Geldwerkstatt Legal, aber riskant

Auf dem Grauen Kapitalmarkt sollten Anleger sehr vorsichtig sein. Denn dieser wird weniger kontrolliert. Ein Überblick über gängige Produkte.

Von Felicitas Wilke

Etwa zwei Drittel der Deutschen wissen nicht, was man unter dem Grauen Kapitalmarkt versteht. Das zeigt eine Umfrage, die das Netzwerk Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale vor Kurzem veröffentlicht hat. Dabei haben viele Menschen hierzulande auf diesem Marktplatz schon einen Teil ihres Geldes angelegt - manchmal mit Erfolg, oft mit Verlust. Der Graue Kapitalmarkt ist der Teil der Finanzwirtschaft, den die staatliche Aufsicht nur teilweise kontrolliert und reguliert. Die Anbieter werben dort mit den unterschiedlichsten Anlageformen, die nicht immer einhalten können, was versprochen oder in Aussicht gestellt wurde. Ein Überblick über einige gängige Finanzprodukte auf diesem Kapitalmarkt, über ihre Chancen und Risiken.

Direktinvestments

Schiffscontainer, Waldanteile oder Photovoltaik-Anlagen: Viele Anbieter auf dem Grauen Kapitalmarkt werben mit vergleichsweise handfesten Anlageobjekten um Investoren. Bei sogenannten Direktinvestments kaufen private Investoren Wertgegenstände und vermieten sie anschließend für einen bestimmten Zeitraum weiter. Im besten Fall profitieren sie von den Mieteinnahmen und erzielen einen Gewinn, wenn sie das Objekt später wieder verkaufen.

Prospektpflicht

Das Kleinanlegerschutzgesetz schränkt die Anbieter auf dem Grauen Kapitalmarkt seit Mitte 2015 ein. Seitdem unterliegen Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen und die meisten Arten von Direktinvestments einer Prospektpflicht. Die Anbieter müssen ihre potenziellen Investoren darin genau über das Unternehmen informieren, das Kapital erhalten soll, und Auskunft über mögliche Risiken der Geldanlage erteilen. Andere Anlageformen wie Genussrechte, stille Beteiligungen und Namensschuldverschreibungen waren schon vorher unter das Vermögensanlagengesetz gefallen. Hier mussten die Anbieter schon zuvor einen Prospekt mit den Risiken bereitstellen.

Auch Unternehmen, die über Crowdfunding-Plattformen Geld von Anlegern zusammentrommeln, um ihre Geschäftsideen zu verwirklichen, sind vom Kleinanlegerschutzgesetz betroffen. Allerdings ist der Gesetzgeber ihnen entgegengekommen und verlangt einen Prospekt erst dann, wenn die Firmen, oft junge Start-ups, mehr als 2,5 Millionen Euro einsammeln und von einzelnen Investoren mindestens 100 000 Euro nehmen.

"Viele Menschen denken, dass es eine gute Sache sein muss, in etwas zu investieren, das man greifen kann", sagt Lothar Koch, Vermögensverwalter bei GSAM + Spee in Düsseldorf. Tatsächlich gebe es Unternehmen, die seit Jahrzehnten Direktinvestments anbieten und ihre Verpflichtungen immer erfüllt hätten, sagt er. Doch das gelte bei Weitem nicht für alle Anbieter. Im vergangenen Jahr musste etwa Magellan Maritime Services, ein Anbieter von Schiffscontainer-Investments, Insolvenz anmelden. "Private Anleger können nur schwer einschätzen, ob sie es mit einem seriösen Vertragspartner zu tun haben oder ob sie in eine krisenfeste Branche investieren", sagt Vermögensverwalter Koch.

Geht ein Anbieter von Direktinvestments pleite, können Anleger ihre Mieteinnahmen oft abschreiben. Die erworbenen Gegenstände bleiben im Besitz der Anleger, es kann aber aufwendig sein, sie wieder zu verkaufen. "Mein Container bringt mir nicht viel, wenn er in China steht", sagt Lena Ribka, Referentin bei den Marktwächtern Finanzen der Verbraucherzentrale.

Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen

Ein Darlehen, das klingt zunächst nach dem klassischen Fall: Ein Unternehmen leiht sich für einen bestimmten Zweck Geld, etwa von einer Bank oder einer Person, und zahlt es anschließend mit Zinsen zurück. Gerät die Firma in finanzielle Schwierigkeiten und muss Insolvenz anmelden, bekommen die Gläubiger, wenn irgendwie möglich, zuerst ihr Geld zurück.

Niedrige Zinsen, hohe Unsicherheit - wie soll man da noch sein Geld investieren? In der "Geldwerkstatt" erklären wir aktuelle Fragen zur Geldanlage.

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Bei Nachrangdarlehen oder partiarischen Darlehen haben Investoren nicht die gleichen Rechte wie ein gewöhnlicher Kreditgeber. "Sie haften eher wie Eigenkapitalgeber", sagt Verbraucherschützerin Ribka.

Zwar erhalten Anleger bei Nachrangdarlehen einen vergleichsweise hohen Zins und werden beim partiarischen Darlehen am Unternehmensgewinn beteiligt. Geht ein Unternehmen pleite, werden die Anleger jedoch nachrangig bedient und bekommen ihr Geld erst nach allen anderen Gläubigern zurück. Im schlimmsten Fall ist dann nichts mehr übrig. Zu den Vertragsbedingungen gehört meist auch der qualifizierte Rangrücktritt. "Er besagt, dass Anleger ihr Geld schon dann nicht mehr zurückholen können, wenn sie dadurch die Insolvenz herbeiführen würden", erklärt Ribka. Wann dieser Zeitpunkt tatsächlich gekommen ist, könnten private Investoren nur schwer nachprüfen.

Genussrechte

Wer ein Genussrecht zeichnet, hat anders als ein Aktionär kein Mitspracherecht im Unternehmen, und ist anders als der Inhaber einer Anleihe auch kein klassischer Gläubiger. Denn im Fall einer Insolvenz sieht er sein eingesetztes Kapital erst dann wieder, wenn andere Geldgeber wie Banken bereits bedient wurden - ein ähnliches Problem also wie bei partiarischen Darlehen und Nachrangdarlehen.

Um diese Nachteile wettzumachen, stellen die Herausgeber von Genussrechten ihren Investoren einen attraktiven Zins in Aussicht, der auch bei mehr als fünf Prozent pro Jahr liegen kann. Hinzu kommt oft noch ein Bonus, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet. "In den meisten Fällen gehört aber auch eine Verlustbeteiligung zu den Vertragsbedingungen", sagt der Düsseldorfer Vermögensverwalter Koch. Schreibt ein Unternehmen am Jahresende Verluste, kann es sich mit einem Teil des Genussrechtskapitals behelfen.

Meldet das Unternehmen sogar Insolvenz an, müssen Anleger um ihr gesamtes eingesetztes Geld bangen. Derzeit geht es einigen Hundert Menschen so, die insgesamt etwa eine Million Euro in die Genussrechte der insolventen Wohnartikel-Kette Butlers investiert haben.