Gase im Flugzeug Öldämpfe schalten Lufthansa-Flugbegleiter aus

Ein Lufthansa A380:

Auf dem Flug von Frankfurt nach Johannesburg riecht es plötzlich nach Öl: Den Lufthansa-Flugbegleitern wird schlecht, mehrere werden krankgeschrieben. Es war nicht der erste Fall dieser Art. Immer wieder macht sich in Lufthansa-Maschinen penetranter Ölgeruch breit. Der Konzern arbeitet fieberhaft an einer technischen Lösung.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Normalerweise ist für die Besatzung des Lufthansa-Fluges LH592 die Müdigkeit das größte Problem auf dem langen Weg nachts von Frankfurt nach Johannesburg in Südafrika. Doch am vergangenen Wochenende wären sie froh gewesen, wenn Müdigkeit ihr einziges Problem gewesen wäre. Nachdem es in der Kabine stark nach Öl gerochen hat, wurde den Flugbegleitern schlecht - mehrere von ihnen wurden krankgeschrieben und kehrten als Passagiere zurück in die Heimat.

Laut Lufthansa-Chefpilot Werner Knorr handelt es sich um ein "extrem seltenes Vorkommnis", dem wahrscheinlich ein "bedauerlicher Arbeitsfehler" zugrunde liege. Knorr schreibt in einer internen Mitteilung, die der SZ vorliegt, dass nach einem Triebwerkswechsel an einem Airbus A380 vermutlich zu viel Öl in den neuen Motor gekippt wurde. Deswegen seien Dämpfe über die Zapfluft in die Kabine des Flugzeuges geraten.

Immer wieder Naserümpfen

Solche intern "Fume Events" genannten Vorkommnisse sind bei Lufthansa ein sensibles Thema. Denn immer wieder gibt es Berichte über unangenehme Gerüche an Bord der A380, und manche Flugbegleiter und Piloten befürchten, dauerhafte Gesundheitsschäden davonzutragen, obwohl der Zusammenhang zwischen dem Eindringen möglicher Schadstoffe und Erkrankungen wissenschaftlich zumindest umstritten ist. Laut Knorr ist der Johannesburg-Fall wegen der Öl-Überfüllung anders gelagert als die übrigen Vorfälle.

Die allerdings werden mittlerweile ziemlich intensiv untersucht. Lufthansa hat bei 26 Langstreckenflügen einen Messkoffer mitfliegen lassen, der auch mehrere Geruchsvorfälle aufgezeichnet hat. Für die Auswertung ist die Medizinische Hochschule Hannover zuständig.

In einer ersten Zwischenanalyse ist nun herausgekommen, dass selbst wenn Besatzung oder Passagiere Öl- oder ähnlichen Geruch festgestellt haben, keine gesetzlichen Grenzwerte überschritten wurden. Auch die Ursache ist weiterhin ein Rätsel.

Lufthansa hatte in den Rolls-Royce-Triebwerken Ablenkbleche modifizieren lassen, um Öldämpfe abzuhalten - die Kabinenluft wird wie bei den meisten Flugzeugen an den Triebwerken abgezapft. Doch der Umbau hat nichts gebracht. Nun soll eine andere technische Lösung im ersten Halbjahr 2014 für Abhilfe sorgen.

Außerdem sollen zusätzliche Filter eingebaut werden. Schließlich fordert Knorr, dass die Industrie Sensoren entwickelt, durch die die Besatzung ungewöhnlich hohe Konzentrationen von bestimmten Substanzen in der Luft früher erkennen kann. Denn: "Lufthansa nimmt das Thema sehr ernst."

Die Geruchsquelle bleibt ein Rätsel

Wie kompliziert die Materie aber ist, zeigt der Fall eines Germanwings-Fluges nach Köln im Jahr 2010, zu dem die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nun ihren Abschlussbericht vorgelegt hat. Damals wurde beiden Piloten im Landeanflug gleichzeitig schlecht und schwindelig, nachdem sie einen eigenartigen Geruch wahrgenommen hatten. Sie setzten die Atemmasken auf, dem Kapitän gelang es, die Maschine sicher zu landen.

Beide mussten ins Krankenhaus, beim Ersten Offizier war ein Blutwert extrem erhöht. Der Mann konnte erst nach einem halben Jahr wieder eingesetzt werden. Doch der BFU gelang es nicht nachzuvollziehen, was genau sich zugetragen hatte. Sie konnte keine Substanzen nachweisen und nicht herausfinden, wo die Geruchsquelle gewesen sein könnte.