Von Haifischflossen, Waffen und Krankenkassen - Aufstieg und Fall des einst größten Autokonzerns der Welt.
Charles E. Wilson war einer der mächtigsten Präsidenten, die General Motors je hatte. Während des Zweiten Weltkriegs steuerte er die Kriegsproduktion in Detroit und schuf damit die Voraussetzungen für den Sieg der Alliierten über Japan und Deutschland. Präsident Franklin D. Roosevelt nannte Detroit deshalb das "Arsenal der Demokratie". Und Präsident Dwight Eisenhower wollte Wilsons Erfahrungen für den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion nutzen; er machte ihn deshalb 1953 zum Verteidigungsminister.
Vom Weltkonzern zum Krisenfall: Das einstige Vorzeigeunternehmen General Motors ist pleite. (© Foto: Reuters)
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Vor seiner Ernennung im Senat gab es aber Schwierigkeiten. Bei einer Anhörung im Kongress verlangten einige Senatoren, Wilson solle seine GM-Aktien verkaufen, um Interessenskonflikte im Amt zu vermeiden. Worauf dieser leicht verwundert antwortete: "Ich dachte immer, was gut ist für das Land, sei auch gut für General Motors, und umgekehrt." Dieser Satz ist, in leicht verkürzter Form, in den Zitatenschatz der Welt eingegangen.
Er belegt die enorme politische und wirtschaftliche Bedeutung, die der einst größte Autokonzern der Welt für Amerika hatte. Selbst in der Krise ist GM noch der zweitgrößte Industriekonzern der USA. Noch größer ist vielleicht die symbolische Bedeutung. Manche Kritiker sahen in der engen Verbindung zwischen Detroit und Washington einen "militärisch-industriellen Komplex", die meisten erinnert der Name GM aber an die glorreichen Zeiten der amerikanischen Autoindustrie, an Straßenkreuzer, Haifischflossen und Weißwandreifen.
Ungeheuerlicher Einschnitt
Deshalb ist der Insolvenzantrag von GM ein so ungeheuerlicher Einschnitt in die amerikanische Geschichte. Der Konzern hatte schließlich die gesamte Weltwirtschaftskrise überstanden, ohne einen Dollar Verlust schreiben zu müssen. Für den Niedergang werden in der Öffentlichkeit zwei Erklärungen gehandelt. GM hat es verlernt, gute Autos zu bauen, sagen die einen. GM ging unter, weil die Gewerkschaften eine Kostenstruktur erzwungen haben, wegen der der Konzern international aus dem Wettbewerb fiel.
Beide Erklärungen sind für sich genommen falsch, in der Kombination aber werden sie richtig. GM-Managern wird immer wieder vorgeworfen, dass sie Autos nur noch als Maschinen mit vier Rädern betrachteten und daher seelenlose Autos bauten. Der Vorwurf ist aus heutiger Sicht berechtigt, paradoxerweise jedoch begann der Aufstieg des Konzerns vor 101 Jahren gerade mit der Erkenntnis, dass Autos etwas Emotionales sind.
Amerikas Autoindustrie wurde nicht von nüchternen Ingenieuren begründet, sondern von verrückten Autonarren: Louis Chevrolet, David Buick, die Brüder Studebaker und Dodge. Die meisten dieser Gründer gingen mindestens einmal in ihrer Karriere pleite. Auch der Gründer von General Motors, William Durant, hatte zwei Insolvenzen hinter sich, ehe sein Erfolg begann. Sein Geniestreich bestand darin, farbige, interessante und emotionale Marken zusammenzukaufen und in einem Konzern zusammenzubinden: Buick, Oldsmobile, Pontiac, Cadillac, Chevrolet.
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Streit um Parteispitze bei der Linken
Dass man die Autobauer gut bezahlen muß, damit sie auch die Autos kaufen kann, das war meines wissen die frühe Weisheit von Henry Ford.
Dass man nun Mrd-schwer Autounternehmen saniert, damit wenigstens einige Autobauer noch Arbeit haben, ist ein Treppenwitz, der dabei rauskommt, wenn man so simple Weisheiten vergißt.
Der Niedergang begann in den siebziger Jahren, als die Benzinpreise stiegen und die japanische Konkurrenz zeigte, dass man Autos günstiger als in Detroit bauen konnte.
Sehen Sie Herr Piper, das ist eben so nicht stimmig. Der Niedergang begann, als sich die USA entschlossen, Löhne zu drücken, Reiche auf der Sänfte durchs Land zu tragen und dafür den Niedriglohnsektor expoldieren zu lassen. Erst dadurch kam dem geprügelten Bürger (Konsumenten) die Idee, sich nach günstigeren Alternativen umzusehen. Geliebt wurden die japanischen Blechkisten nie (übrigens völlig emotionslose Fahrzeuge, was auch gegen Ihre These spricht), aber ohne Auto kein Traum, schon gar kein amerikanischer.