Geldhaus des Heiligen Stuhls Gewinn der Vatikanbank bricht ein

Eigentlich sollte Ernst von Freyberg bei der Vatikanbank aufräumen. Doch nun tauscht Papst Franziskus den Chef der Bank aus. Zugleich macht das Geldhaus öffentlich, wie schlecht die Geschäfte laufen.

Von Andrea Bachstein, Vatikanstadt

Zum zweiten Mal in seiner Geschichte hat das Geldinstitut des Vati-kans am Dienstag eine Bilanz vorgestellt - und offiziell bestätigt, dass der deutsche Chef Ernst von Freyberg geht und mit ihm das bisherige Führungsteam. Der Präfekt des Vatikan-Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell, sprach seinen Dank aus: "Ich möchte Ernst von Freyberg und dem gesamten Rat für die große Einsatzbereitschaft danken."

Papst Franziskus hatte dem Australier im Februar die neue Behörde anvertraut, bei der die Finanzen der Vatikan-Dikasterien zusammenlaufen sollen. Freyberg hatte im März 2013 seinen Posten angetreten. Seine Hauptarbeit war es, im nach Geldwäschefällen und den Skandalen der Achtzigerjahre stets unter Generalverdacht stehenden Istituto per le Opere di Religione (IOR) aufzuräumen und Kontrollmechanismen zu installieren, Transparenz zu schaffen.

Das IOR ist zentraler Punkt für die Reformen von Vatikan und Kurie, die der Papst betreibt. An diesem Mittwoch soll bereits die neue Leitung des IOR präsentiert werden. Als Präsident wird ein Franzose gehandelt: der Unternehmensberater Jean-Baptiste Douville de Franssu. Bisher arbeitet er für die Beraterfirma Incipit und ist Partner des Beratungsunternehmens Guardiola. Den Papst hat der 51-Jährige praktizierende Katholik bereits kennengelernt und auch die Strukturen von Vatikan und IOR - er arbeitete mit an seinen neuen Statuten. Wie es heißt, schätzt Kardinal Pell ihn, und vor allem der zweite Mann der Wirtschaftsbehörde, Monsignore Lucio Vallejo-Balda.

Über den Abgang des sehr diskreten Ernst von Freyberg wird und wurde viel spekuliert. Vor allem italienische Medien, die gerne alles personalisieren, zielten auf Differenzen ab zwischen Freyberg und dem erst nach ihm ernannten Prälaten des IOR, Gian Battista Ricca. Auch familiäre Gründe sollen den 55 Jahre alten Freyberg bewogen haben - seine Frau und das kleine Kind leben im Schwäbischen, und die Aufgabe fordert mehr Präsenz im Apostolischen Palast als zunächst gedacht.

Deutlich weniger Geld für den Heiligen Stuhl

Freyberg nennt nun die Reformprozesse der vergangenen Monate "oft schmerzlich, aber nötig". Das könnte auch als Hinweis auf persönliche Konflikte gelesen werden. Aber Insidern zufolge dürfte eher anderes den Ausschlag gegeben haben: dass Freyberg nach seiner Schwerarbeit keine Lust hat, mit reduzierter Verantwortung dazustehen. Und darauf wird es in Zukunft wohl für IOR-Präsidenten hinauslaufen - nach dem, was über die Reformen durchsickert, an denen die Kommission von acht Kardinälen arbeitet und auch der neue Wirtschaftsrat des Papstes, dem Münchens Erzbischof Kardinal Reinhard Marx vorsitzt.

Vermutlich begrenzt die von dem energischen Kardinal Pell geleitete Wirtschaftsbehörde die Kompetenz des IOR-Chefs - und auch die des IOR. Genaueres will Pell am Mittwoch sagen. Zu den Fragen gehört, welche Stellung das IOR gegenüber der Güterverwaltung Apsa erhält, die Geld- und Immobilienvermögen des Vatikan betreut und wesentlich wichtiger, aber auch wesentlich unbekannter ist als das IOR. Bank und Pell gaben am Dienstag zu verstehen, dass die Erneuerung der Führung einer Logik folge - Phase zwei des IOR-Umbaus steht an. Der noch von Benedikt XVI. berufene Freyberg hat so etwas wie den Großputz geleitet und ein Vorbeugesystem geschaffen. "Ich werde mit Null-Toleranz gegen jede verdächtige Aktivität vorgehen", war seine Ansage. Das war nötig, weil Franziskus und vor ihm Benedikt ein ethisch einwandfreies Geldinstitut für die Kirche wollten. Aber genauso, weil es die internationalen Kriterien gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung erfüllen muss.

Das Moneyval-Komitee bestätigte im Dezember auch, dass das IOR die meisten Anforderungen erfüllt. Freyberg ließ unter anderem sämtliche Konten und Inhaber von externen Prüfern durchleuchten. Das Resultat war die Löschung von rund 3000 Konten. Bei den allermeisten ging es nicht um den Verdacht von Geldwäsche. Sie wurden seit langem nicht genutzt oder gehörten Leuten, die kein IOR-Konto mehr haben dürfen. Das steht nur Einrichtungen der Kirche, Orden, Geistlichen, Vatikan-Angestellten und beim Vatikan akkreditierten Diplomaten zu - aktuell gibt es 15 500 Kunden. Mit den Kontenschließungen sind auch die Kundeneinlagen weniger geworden - aus 6,3 wurden 5,9 Milliarden Euro. Dass solche Zahlen bekannt werden, ist eine der signifikantesten Neuerungen Freybergs - das IOR hat 2013 erstmals einen Geschäftsbericht veröffentlicht.

Der zweite offenbart nun den Preis der Reformen. Den Scan der Konten haben zum großen Teil Prüfer von Promontery Group geleistet. Jedenfalls ist der Gewinn drastisch geschrumpft: Von 86,6 Millionen Euro 2012 sind 2,9 Millionen Euro übrig. Das wird den Haushalt des Heiligen Stuhls schwer treffen, ihm konnte das IOR 2013 noch 54 Millionen Euro überweisen.