Geldwäsche Deutsche Unternehmen schweigen zu den Vorwürfen

Aber Bogner war bei weitem nicht allein. Die Geldwäscher finanzierten neben Luxusartikeln auch den Import von Maschinen- und Anlagenteilen, Lebensmitteln oder Baustoffen nach Russland. Ein deutscher Lebensmittelkonzern verschickte 15 Tonnen Blätterteig nach Moskau. Der Chemieriese BASF verkaufte Lacke im Wert von mehr als 1,6 Millionen Euro. Das Unternehmen teilt mit, man habe keine Verdachtsmomente gegen die Auftraggeber gehabt.

Viele der deutschen Unternehmen, die in dem Datensatz auftauchen, sind nicht bereit, die Namen der Käufer und Geschäftspartner offenzulegen. Der Münchner Elektronikkonzern Rohde & Schwarz, Hersteller von Überwachungstechnologie für Polizei, Militär und Geheimdienste, teilte mit, man richte sich bei allen Aktivitäten nach geltenden Gesetzen und Vorgaben. Das Unternehmen soll den russischen Firmen, hinter denen die mutmaßlichen Geldwäscher stehen, Waren im Wert von mehr als 950 000 Euro verkauft haben.

Wer der Spur des Geldes quer durch Deutschland folgt, stößt aber auch auf mittelständische Familienbetriebe, viele Zwischenhändler, zum Beispiel für Industriebedarf. Am Telefon klingt ein Geschäftsführer verunsichert, er könne viel erzählen, werde das aber nicht tun. Auf weitere Anfragen reagiert er nicht mehr.

Über die Konten der Moldindconbank flossen 20,7 Milliarden Dollar

Andere erzählen freimütig, weit mehr Zahlungen erhalten zu haben als zunächst ersichtlich. Wieder andere, unauffällige Kleinunternehmen, leisten sich teure Medienanwälte, die alle Nachfragen kategorisch abblocken. Ermittlungen deutscher Behörden zu diesen Fällen sind bislang nicht bekannt. Das Bundeskriminalamt teilte lediglich mit, man habe keine Erkenntnisse über dieses Geldwäschesystem.

In Moldau versuchen unterdessen Ermittler des nationalen Zentrums gegen Korruption, die Betreiber der Geldwaschmaschine vor Gericht zu bringen. 14 beteiligte Richter haben sie bereits angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, vorsätzlich rechtswidrige Urteile gefällt und an Geldwäsche mitgewirkt zu haben.

Gegen vier Gerichtsvollzieher und sieben Mitarbeiter der Moldindconbank wird ebenfalls ermittelt. Über Konten dieser moldauischen Bank flossen allein fünf der 20,7 Milliarden Dollar von der Russischen Landbank (RZB). In deren Direktorium wiederum saß zu dieser Zeit ein Cousin des russischen Präsidenten: Igor Putin.

In Moskau ist man offenbar verärgert wegen der Ermittlungen. Laut einer Erklärung des moldauischen Parlaments wurden in den vergangenen Monaten 25 moldauische Beamte, Militärangehörige, pro-europäische Politiker und sogar der Chef des nationalen Zentrums gegen Korruption an russischen Grenzen oder Flughäfen festgesetzt und stundenlang verhört. Das moldauische Parlament jedenfalls geht davon aus, dass diese Vernehmungen keine Zufälle waren.

So funktioniert das Geldwäsche-System

Um die Herkunft des mutmaßlichen Schwarzgeldes zu verschleiern, wird es quer durch Europa geschoben. Das komplexe System, einfach erklärt im Video. mehr...