sueddeutsche.de: Wie viele neue Mitglieder haben Sie jetzt durch die Dauerpräsenz in den Medien gewonnen?
Manfred Schell: "Der Börsengang ist für mich keine Option, um das zu erbringen, was die Lokführer im Jahr mehr kosten." (© Foto: Ahlemeier)
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Schell: Die zähle ich nicht. Ich höre nur zu, wenn mein Transnet-Kollege Norbert Hansen berichtet. Demnach müssten wir jetzt bei 1000 liegen.
sueddeutsche.de: Rüsten Sie sich mit der Etablierung der GDL als eigenständige Gewerkschaft für die Zeit nach dem Börsengang, wenn das Klima im Konzern noch rauher werden dürfte?
Schell: Zum Börsengang haben wir 2006 einen Beschluss gefasst, da waren wir sicherlich wieder wegweisend. Wir haben gesagt, dass wir die Bahn noch nicht für börsenreif halten. Das sehen wir auch heute so.
sueddeutsche.de: Sind Sie prinzipiell gegen den Börsengang? Immerhin bekäme der Konzern wieder Geld in die Kasse. Irgendwie müssen die Lokführer ja bezahlt werden.
Schell: Der Börsengang ist für mich keine Option, um das zu erbringen, was wir im Jahr mehr kosten. Ich bin nicht prinzipiell gegen den Börsengang, solange die Infrastruktur beim Bund bleibt. Ich halte die Bahn zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht für börsenfähig.
sueddeutsche.de: Die Bahn-Aktien könnten möglicherweise eine sichere Geldanlage werden. Zeichnen Sie Papiere?
Schell: Es könnte gegebenenfalls eine sichere Geldanlage werden - so formuliert könnte ich das unterschreiben. Ob sie tatsächlich eine wird oder ob es die Wiederholung der Post ist - das bleibt abzuwarten. Ich kann mich nicht dafür begeistern.
sueddeutsche.de: Sie danken im Mai kommendes Jahres ab und gehen in Rente. Falls sich eine Einigung mit der Bahn noch länger hinauszögert, könnten Sie unter Zeitdruck geraten. Bangen Sie um Ihr Lebenswerk?
Schell: Nein, ich fürchte nicht um mein Lebenswerk. In den mittlerweile 24 Jahren Vorstandstätigkeit ist mir vieles gelungen.
sueddeutsche.de: Ist dieser Streik der Höhepunkt?
Schell: Wenn man überhaupt irgendetwas als Höhepunkt bezeichnen kann, dann war das wohl der 24. Januar 1990. Damals bin ich nach Halle an der Saale gefahren, habe dort die erste freie Gewerkschaft in der DDR gegründet und die Kollegen der Deutschen Reichsbahn mit den Kollegen der damaligen Deutschen Bundesbahn zusammengeführt. Das hat einen weitaus höheren Stellenwert auch für die Zukunft als diese Tarifauseinandersetzung.
sueddeutsche.de: Sie haben sich selbst als "Kämpfer" und "Malocher" bezeichnet. Welcher Malocher fährt einen Mercedes SLK?
Schell: Da stellen sich folgende Fragen: Arbeiten Malocher nur 700 Meter unter der Erde? Oder gibt es Malocher, die oberirdisch arbeiten? Ich denke mir, das muss nach 25 Jahren Vorstandstätigkeit drin sein.
sueddeutsche.de: Einen Glaubwürdigkeitsverlust sehen Sie nicht? Gewerkschaften kümmern sich ja eher um Schwächere, die ihre Ziele nicht alleine erreichen können. Da könnte ein extravaganter Sportwagen manchem GDL-Mitglied sauer aufstoßen.
Schell: Ich weiß, was ich sonst zu tun habe und mein soziales Engagement festzumachen an vier Rädern, über denen ein Stern schwebt, ist nicht von besonderer Bedeutung.
sueddeutsche.de: Hat Ihre Krankenkasse Sie schon angerufen? Die könnte sich Sorgen machen, dass Sie hier nicht zum Kuren kommen. Sie haben sich hier vom idyllisch gelegenen Radolfzell am Bodensee ständig in die Diskussionen eingeschaltet.
Schell: Die Frage habe ich mir ebenfalls gestellt. Aber einen Anruf gab es bisher nicht. Das, was medizinisch erforderlich war, habe ich abgespult. Das hat morgens in der Regel um 8.30 Uhr begonnen, am Nachmittag um 15 Uhr hat das geendet. Dazwischen bleibt dann immer mal ein halbes Stündchen, um irgendetwas zu sagen und am Nachmittag ging das auch. Das war machbar.
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(sueddeutsche.de/hgn/mah)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Wie will man ein Ergebnis erzielen, wenn zwei alte sture Männer darum ringen, wer das Aphamännchen sein darf. Bei allem Verständnis dafür, dass das Bahnpersonal eine bessere Bezahlung verdient und dass das "noble" Angebot, überstunden zu bezahlen nich als ausreichend angesehen wird: ich würde vom dem Kuristen Schell erwarten, die Verhandlungsverweigerung aufzugeben. Bewegungslosigkeit ist nur beim Mikado von Vorteil....
Ich würde mich freuen, in den nächsten Tagen in etwa folgende Meldung lesen zu können:
"Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sind gegenüber dem Niveau im Oktober erneut leicht gestiegen und liegen nun bei 3.543.001. Grund für den Anstieg war die plötzliche Entlassung des GDL-Chefs Manfred Schell, der durch seine überzogenen Forderungen und seine kompromisslose Verhandlungstaktik in seinem Amt nicht mehr länger tragbar war.
Die Entlassung wurde von einem Großteil der Bahnkunden erfreut zur Kenntnis genommen."
Mal schauen ob heute wieder einmal der SZ Zensurfinger zuckt...
Nun ja, was sagt uns dieses Interview...?
Herr Schell ist einem Börsengang "anderer Bauart zu gegebener Zeit nicht abgeneigt, und als neoliberaler Gewerkschaftsmanager fährt er einen dicken Boliden der Marke Mercedes Benz... Sein Kapital ist das Drohpotenzial, das der langfristig monetär umsetzen will, ein bissel Abstand zu den übrigen niederen Rest-Bahnern sollte schon drin sein, was er natürlich leugnet, aber nur formal. Schell will langfristig mehr Cash in der Täsch, und er kennt die Folterinstrumente zur Zielumsetzung...
Seine Gegenspieler haben sich bisher hinter Gerichtsurteilen verbarrikadiert, in der Hoffnung so die GDL auflaufen zu lassen..., außerdem gilt das GG...(echt?)
@critico:
Herr "critico",
wenn Sie meinen, dass Herr Weselsky sinngemäß etwas sagte wie
"Wir hoffen, dass wir den Güterverkehr bestreiken können, um größtmöglichen Schaden anzurichten!"
dann wäre es anständig von Ihnen eine entsprechende Quellenangabe zu liefern. Ich zumindest konnte nicht ermitteln auf welche Äußerung Sie sich beziehen.
Paging