Es ist keineswegs so, dass der Sport auf der Insel durch die totale Kommerzialisierung verödet. Die Klubs spielen schnell und attraktiv nach vorne. Der Wettstreit zwischen vier großen Vereinen macht den Titelkampf zeitweise unberechenbarer als in der Bundesliga, wo in manchen Jahren Bayern München arg dominiert. Und natürlich genießen es die Fans, ihre Klubs in der europäischen Königsklasse siegen zu sehen.
Anzeige
Wenn man sich Fußball live nicht leisten kann
Doch beim britischen Modell bezahlen die Anhänger einen hohen Preis. Wer zu Chelsea London ins Stadion will, muss für ein Ticket mindestens 45 Euro hinlegen - fast zehn Mal so viel wie vor zwanzig Jahren. Beim FC Bayern gibt es dagegen schon für 15 Euro Stehplätze. Britische Fans, die Bezahlfernsehen abonnieren, weil die Spiele kostenlos erst Samstagnacht zu sehen sind, müssen mit 60 Euro im Monat rechnen - dreimal so viel wie in der Bundesrepublik, wo sich wegen der Sportschau ohnehin auf Pay-TV verzichten lässt.
Die Briten verlangen den Fans viel ab, einer Gruppe, in der es viele Menschen mit überschaubarem Einkommen gibt. Mancher Anhänger kann sich Fußball als Live-Erlebnis einfach nicht mehr leisten. Es gibt gute Gründe, einen Sport vor der totalen Kommerzialisierung zu bewahren, der für viele Bürger eine Passion ist. Der Staat mischt sich in die Volkswirtschaft ein, indem er Theater und Opernhäuser subventioniert, die auf dem freien Markt schrumpfen oder schließen müssten. Kultur wird nicht dem Markt überlassen. Mit einer ähnlichen Berechtigung sollte der Staat dafür sorgen, dass Millionen Menschen ihre Leidenschaft Fußball genießen können - durch Regeln, die den Sport bezahlbar halten. Zum Beispiel durch einen Fernseh-Kompromiss, der die Fans nicht ins Pay-TV zwingt.
Schranken gegen Millionäre
Wohin die Kommerzialisierung den britischen Fußball führen wird, ist offen. Es zeichnet sich aber ab, dass manche milliardenschwere Investoren bald Rendite sehen wollen. Deshalb werden sie entweder die Preise für Tickets und Fernsehen noch mehr hochtreiben - oder ihr Geld aus den Vereinen ziehen, die dann wie Luftballons ohne Luft auf den Boden trudeln. Die Fans werden das Gefühl bekommen, dass ihr Klub Verfügungsmasse ist.
Wer in Deutschland dem britischen Geldfluss nachtrauert, muss sich überlegen, ob er das wirklich will: Fußballklubs als Spielzeug einzelner Millionäre. Die Skepsis gegenüber dem SAP-Gründer Dietmar Hopp, der das Örtchen Hoffenheim in die Bundesliga finanziert hat, ist bereits spürbar. Weil Hoffenheim auf junge Talente setzt, entzieht es sich bisher dem Stempel, eine seelenlose Söldnertruppe zu sein. Trotzdem wäre es traurig, wenn die Traditionsklubs der Liga nach und nach durch künstliche Gebilde ohne Fan-Basis abgelöst würden. Wie viel Kommerz der deutsche Fußball verträgt, sollten nicht einfach Vereinsbosse oder Kartellwächter alleine entscheiden - was zählt, ist die Stimme der Anhänger.
