damit rechnen, dass der von ihnen erhoffte Verkauf des Unternehmens an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und seine russischen Partner nicht zustande kommen wird. Opel dürfte ganz einfach das bleiben, was es ist: eine große GM-Tochter. So jedenfalls sind die jüngsten Berichte in US-Medien zu deuten, wonach GM eine Milliarde Euro an eigenem Geld in Opel investieren und eine weitere Milliarde in London, Madrid und Warschau erbetteln will.
Was wird aus Opel? In der kommenden Woche tagt der GM-Verwaltungsrat - dann soll ein Finanzierungskonzept vorgestellt werden, um Opel nicht verkaufen zu müssen. (© Foto: dpa)
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Noch ist dies alles unbestätigt. Aber ähnliche Gerüchte aus den USA haben sich zuletzt meist bewahrheitet. Die Bundesregierung und all die anderen Opel-Retter sollten sich also darauf einstellen, dass ihr bisheriges Konzept vor dem Scheitern steht. Ob dies unbedingt schlecht für Opel und den Standort Deutschland ist, kann heute noch niemand sagen. Der Verwaltungsrat von General Motors dürfte am kommenden Dienstag eine Entscheidung treffen.
Höchste Zeit also, mit ein paar Illusionen aufzuräumen. Zum einen was die handelnden Personen betrifft: Deutsche Politiker und Betriebsräte pflegen in Sachen Opel über die Verzögerungstaktik der "GM-Manager" zu schimpfen. Aber es sind ja nicht die Manager, die den Verkauf an Magna aufhalten, es ist der Verwaltungsrat, und der wird von der amerikanischen Regierung beherrscht.
Seit seiner Insolvenz ist GM ein Staatskonzern; über Opel verhandeln somit Politiker. Und die haben vor allem Arbeitsplätze im eigenen Land im Blick, das ist in Washington nicht anders als in Berlin oder London. Dabei zeichnet sich das Autoteam von Präsident Barack Obama durch ziemliche Ruppigkeit im Umgang mit den betroffenen Unternehmen und ihren Gläubigern aus. Warum sollte dies im Umgang mit deutschen Politikern anders sein? Obama kommt es auf das Ergebnis an, und dies soll ein funktionierender amerikanischer Autokonzern sein.
Zudem mangelte es den deutschen Plänen zur Rettung von Opel schon immer an Plausibilität. Die Bundesregierung legte sich viel zu früh auf den Verkauf an Magna fest und nahm dabei Arbeitsplatzzusagen der Zulieferer für bare Münze, was sehr mutig war. Die Deutschen kalkulierten auch zu wenig die Interessen anderer in ihre Pläne ein. Dazu gehören die Regierungen jener Länder, in denen es ebenfalls GM-Standorte gibt, vor allem Großbritannien, Polen und Spanien. Dies betrifft aber auch die Interessen von GM selbst und die der US-Regierung. GM ist auch nach seiner Insolvenz ein globaler Konzern geblieben, dessen integraler Bestandteil Opel ist.
Wie sollte General Motors in Europa sein Geschäft wieder aufbauen, wenn nicht mit Opel? Das ist die zentrale Frage, vor allem jetzt, da sie von Obamas Leuten gestellt wird.
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(SZ vom 04.09.2009/mel)
Wie immer machen die US Unternehmen und ihre Manager wie auch deren Politiker was sie wollen und scheren sich nicht um deutsche oder europäische Interessen. Das war von vorn herein klar und all die deutschen Politiker die noch vor Wochen gepoltert haben oder sogar in die Staaten gereist sind haben sich wohl lächerlich gemacht. Es war wohl alles für die Katz. Ich habe jahrelang mit US Kollegen und Managern beruflich zu tun gehabt und weis wie die ticken.
wie schlicht die Meinungen mancher zum Thema Insolvenz sind, dann wird einem klar, warum deutsche Politiker so eine grottenschlechte Figur in der Sache machen.
Schon vergessen, daß der erste und entscheidende Fehler ein überhastet und völlig unnötigerweise zur Verfügung gestellter Kredit gewesen ist ? Das Spiel wäre längst aus, wenn auf dieser Seite des Tisches Leute vom gleichen Kaliber gesessen hätten, wie auf der anderen Seite (und die waren nicht mal besonders geschickt, sie nutzen nur einen Vorteil, der ihnen leichtfertig in die Hand gegeben wurde, weil in diesem Land immer einige Wirtschaftsminister spielen wollen, die schon mit der Führung einer "Wirtschaft" überfordert wären).
@franeu (9:12)
Nachdem Sie so zutreffend die Eigentumsverhältnisse bei GM und Opel dargestellt haben, wundert mich Ihr Hinweis auf Guttenbergs Insolvenzvorschlag.
Gutti hat hier nämlich gar nichts zu melden, er ist für das Konkursverfahren ein Dritter.
Wenn jemand mit dem Zylinder in der Hand zum Amtsgericht hätte stiefeln müssen, dann ein Vetreter von GM, nicht Gutti,und auch nicht seine Berater von Linklaters.
GM hätte aber - mit Hilfe der US-Regierung - genau die Überlegungen angestellt, die sie jetzt präsentieren, wovon die Insolvenz eine ist. Wie Merkel und Gutti das finden, ist ihnen ,sagen wir mal,egal..
Es entsteht immer der Eindruck,Gutti hätte irgendetwas bewirken können.
Das hat er noch dadurch bestärkt, dass er trotz seiner Insolvenzideen sofort isofort mit großem Getöse in die USA flog, um "belastbare Konzepte " zu erfragen.
Man hat ihn höflich empfangen und dann zum Fotoshooting nach Haus geschickt.
Es muss klar zwischen der rechtlich/wirtschaftlichen und der politischen Ebene unterschieden werden.
Nur in der letzteren kann die BReg. agieren, alles andere ist Firlefanz.
um anderen die kohle aus der tasche zu ziehen!
zb. "Fed Is Committed to a Strong Dollar"
Eine Insolvenz von Opel hätte das Ende von Opel bedeutet. Ich möchte nur mal an folgendes erinnern:
* sämtliche Gebäude und Maschinen gehören nicht der Opel GmbH, sondern GM
* die Opel GmbH hat keinerlei Rechte an den Konstruktionsunterlagen, Patenten etc.
Sprich: die Opel GmbH ist letztlich nur eine Gesellschaft, die die Fahrzeuge vermarktet und bei der die deutschen GM-Beschäftigten angestellt sind. Daran hätte sich auch bei einer Insolvenz nichts geändert. Auf die relevanten Dinge hätte der Insolvenzverwalter keinerlei Zugriff gehabt.
Wer davon redet, Opel komplett aus GM herauszulösen, redet der Abwicklung von Opel das Wort.
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