Ein Kommentar von Marc Beise

Die Anpassungsprozesse im Kapitalismus sind hart und schmerzlich. Doch es liegt in der Natur dieses Wirtschaftssystems, dass es sich gerade in seinen Krisen bewährt.

Im Grunde können die großen Gipfeltreffen nur auf zweierlei Weise enden: Entweder die Teilnehmer gehen finsteren Gesichts und ohne Ergebnis auseinander. Dann war der Gipfel ein Misserfolg. Oder die Teilnehmer präsentieren erschöpft, aber froh ein Dokument.

Der Gipfel in London geht zu Ende: Die Hurra-Rufe der Teilnehmer sind kein Indiz für den Wert der Veranstaltung.Im Bild: Der britsche Premier Gordon Brown. (© Foto: AFP)

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War dann der Gipfel ein Erfolg? Falsch, denn auch dann ist häufig wenig entschieden. Papiere von Staatenlenkern sind geduldig - sie taugen wenig, wenn sie in den folgenden Monaten nicht befolgt und umgesetzt werden.

Die Hurra-Rufe der Gipfelteilnehmer selbst sind also kein Indiz für den Wert der Veranstaltung. Es wird keinen Regierungschef geben, der vor die Kameras tritt und zugibt, gescheitert zu sein. So war es jetzt also auch beim Londoner Finanzkrisen-Gipfel, den Beobachter historisch zu nennen belieben, kaum dass er vorbei war. Historisch, weil die Finanzkrise selbst schlimmer ist als alles, was die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat.

Geld kann die Krise nicht beenden

Wer die Ergebnisse in der Sache bewerten will, braucht also einen klaren Maßstab. Dazu muss man auf die Ursachen der Krise schauen. Die USA hatten über Jahre hinweg ungeheure Mengen an Dollar in den Markt gepumpt.

Zu viel Geld macht leichtsinnig, es befeuerte die Hasardeure in den Banken und an den Börsen, bald kannte die Gier keine Grenzen mehr. Die handelnden Politiker war von dieser Dynamik so angetan, dass sie darauf verzichteten, das Kredit- und Wertpapier-Roulette auch nur verstehen zu wollen, geschweige denn zu kontrollieren.

Billiges Geld und fehlende Kontrolle zerstörten den Zusammenhang von wirtschaftlichem Tun und Verantwortung für dieses Tun. Weder gingen die globalen Finanzinvestoren Risiken ein, wenn sie das Rad noch eine Umdrehung weiter drehten. Noch riskierten die Händler und Manager die Früchte ihrer Arbeit, weil ihnen unanständig hohe Boni sicher waren, ganz egal wie ihre Leistung auch ausgefallen war. Sind vor diesem Hintergrund die am Donnerstag in London beschlossenen Maßnahmen geeignet, die Krise zu beenden und eine Wiederholung zu verhindern? Die Antwort lautet: vielleicht.

Immerhin haben sich die USA mit ihrer Forderung nach immer neuen und immer voluminöseren Konjunkturprogrammen nicht durchsetzen können - vor allem der deutschen Regierung gebührt dafür das Verdienst. Wenn zu viel Geld die Krise erst auslöste, kann noch mehr Geld sie nicht beenden. Zwar würde ein rigider Sparkurs den Schrumpfungsprozess der Wirtschaft verhängnisvoll beschleunigen; das hat die Weltwirtschaftskrise vor bald hundert Jahren gezeigt. Deshalb müssen Konjunkturprogramme ja auch sein. Aber von diesen Programmen gibt es nun genug.

Jahre lang haben die Amerikaner über ihre Verhältnisse und auf Kosten der globalen Mitbewerber gelebt. Sie dopten sich geradezu und wurden süchtig. Als aber der Nachschub stockte, kam die Krise. Nun muss die Welt auf Entzug. Entzug funktioniert aber nicht schlagartig, sondern Schritt für Schritt. Diese Therapie hat der Gipfel nicht gestoppt. Zugleich wird viel Geld bereit gestellt für internationale Organisationen, um die Not der Entwicklungsländer zu lindern. Das ist eine Form von Schadensersatz, der nur recht und billig ist.

Gemeinsam gegen die Briten

Entscheidend aber ist, welche Kontrollen für riskante Geldgeschäfte umgesetzt werden. Im Abschlussdokument findet sich dazu einiges: Höhere Eigenkapitalquoten für die Banken und insbesondere für die besonders riskant agierenden Hedgefonds. Regeln für Boni-Systeme, die nachhaltiges Managen belohnen.

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