Schuldenkrise in Griechenland Warum Deutschlands Banken gelassen bleiben

Banken in Frankfurt, Geld in Athen: Derzeit stehen für deutsche Institute knapp vier Milliarden Euro im Feuer.

(Foto: Boris Roessler/dpa)
  • Die Worte "Schuldenschnitt" und "Griechenland" haben für deutsche Banken den Schrecken verloren. Sie haben bei weitem nicht mehr so viel Geld dort wie noch 2012.
  • Damals kostete der griechische Schuldenschnitt den deutschen Bankensektor etwa 20 Milliarden Euro.
  • Ein Grexit wäre deshalb für die Kreditinstitute weniger eine bilanzielle, als vielmehr eine technische Herausforderung.
Von Harald Freiberger

Wörter wie "Griechenland" und "Schuldenschnitt" verbreiteten bei den deutschen Banken über Jahre Angst und Schrecken. Schließlich waren sie dort mit Krediten über zweistellige Milliarden-Summen an Staat, Unternehmen und andere Banken engagiert. Der griechische Schuldenschnitt im Jahr 2012 kostete den deutschen Bankensektor etwa 20 Milliarden Euro. Davon wurden allein 14 Milliarden für staatliche oder verstaatlichte Institute fällig. Die Hypo Real Estate etwa kostete der Schuldenschnitt knapp neun Milliarden Euro, bei der WestLB waren es 800 Millionen Euro, bei der Commerzbank 900 Millionen Euro.

Deutsche Banken haben noch knapp vier Milliarden in Griechenland

Obwohl nun die Staatspleite droht, hat das Wort "Griechenland" für deutsche Banken inzwischen seinen Schrecken verloren. Seit 2010 steckt das Land in der Schuldenkrise. Im Laufe der Zeit haben die Institute ihr Engagement dort stark zurückgefahren. Nach einer Statistik der Bundesbank waren es Ende März 2015 zwar noch 19,08 Milliarden Euro. Der weitaus größte Teil davon - 15,2 Milliarden Euro - geht aber auf die staatliche Förderbank KfW zurück. Es handelt sich dabei um den Anteil Deutschlands am Griechenland-Rettungspaket vom Mai 2010, den die KfW auszahlte. Der Bund garantiert dafür zu 100 Prozent, es sind also Steuergelder, keine Bankschulden.

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Unterm Strich stehen für die deutschen Kreditinstitute damit in Griechenland nur noch knapp vier Milliarden Euro im Feuer. Bei der Deutschen Bank waren es im Juni 2,03 Milliarden Euro, bei der Commerzbank 300 Millionen Euro. Die KfW selbst ist mit etwa 900 Millionen Euro in Griechenland engagiert. Dabei haben die Institute kaum mehr griechische Staatsanleihen in den Büchern. Nach den Erfahrungen mit dem Schuldenschnitt haben sie diese fast auf Null zurückgefahren. Das heißt auch: Ein Grexit, bei dem griechische Staatsanleihen wohl wertlos würden, hätte für die Banken zunächst einmal keine große Folgen. Das Geld, das sie in Griechenland verliehen haben, sind zumeist Kredite an Unternehmen. Diese würden bei einem Grexit nicht sofort ausfallen. Die Gefahr, dass die Banken sie abschreiben müssen, ist dennoch groß, da eine Staatspleite in der Regel zu massenhaften Firmenpleiten führt.

Selbst große Abschreibungen wären verkraftbar

Doch selbst wenn die deutschen Banken einen Großteil der griechischen Kredite abschreiben müssten, wäre dies zu verkraften. "Für das Bankensystem wäre ein Grexit nicht schlimm, weil sich die Institute weitestgehend aus dem Land verabschiedet haben", resümiert Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim.

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Eine andere Frage ist die technische Beherrschbarkeit eines Grexit. Auch hier geben die deutschen Großbanken Entwarnung. "Wir sind sehr gut vorbereitet, weil wir uns seit langem auf eine solche Situation eingestellt haben", heißt es bei der Commerzbank. Auch die Deutsche Bank sieht die Lage entspannt: "Wir haben ausreichende Sicherheitsmechanismen, um unsere Geschäftsaktivitäten und Kundenservices zu gewährleisten." Seitdem die Linken an der Regierung sind, ist die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite stark gestiegen. "Wir haben ein genaues Drehbuch für diese Situation", sagt der Risikomanager einer Großbank. Die Institute haben Arbeitsgruppen gebildet, die den Zahlungsverkehr auch im Fall einer Staatspleite sicherstellen. Wobei es gar nicht mehr so viel Zahlungsverkehr gibt: Deutsche Unternehmen haben den Export nach Griechenland stark zurückgefahren - und wenn sie noch liefern, dann nur gegen Vorauskasse.

Eine der Herausforderungen für die Experten ist es, jegliche Zahlung nach Griechenland sofort zu stoppen, sobald die Zahlungsunfähigkeit des Landes amtlich ist. Hier haben die Banken ein historisches Lehrbeispiel vor Augen: Am Tag nach der Pleite des US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 überwies die staatliche KfW dieser noch einen Kredit über 300 Millionen Euro. Schuld waren automatisierte Buchungen. Im Falle Griechenlands haben die Banken Vorkehrungen gegen einen solchen Lapsus getroffen. "Denn niemand will sich mehr als dümmste Bank Deutschlands titulieren lassen", sagt Burghof.

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