Der russische Energieriese will den Gashahn schließen, wenn sich die EU dem Expansionsdrang des Konzerns in den Weg stellen sollte.

Versuche, die Aktivitäten von Gasprom auf dem europäischen Markt einzuschränken und Fragen der Gasversorgung zu politisieren, "werden zu keinem guten Ergebnis führen", erklärte das Unternehmen am Donnerstag in Moskau.

Gazprom droht der EU

Die Gasprom-Zentrale in Moskau. (© Foto: dpa)

Anzeige

Gasprom könne in diesem Fall seine Erdgas-Exporte, die derzeit zum überwiegenden Teil nach Europa gehen, leicht in andere Regionen wie Nordamerika oder Asien umleiten.

Die EU-Kommission in Brüssel wies die Drohung umgehend zurück und appellierte an das russische Unternehmen, seine Lieferverträge einzuhalten.

Die Erklärung wurde nach einem Treffen von Gasprom-Chef Alexei Miller mit EU-Botschaftern auf der Internetseite des Konzerns veröffentlicht. Das Unternehmen verwies darin auf den verschärften Wettbewerb um den Zugang zu den weltweiten Energiereserven.

Versorgen statt liefern

Zwar verfüge Gasprom über ausreichende Vorkommen, um den wachsenden Gasbedarf der Europäischen Union zu decken. Doch solle Europa nicht vergessen, dass der Gaskonzern auch auf anderen Märkten wie Nordamerika und China aktiv sei.

Inzwischen versucht Gasprom zunehmend, auch direkt auf den europäischen Gasmärkten als Versorger tätig zu werden statt europäische Konzerne zu beliefern. Dagegen rührt sich in mehreren Ländern Widerstand, die um die Sicherheit ihrer Energieversorgung fürchten.

So hatte etwa die Financial Times in dieser Woche von den Plänen der Regierung in London berichtet, das britische Fusionsrecht derart zu verändern, dass eine mögliche Übernahme des führenden britischen Gasversorgers Centrica durch Gasprom verhindert würde.

Bei der EU-Kommission wurde die Drohung mit Befremden aufgenommen. "Die Kommission erwartet von all ihren Lieferanten, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten, und das erwarten wir auch von diesem Unternehmen", sagte ein Sprecher der Behörde in Brüssel mit Blick auf Gasprom. Zwar versuchten Lieferanten wie Abnehmer auf einem zunehmend global orientierten Gasmarkt naturgemäß möglichst viele verschiedene Kunden und Bezugsquellen zu finden, fügte der Kommissionssprecher hinzu.

Doch dürfe dies nicht zu anderen Zwecken missbraucht werden. Die Europäische Union bezieht derzeit ein Viertel ihrer Gasimporte aus Russland; in einzelnen Ländern wie Deutschland und Finnland ist die Abhängigkeit vom russischen Gas noch deutlich höher. So lieferte Russland im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel (35 Prozent) der gesamten deutschen Gasversorgung.

Leser empfehlen 

(AFP)