Fusion von Random House und Penguin Bertelsmann schafft größten Buchverlag der Welt

Im letzten Moment hatte Rupert Murdoch noch versucht, den Deal zu torpedieren - vergeblich. Bertelsmann gründet mit seinem britischen Konkurrenten Pearson den weltweit größten Buchverlag. Die alteingesessene Branche wird von einem neuen Wettbewerber unter Druck gesetzt: Amazon.

Bertelsmann schafft gemeinsam mit seinem britischen Konkurrenten Pearson den weltweit größten Buchkonzern. Unter dem Namen Penguin Random House sollen künftig die Bertelsmann-Tochter Random House und Pearsons Buchsparte Penguin zusammenarbeiten.

Bertelsmann werde 53 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen halten, der britische Partner 47 Prozent, teilte der Gütersloher Konzern mit. "Mit dem geplanten Zusammenschluss schaffen Bertelsmann und Pearson die bestmöglichen Voraussetzungen für die Zukunft ihrer weltweit anerkannten Verlagshäuser Random House und Penguin", erklärte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.

Random House mit Hauptsitz in New York ist eine von vier wichtigen Bertelsmann-Sparten - neben der TV-Gruppe RTL, der Dienstleistungstochter Arvato und dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Unter Vertrag bei Random House sind Erfolgsautoren wie John Grisham, Dan Brown, John Irving, Toni Morrison, John Updike oder Orhan Pamuk. Penguin ist kleiner als Random House. Die Briten mit dem berühmten Pinguin im Emblem sind vor allem für ihre preiswerten Klassiker-Taschenbücher bekannt.

Beide Verlage sollten ihre Identität bewahren und auch in Zukunft weiter autonom publizieren, heißt es in der Mitteilung. Die deutsche Verlagsgruppe Random House mit Sitz in München solle zudem nicht Teil der Gruppe werden, sondern bei Bertelsmann verbleiben.

Amazon setzt die Branche unter Druck

Penguin und Random House gehören zu den sogenannten Big Six, den sechs Verlagen, die das weltweite Buchgeschäft dominieren. Der neue Verlag hätte nach Einschätzung von Experten einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. Fraglich bleibt daher vorerst, ob die Kartellbehörden dem Deal zustimmen. Beide Verlage gehen davon aus, dass die Prüfung bis zur zweiten Jahreshälfte 2013 beendet ist.

Dass die Big Six sich neu positionieren müssen, liegt an der Macht des neuen, siebten Mitspielers: Der Versandhandelskonzern Amazon ist in mehrfacher Hinsicht zum Problem für die Verlage geworden. Da er der wichtigste einzelne Verkaufskanal ist, kann er den Verlegern die Bedingungen teilweise diktieren, zu denen er ihnen Bücher abkauft. Im schnell wachsenden E-Book-Segment werfen Verlage Amazon vor, die Dateien zu Dumpingpreisen an die Kunden zu bringen - Amazons Strategie zielt vor allem auf Umsatz, vergangene Woche meldete das Unternehmen hohe Verluste.

Vor allem aber macht sich Amazon verstärkt daran, traditionellen Verlagen in ihrem Kerngeschäft Konkurrenz zu machen. Das Unternehmen dominiert nicht nur Print-on-demand - das Geschäft mit selbstverlegten oder nicht mehr gedruckten Büchern, die nur auf Anfrage produziert werden. Amazon verlegt auch selbst vermehrt Bestsellerautoren, die es mit einer höheren Beteiligung an den Verkäufen lockt, als es die meisten alten Verlage bieten.

"Vor zehn Jahren hätte man diese Fusion als Katastrophe angesehen", zitiert die Financial Fimes John Mitchinson vom unabhängigen Verlag Unbound. "Aber Amazon hat das Spiel dermaßen verändert, dass diese Art von Nachhutgefecht unvermeidlich geworden ist."

Murdoch wollte mitmischen - und scheiterte

Kurz vor Bekanntgabe der Einigung hatte Medienmogul Rupert Murdoch noch versucht, die Pläne von Bertelsmann zu torpedieren. Das Murdoch-Blatt Sunday Times berichtete, Murdoch wolle eine Milliarde Pfund für Penguin bieten und den Verlag mit seinem Verlagshaus Harper-Collins verschmelzen, das ebenfalls zu den Big Six gehört.

Die zum Pearson-Verlag gehördende Financial Times hatte daraufhin berichtet, das Angebot könne zum Problem für Bertelsmann werden, weil dem Konzern kurzfristig das Geld für ein Gegenangebot fehle.

Die Fusion der Verlage passt gut in den Kurs von Bertelsmann-Chef Rabe. Der Finanzexperte, erst seit Jahresanfang an der Bertelsmann-Spitze, will den Umsatz nach den Jahren der Stagnation unter seinem Vorgänger Hartmut Ostrowski wieder steigern. Doch teure größere Zukäufe sind nicht möglich, da Bertelsmann im Vollbesitz der Familie Mohn ist, und damit an der Börse kein Kapital einsammeln kann.

Zuletzt war Rabe mit einem wichtigen Vorhaben gescheitert. Er wollte die Mehrheit an Gruner + Jahr (Stern, Brigitte, Financial Times Deutschland) übernehmen, wurde sich aber mit dem Miteigentümer, der Familie Jahr, die 25,1 Prozent hält, nicht einig. Die nun besiegelte Fusion bezeichnete Rabe als einen "Meilenstein" für Bertelsmann.