Geld Warum Kanadas neue Geldnote besonders ist

Viola Desmond widersetzte sich - als dunkelhäutige Frau - 1946 den Regeln der Rassentrennung in ihrer Heimat und landete deshalb im Gefängnis.

(Foto: Reuters)

Erstmals zeigt die Notenbank des Landes eine Kanadierin groß auf einem Geldschein. Dieser wurde ein Kinobesuch zum Verhängnis.

Von Hans von der Hagen

Als das schwarze Tuch von der Tafel fiel, gab Wanda Robson einen kurzen Jauchzer von sich: Soeben hatte sie im kanadischen Halifax die neue Zehn-Dollar-Note im Großformat enthüllt. Darauf zu sehen ist fortan ihre 1965 verstorbene Schwester Viola Desmond - Kanadas Vorkämpferin gegen Rassentrennung. Die 91-jährige Robson erzählte später, dass sie "sprachlos" gewesen sei, was bei ihr nur selten vorkomme.

Mit der neuen Banknote ehrt Kanada eine Frau mit besonderer Geschichte, die allerdings auch vielen Kanadiern bislang nicht bekannt war. Die 1914 geborene Desmond hatte eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Früh schon machte sie Bekanntschaft mit den Folgen der Rassentrennung: Desmond, eigentlich Lehrerin, wollte Friseurin und Kosmetikerin werden, konnte aber aufgrund ihrer Hautfarbe in ihrer Geburtsstadt Halifax keine entsprechende Ausbildung machen. Sie zog weg, holte die Ausbildung in Montréal, New York und Atlantic City nach. Später wurde sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau - gründete eine Kosmetikschule und vertrieb eigene Schönheitsprodukte.

Verhängnisvolle Autopanne

Dass sie nun auf dem Geldschein landet, ist Folge einer Autopanne an einem Novemberabend 1946 in New Glasgow. Da sie nicht mehr weiterfahren konnte, ging sie in ein Kino. Desmond kaufte eine Eintrittskarte und wollte im Hauptraum Platz nehmen. Doch ihr wurde gesagt, dass "Leute wie sie" nur auf dem Balkon sitzen dürften. Erst da begriff sie, dass in dem Kino ungeschriebene Gesetze galten und es um ihre Hautfarbe ging. Sie weigerte sich, auf den Balkon zu gehen und setzte sich wie geplant in den unteren Zuschauerraum. Natürlich ging das nicht gut: Die Polizei wurde gerufen, Desmond aus dem Kino gezerrt und am Ende wegen Hinterziehung von Vergnügungssteuer in Höhe von einem Cent verurteilt. Zwölf Stunden saß sie im Gefängnis. Erst posthum, 2010, entschuldigte sich die Regierung.

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Bei der Gestaltung des Scheins zeigt sich die Notenbank, die Geldscheine mittlerweile aus Plastik herstellt, noch einmal experimentierfreudig: Desmond wird im ungewöhnlichen Hochformat dargestellt und kommt so viel besser zur Geltung. Sie ist übrigens auch die erste Kanadierin allein auf einem Geldschein. Bisher galt die Aufmerksamkeit der Notenbank vor allem Vertreterinnen des britischen Königshauses, das formell noch immer für Kanada zuständig ist.