Von Von Imke Henkel

Der Milliardär Malcolm Glazer will Manchester United kaufen.

Willkommen ist er nicht. Als zu Wochenanfang bekannt wurde, dass der amerikanische Milliardär Malcolm Glazer mit den Managern von Manchester United über den Kauf des Fußballklubs spricht, meldeten sich umgehend die Fans und drohten mit harten Protesten.

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Ihre Entschlossenheit ist durchaus ernst zu nehmen. Schätzungsweise 37.000 Kleinanleger besitzen 18 Prozent von Manchester United. Ihre Stimmen reichen zwar nicht, um eine Übernahme zu blockieren, doch es gibt andere Mittel.

Vor fünf Jahren war der britische Bezahlfernsehsender BSyB mit den Managern des Klubs bereits handelseinig geworden; 623 Millionen Pfund sollte damals der Kaufpreis betragen. Doch die Fans hatten etwas gegen Rupert Murdoch, den größten Aktionär von BSkyB.

Mit Grundstücken ein Vermögen gemacht

Sie erzwangen eine Prüfung durch die Wettbewerbsaufsicht, die schließlich die Übernahme ablehnte.

Bislang richtete sich der Zorn der Fans gegen die beiden irischen Rennpferdbesitzer J. P. McManus und John Magnier, die gemeinsam knapp 29 Prozent des Klubs besitzen. In diesem Jahr störten United-Anhänger bereits ein Rennen, an dem Pferde der beiden Iren teilnahmen.

McManus und Magnier wird nachgesagt, sie hegten keinerlei Interesse an Fußball und sähen ihre Beteiligung an Manchester United lediglich als Geldanlage.

Das wenigstens dürfte bei Glazer anders sein. Der 76-Jährige würde mit Manchester United nicht seinen ersten Sportklub kaufen. Vor neun Jahren bezahlte er 192 Millionen Dollar für die Tampa Bay Buccaneers, die in der National Football League der USA spielten.

Nachdem er kurz zuvor mit seinem Kaufangebot bei einem anderen Verein gescheitert war, wirkte Glazers Angebot für die Buccanneers wie der übereifrige Versuch, irgendeinen Klub zu besitzen, und sei es auch einer, der nur eine Lachnummer in der amerikanischen Football-Szene war.

Das Lachen ist vielen in den Jahren danach vergangen. Glazer erhöhte umgehend die Eintrittspreise um zehn Prozent, ersetzte die orangenen Trikots durch eine ansprechendere Grau-Rot-Kombination, und er zwang die Gemeinde von Tampa, für ein neues Stadion zu bezahlen, indem er drohte, andernfalls den gesamten Klub in eine andere Stadt umziehen zu lassen.

Es sind diese rabiaten Methoden, die die Manchester United-Fans fürchten. Auf einem anderen Blatt steht, dass Glazer für gut acht Millionen Dollar einen Trainer anheuerte, unter dessen Führung die Buccaneers im Januar 2003 den amerikanischen Super Bowl gewannen. Glazer hat seinen Aufstieg auf klassische amerikanische Weise selbst geschafft.

Er war erst 15, als sein Vater an Krebs starb und nichts hinterließ als 300 Dollar und eine schlecht geführte Reparaturwerkstatt für Uhren. Der Sohn verstand es, unter anderem mit Grundstücken für Supermärkte ein Vermögen zu erwirtschaften, das die Zeitschrift Forbes auf rund eine Milliarde Dollar schätzt.

Glazer hat sechs Kinder, die er in seine Geschäfte einbezieht. Das Bild, das er in öffentlichen Auftritten von sich zu vermitteln liebt, ist das des tief religiösen Wohltäters, der seit 44 Jahren treu zu seiner Frau und Familie steht.

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(SZ vom 06.10.2004)