Natürlich schmerzt es deutsche Fans, dass ihre Vereine in der Champions League zur Zeit keine große Rolle spielen. Den Stolz auf die eigenen Lieblingsspieler können sie auch anders ausleben. Die deutsche Nationalmannschaft erzielt international inzwischen wieder einen Erfolg nach dem anderen. Vom Team Großbritanniens lässt sich das nicht behaupten, all den Milliarden zum Trotz.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Reden wir über Geld (32): Christoph Daum "Ich weiß nicht, was Lukas Podolski kostet" 05.09.2008
- Milliarden-Monopoly Geld regiert die Fußball-Welt 28.08.2008
- Englische Fußballclubs Der Fan zahlt 28.08.2008
- Vermarktung der Bundesligaklubs Klassenkampf im Fußball 12.08.2008
- Streit mit Air Berlin FC Barcelona bucht um 01.08.2008
(SZ vom 06.09.2008/jkr)
ich weiß ja nicht, ob sie sich mit fuballfns bzw. fankultur auskennen, aber meiner meinung nach, haben sie nicht die geringste ahnung, was dieses thema betrifft!
1. KEIN, wirklich KEIN richtiger fußball-fan wird je investoren und öl-scheichs im deutschen fußball befürworten, nur um riberys oder diegos sehen zukönnen!
KEINER wird je england beneiden oder gar dem kommerz (im sportlichen sinne) nachtrauern!!! da wäre es allen richtigen fans lieber, wenn nie wieder ein deutscher verein die chl gewinnen würde!
natürlich wäre es schade, wenn bei uns keine so guten spieler spielen würden und nurnoch spanier und engländer international erfolgreich wären, aber der preis, den wir im beispiel ausm text zahlen müssten ist einfach VIEL, VIIIEEELLL zu hoch!
den meisten sind die jetzigen vehältnisse in deutschland schon zu extrem (siehe anti-hopp-aktionen), wieso sollten dann eben diese fans auf einmal fpr kommerz im sport sein???
2. die "fans", die england um solchne investoren und solchne verhältnisse beneiden, die sind sowieso nach der ersten saison ohne deutsche chl-achtelfinal-beteiligung chelsea-, manu-, oder barca-"fan"! erfolgs- und modefans halt...
3. wenn es wirklich soweit kommen würde, dass man hier zulande keinen spitzenfußballer mehr zu gesicht bekommen sollte, dann würde man wenigstens wieder zu FUSSBALL gehen und nicht zum "event" in total unbeliebte und total besch*ssene luxustempeln gehen müssen, die mit fußballSTADIEN nix mehr am hut haben!
das problem, vor dem der englische fussball - und ultimativ der gesamte professionelle fussball - im moment durch die uebernahme von manchester city durch ADUG aus abu-dhabi steht, hat nichts mit kommerzialisierung zu tun - ganz im gegenteil. 'kommerz', laut wikipedia, ist definiert als "1) Wirtschaft und Handel betreffend, auf ihnen beruhend; 2) Geschäftsinteressen wahrnehmend, auf Gewinn bedacht". professioneller fussball, ob in bremen oder bei arsenal, ist seit jahrzehnten kommerziell ausgerichtet. das problem, das nun durch die investoren aus abu-dhabi entstehen koennte, ist, dass fussball voellig von wirtschaftlichen erwaegungen abgekoppelt wird. das koennte positive folgen haben: zum beispiel koennte es sich manchester city nun leisten, voellig auf eintritt im stadion zu verzichten. gehoert habe ich noch nichts von solchen plaenen. was bisher zu hoeren ist, deutet eher auf negative folgen hin: inflation im transfermarkt und bei den spielergehaeltern, was nur solchen klubs keine probleme bereitet, die bereit und in der lage sind, sich ebenfalls von kommerziellen erwaegungen abzukoppeln. aber selbst chelsea verkuendet immer noch oeffentlich, in ein paar jahren einen ausgeglichenen haushalt vorlegen zu wollen. im moment ist man-city ziemlich alleine, aber DIC aus dubai versucht schon seit laengerem liverpool zu kaufen. das grosse jammern in deutschland und anderswo wird dann einsetzen, wenn eine kritische masse an super-reichen und nicht-kommerziell orientierten, fussballklubbesitzenden ''sugar-daddys' erreicht ist. spieler wie diego oder ribery wird man dann definitiv nicht mehr in der bundesliga spielen sehen. dann wird die sehnsucht nach dem guten alten kommerz im fussball gross sein.