Zinsen So will die Fed die Märkte sanft vom billigen Geld entwöhnen

Notenbankchefin Janet Yellen, auf dem Foto von hinten zu sehen, spricht neuerdings viel von "Erwartungen".

(Foto: Jacquelyn Martin/AP)
  • Die US-Notenbank Fed steht wohl vor dem Ende der Nullzinspolitik.
  • Die EZB zögert noch mit einer Zinserhöhung. Das dürfte den Euro im Vergleich zum Dollar weiter schwächen.
Analyse von Claus Hulverscheidt, New York

An diesem Mittwoch wird die US-Notenbank Fed wohl einen Entschluss fassen, der die wirtschaftspolitischen Geschicke der Welt auf Jahre hinaus prägen wird: Der Leitzins soll steigen, es wäre der erste Zinsschritt seit dem 16. Dezember 2008, also auf den Tag genau seit sieben Jahren. Und es wäre das Ende jener so umstrittenen Nullzinspolitik, die die Fed zur Bewältigung der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ersonnen hatte. Nie zuvor war ein bedeutender Leitzins über so lange Zeit und auf so niedrigem Niveau eingefroren.

Doch der Zinsentscheid selbst ist wohl noch die leichteste Übung. Dass die Notenbank ihre Zielspanne von derzeit null bis 0,25 Prozent um einen viertel Punkt nach oben hievt und die neue Obergrenze bei 0,5 Prozent festlegt, wird an den Finanzmärkten schon seit Monaten erwartet. Viel wichtiger ist deshalb aus ihrer Sicht die Frage, was für die Monate und Jahre danach zu erwarten ist. Welcher Zeitraum und wie viele Schritte schweben der Fed vor, um die Zinsen auf ein Niveau zurückzubringen, das vor Ausbruch der Krise einmal als "normal" galt? Und gelingt die Operation, ohne die Inflation anzuheizen, die Konjunktur abzuwürgen oder Chaos auf den Finanzmärkten anzurichten? "Es sind diese Erwartungen", erklärte Notenbankchefin Janet Yellen erst jüngst, "die sich auf die Finanzierungsbedingungen auswirken und damit auch Einfluss auf Ausgaben- und Investitionsentscheidungen haben werden."

Das Ziel: ein "normales" Zinsniveau von 3,5 Prozent

Wohin die Reise der Fed grundsätzlich geht, ergibt sich aus Unterlagen, die sie im September veröffentlichte. Demnach plädieren die Ausschussmitglieder im Schnitt dafür, dass die obere Grenze der Zielspanne im Laufe des Jahres 2016 etwa 1,4 Prozent erreichen und dann bis 2018 schrittweise auf 3,4 Prozent ansteigen wird. Als mittelfristig "normal" erachten die Geldpolitiker ein Zinsniveau von 3,5 Prozent: Damit hätten sie den notwendigen Raum zurückerobert, um bei einer Eintrübung der Konjunktur oder einem Anstieg der Inflation mit Zinssenkungen beziehungsweise -erhöhungen gegensteuern zu können.

Die Fed muss berechenbar bleiben - und den Leitzins erhöhen

Auch wenn es die Sparer nicht gern hören: Die Zinsen werden noch viele Jahre niedrig bleiben. Kommentar von Nikolaus Piper mehr ...

In den letzten Jahren war der Handlungsspielraum der Fed wegen des ultra-niedrigen Leitsatzes stark eingeschränkt. Um die Wirtschaft anzuheizen und eine Deflation, einen allgemeinen Verfall der Preise also, zu verhindern, hatte die Fed - und mit ihr die Europäische Zentralbank (EZB) - zu Notmaßnahmen gegriffen, etwa dem sogenannten "Quantitative Easing". Bei dieser Form der geldpolitischen Lockerung kauft die Notenbank der privaten Kreditwirtschaft für Hunderte Milliarden Dollar oder Euro festverzinsliche Wertpapiere ab. Das drückt die Kreditzinsen, auf Umwegen auch für Häuslebauer, Autokäufer und Unternehmen. Die Konjunktur wird stimuliert, die Arbeitslosenquote sinkt - in den USA mittlerweile auf fünf Prozent.